Städel Museum Frankfurt

Matisse und Bonnard: "Es lebe die Malerei!"

Die Maler Henri Matisse und Pierre Bonnard waren 40 Jahre lang eng befreundet. In Briefen und Postkarten tauschten sie sich über Kunst und Frauen aus. Das Städel Museum zeigt die beiden im malerischen Dialog.

Ländliche Idylle erwartet ihn. Henri Cartier-Bresson, Fotograf der Agentur Magnum, besucht die beiden berühmten Maler Matisse und Bonnard 1944 in Südfrankreich, mitten im Zweiten Weltkrieg. Und er bekommt sehr private Einblicke in ihre Atelierwelten. Beide Künstler sind bereits hochbetagt: Henri Matisse ist schon 75, Pierre Bonnard 77 Jahre alt. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen des Fotografen ergänzen die rund 120 Gemälde, Grafiken, Zeichnungen und Plastiken, die jetzt im Frankfurter Städel Museum zu sehen sind.

Angelegt ist die Ausstellung als Dialog – auch der Bilder. Beide Maler pflegten eine rege Korrespondenz und einen intensiven Austausch über die Kunst der Moderne des 20. Jahrhunderts, die Malerei an sich und über ihre persönliche Sichtweisen auf immer wiederkehrende Motive. Die Körperlandschaften ihrer weiblichen Aktmodelle gehörten zu ihren Lieblingsmotiven. Es waren Stillleben auf ihre Art, wenn sie in das entsprechende Interieur eingebettet waren.

Die Farbigkeit Südfrankreichs

Pierre Bonnard, geboren am 13. Oktober 1867 in der Nähe von Paris, malte fast immer seine eigene Frau, die ihm geduldig Modell saß. Sein Atelier hatte er in der Künstlerkolonie "Cité des Fusains" am Fuß des Montmartre. Als privater Mensch trat Bonnard kaum in Erscheinung - trotz seiner Berühmtheit in der Kunstwelt.

Von seinen vielen Reisen quer durch Europa und nach Tunesien und in die USA brachte er zahlreiche Bildideen und Motive zurück und setzte sie malerisch oder grafisch um. 1926 verlegte er seinen Wohnsitz nach Südfrankreich und arbeitete fortan in seinem sonnendurchfluteten Wohnsitz in Le Cannet, in der Nähe von Cannes. Dort starb er auch am 23. Januar 1947, im Alter von 79 Jahren.

Vorliebe für Aktbilder

Im Gegensatz zu Bonnard hatte Matisse zahlreiche Modelle. Ihn interessierten als Künstler vor allem die weiblichen Körperformen, die er in zahllosen Aktbildern und Zeichnungen verewigt hat. Sein "Großer liegender Akt", entstanden 1935, zählt zu den Hauptattraktionen der Frankfurter Ausstellung. Es konnte als Leihgabe vom Baltimore Museum of Art ausgeliehen werden und ist seit 30 Jahren das erste Mal überhaupt wieder in Deutschland zu sehen.

Das Gemälde war für Henri Matisse als Maler ein Meilenstein - hin zur Abstraktion von Menschenfiguren und Landschaften. Er arbeitete nur noch mit starken, klaren Farben und ließ alle Zwischentöne weg, was seinen Arbeiten etwas Grafisches verlieh. Das Modell für "Großer liegender Akt" war seine russische Atelierassistentin Lydia Delectorskaya, die er häufig porträtierte. Matisse schuf auch kraftvolle Skulpturen und begann Anfang der 1940er Jahre mit seinen berühmten farbigen Scherenschnitt-Bildern.

Revolutionäre Farbsetzung

Henri Matisse, geboren am 31. Dezember 1869, hatte zuerst Jura studiert, aber die Malerei interessierte ihn mehr. Seine Kunstfertigkeit erwarb er an der Hochschule der Schönen Künste in Paris. Anfangs kopierte er fleißig Gemälde der Großen Meister, die im Louvre hingen. Aber sein eigener Stil brachte ihn schnell an die Spitze der sogenannten "Fauves" (Die wilden Tiere"), die Farbgebung nicht nur als Mittel zur Darstellung eines Gegenstandes einsetzten, sondern den Zusammenklang der Farbflächen als malerische Aussage in den Fokus rückten. Die Malschule, die Matisse 1908 in Paris gründete, zog bald junge Künstler aus der ganzen Welt an. 1916 zog er auf ärztliches Anraten nach Nizza, da das mediterrane Klima heilsam für seine chronische Bronchitis war.

Henri Matisse - Selbstportrait (Succession H. Matisse/VG Bild-Kunst, Bonn 2017/SMK)

1906 malte Henri Matisse dieses Selbstporträt

Daniel Zamani vom Städel Museum, der als Ko-Kurator zusammen mit Sammlungsleiter Felix Krämer die Ausstellung inhaltlich aufgebaut hat, sieht Matisse und Bonnard auch als Vorreiter einer neuen, modernen Kunstströmung in Europa: "Beide Künstler entwickelten eine unverwechselbare individuelle Formensprache, die von einem unablässigen Arbeitseifer und einer lebenslangen Experimentierfreude angetrieben wurde."

Der Ausstellungstitel entstammt einer Postkarte, die Henri Matisse am 13. August 1925 an seinen Freund Pierre Bonnard schrieb: "Es lebe die Malerei!" – wenige  Worte, von tiefer Freundschaft und gegenseitiger Wertschätzung getragen. Im Frankfurter Städel ist zu bewundern, wie stark sich die beiden herausragenden Maler gegenseitig inspiriert haben.

Die Ausstellung "Matisse-Bonnard. "Es lebe die Malerei" ist noch bis zum 14. Januar 2018 im Städel Museum Frankfurt zu sehen. 

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