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Massenprotest gegen Frauenmorde

4. Juni 2015

Mindestens 277 Frauen wurden im Jahr 2014 in Argentinien ermordet, meistens von ihren Partnern. Zehntausende Menschen zogen jetzt aus Protest auf die Straßen.

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In Argentinien Protest gegen Frauenmorde (foto: reuters)
Bild: reuters

Eine Reihe brutalster Frauenmorde hat in Argentinien eine hitzige Debatte über die alltägliche Gewalt entfacht. Zehntausende Menschen demonstrierten jetzt vor dem Parlament in Buenos Aires und in zahlreichen anderen Städten gegen die grassierenden Misshandlungen und forderten mehr Schutz und endlich Gleichberechtigung für Frauen. gegen der Frauen. In Chile, Uruguay und Mexiko fanden ähnliche Kundgebungen statt.

In der argentinischen Hauptstadt wurden auf eine Papierwand hunderte Namen von Frauen geschrieben, die Opfer von Gewalt geworden sind. Die Demonstranten hinterließen auf der Papierwand Handabdrücke aus roter Farbe.

Die Zahl der Morde ist gestiegen, es kommt zu immer grausameren Übergriffen. Einer Kindergärtnerin war vor den Augen der Kinder von ihrem Ex-Mann die Kehle durchgetrennt worden. Eine schwangere 14-Jährige soll von ihrem 16-jährigen Ex-Freund totgeschlagen und dann mit Hilfe von Angehörigen im Garten der Familie vergraben worden sein. Auf der Terrasse eines Cafés wurde am hellichten Tag eine Frau von ihrem Ex-Freund getötet.

Opfer der Macho-Kultur

Es handele sich um "sinnbildliche Frauenmorde", die einen "sozialen und politischen Wendepunkt" markierten, sagte Fabiana Túñez von der Organisation Casa del Encuentro. Angesichts einer Macho-Kultur seien Frauen in Argentinien bislang als "eine 'Sache, die man beherrschen muss'" betrachtet worden. Die Politik müsse daher endlich mit einem nationalen Aktionsplan gegen Gewalt gegen Frauen vorgehen.

Sex-Objekte

Staatschefin Cristina Fernandez de Kirchner unterstützte die Proteste unter dem Motto "'NiUnaMenos" (Keine weniger). In sozialen Netzwerken prangerte sie andere Formen der Gewalt gegen Frauen an. So werde in Fernsehsendungen "die Frau zum Objekt gemacht". Daher werde es wird immer jemanden geben, der meint, "wenn er sie nicht besitzen kann, kann er sie kaputtmachen", beklagte Kirchner.

Auch Studentenorganisationen, mehrere politische Parteien und die katholische Kirche unterstützten die Proteste.

2012 wurde im argentinischen Strafrecht Frauenmord als verschärfter Tatbestand eingestuft. Während Mord mit zwölf bis 25 Jahren Gefängnis bestraft wird, ist für einen Frauenmord lebenslange Haft vorgesehen.

Dennoch wird in Argentinien alle 31 Stunden eine Frau getötet. Laut Casa del Encuentro gab es im vergangenen Jahr 277 Frauenmorde. 2015 sind es bislang schon wieder 140. In den Jahren 2010 bis 2012 waren in dem südamerikanischen Land 53 Frauen lebendig verbrannt worden. In Brasilien, Mexiko und Zentralamerika ist die Situation noch alarmierender.

SC/sti (afp, dpa)