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Wie man Elektroautos wirklich fördern würde

Fuchs Richard Kommentarbild App
Richard A. Fuchs
18. Mai 2016

Die Bundesregierung will den Verkauf von Elektroautos ankurbeln. Kaufprämien und zehn Jahre Steuerbefreiung sollen Käufer anlocken. Doch eine echte Förderung der Elektromobilität sieht anders aus, meint Richard Fuchs.

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Carsharing Station für Elektrofahrzeuge in Erfurt
Bild: picture-alliance/dpa

Damit es mit der Elektromobilität in Deutschland klappt, will der Staat jetzt Geld in die Hand nehmen. Viel Geld. Denn viel hilft viel, glaubt der Volksmund zu wissen. Bisher verkauften sich Elektroautos nur schleppend. Weniger als 50.000 Fahrzeuge fahren hierzulande elektrisch - bei immerhin mehr als 45 Millionen PKWs insgesamt. Mit Knete vom Staat soll das jetzt anders werden: 4000 Euro sollen Käufer reinrassiger Elektroautos bekommen. Beim Kauf von Hybridfahrzeugen immerhin noch 3000 Euro. Die Kaufprämie gilt solange, bis der 1,2-Milliarden-Euro-Fördertopf leer ist. Dann soll der PKW-Markt sich verändert haben: Bis zu 500.000 Elektrofahrzeuge könnten bis 2020 über Deutschlands Straßen rollen, schätzt die Regierung. Wo Zweifel an der Alltagstauglichkeit der Elektroautos bleiben, sollen weitere Steuervergünstigungen Überzeugungsarbeit leisten: Wer elektrisch fährt, wird für zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit.

Gute Gesetze sind besser als schlechte Geschenke

Das klingt schön, ist es allerdings nicht. Denn an der Misere mit den Elektroautos ändert all das nichts. Im Gegenteil: "Stromer" werden auch mit Kaufprämie und Steuerbonus hierzulande keinen reißenden Absatz finden. Das liegt vor allem an den schlechten Rahmenbedingungen. Und an einer Politik, die sich um mutige Entscheidungen herum mogelt.

Um den Kfz-Markt wirklich in Bewegung zu bringen, bräuchte es eine neue Ampelschaltung. Rot für Benziner, grün für Elektromobile. Die Nutzung von Verbrennungsfahrzeugen müsste schrittweise unattraktiver werden. Die Nutzung von Elektroautos müsste dem spiegelbildlich folgen - und auf grün schalten. Das erzeugt
Widerstand der mächtigen Auto-Lobby hierzulande und wurde daher verworfen, bevor es überhaupt versucht wurde. Deshalb wirkt die Reform halbherzig, ja mutlos.

Wirkliche Innovationssprünge bei der Umweltverträglichkeit des Automobils hat es immer nur dann gegeben, wenn der Gesetzgeber durch schärfere Vorgaben Druck erzeugt hat. Druck beispielsweise durch eine Anpassung der Abgasnormen, die stinkende Dieselfahrzeuge aus den Städten verbannen würde. Nicht fördern, sondern fordern - das müsste die Politik der Bundesregierung sein. Scharfe Grenzwerte für Schadstoffausstoß und Treibstoffverbrauch sind der Schlüssel zur Elektromobilität. Genau vor dieser Eindeutigkeit schreckt die Bundesregierung zurück.

Richard Fuchs, Korrespondent im DW-Hauptstadtstudio
Richard Fuchs, Korrespondent im DW-Hauptstadtstudio

Umweltfreundliche Autos mit Strom aus Braunkohle?

Statt Geldgeschenke braucht die Elektromobilität vor allem eines: ein logisches Gesamtkonzept. Und genau daran hapert es im Energiewende-Vorzeigeland Deutschland ganz besonders. So macht eine Vergrößerung der Elektro-Fahrzeugflotte nur dann wirklich Sinn, wenn auch das Angebot von klimafreundlichem Strom steigt. Denn jeder Kilometer, den ein Elektrofahrzeug mit Strom aus Braunkohlemeilern oder Atomkraftwerken fährt, stellt klimapolitischen Irrsinn dar. Teuren Irrsinn allemal.

Da will es so gar nicht ins Bild passen, dass die Bundesregierung bei Elektromobilen Gas geben will, während sie beim Ausbau der Erneuerbaren massiv auf die Bremse tritt. Die Förderung von Wind- und Solarenergie soll deutlich eingeschränkt werden. Zudem müssen Besitzer von Elektroautos, die ihr Fahrzeug über die eigene Solaranlage tanken, eine Strafgebühr entrichten, die entgangene Netzkosten abgleicht. Wer will, dass die neuen Besitzer von Elektroautos Freude an ihren Fahrzeugen haben, der muss politisch anders vorgehen.

Elektroautos sind eine sinnvolle Ergänzung

Dabei könnten Elektroautos allen Unkenrufen zum Trotz einen sinnvollen Beitrag für mehr Klimaschutz leisten. Dafür muss sich aber mehr ändern, als nur der Antrieb weniger Fahrzeuge. Besonders schwer wird es da bei Gewohnheiten. Denn auch wenn Elektroautos nicht das richtige Auto für die Urlaubsfahrt nach Italien sind: Ganz bestimmt sind sie für alle jene interessant, die tagtäglich von und zur Arbeitsstelle weniger als 100 Kilometer pendeln.

Rund ein Drittel aller Fahrzeuge in Deutschland werden vor allem für derlei Pendelzwecke genutzt. In Zahlen entspricht dies einem Marktpotenzial von immerhin 15 Millionen Fahrzeugen, die - konsequent mit Ökostrom betankt - tatsächlich eine Verkehrswende einläuten könnten. Das gilt besonders in ländlichen Gebieten und in den Randlagen der Städte, in denen der öffentliche Nahverkehr vielfach zu wenig Flexibilität bietet. Anstatt Besserverdienern Geld nachzuwerfen, sollte die Politik deshalb dieser Zielgruppe andere Vorteile verschaffen: Staufreie Zufahrt und öffentliches Parken in den Metropolen zum Beispiel nur für schadstoffarme Elektroautos. Wetten, dass die sich dann ganz von alleine verkaufen?

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