Matisse und Bonnard: ″Es lebe die Malerei!″

Matisse und Bonnard: "Es lebe die Malerei!"

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Ikone der Malerei

Als kunsthistorisches Highlight können die Besucher das Ölgemälde "Großer Liegender Akt" von Altmeister Henri Matisse bewundern. Zum ersten Mal nach 30 Jahren ist das berühmte Bild wieder in Deutschland zu sehen.

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Matisse: "Odalisken"

Das Ölgemälde "Odalisken" hat Matisse im Jahr 1928 gemalt. Normalerweise hängt es im Moderna Museet in Stockholm. Für die Dialog-Ausstellung im Städel Museum wurde es als Leihgabe nach Frankfurt geschickt.

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"Liegender Akt"

Bei den Aktgemälden kam es beiden Malern immer auch auf den Hintergrund des Bildes an. Oft drapierten sie farbige Stoffe, Vorhänge oder andere farbige Elemente für die Bildkomposition dazu. Dieses Bild von Pierre Bonnard "Liegender Akt auf weißblau kariertem Grund" ist ein extrem klein: Es misst gerade mal 60 x 65 Zentimeter. Es ist Eigentum des Städelschen Museumsvereins in Frankfurt/M..

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Der Maler Pierre Bonnard

In Bonnards Haus in Südfrankreich stapelten sich überall Bilder, Zeichnungen und Entwürfe. Vieles war ungeordnet. Auf diesem Foto des weltberühmten Fotografen Henri Cartier-Bresson wirkt Pierre Bonnard gedankenverloren. Bresson schoss das Bild 1944 in Cannet.

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Matisse in seinem Atelier

Auch den französischen Maler Henri Matisse besuchte Henri Cartier-Bresson häufig und machte viele, auch sehr private Fotos von ihm. Hier entspannt der damals schon weltberühmte Künstler im Morgenmantel in seinem Haus in Vence/Südfrankreich. Das Schwarz-Weiß-Foto entstand, wie das von Bonnard, ebenfalls 1944.

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Sommerwelten

Beide Maler lebten den größten Teil ihres Lebens in Südfrankreich. Ihre Motive sind deshalb häufig auch ähnlich: Strandpromenaden, Sommerlicht, atmosphärische Aktgemälde. Hier ist Bonnards Gemälde "Terrasse in Südfrankreich" zu sehen. Die Ausstellung "Vive la Peinture!" (Es lebe die Malerei!) im Städel Museum Frankfurt läuft vom 13.9. 2017 bis zum 14.1.2018.

Die Maler Henri Matisse und Pierre Bonnard waren 40 Jahre lang eng befreundet. In Briefen und Postkarten tauschten sie sich über Kunst und Frauen aus. Das Städel Museum zeigt die beiden im malerischen Dialog.

Ländliche Idylle erwartet ihn. Henri Cartier-Bresson, Fotograf der Agentur Magnum, besucht die beiden berühmten Maler Matisse und Bonnard 1944 in Südfrankreich, mitten im Zweiten Weltkrieg. Und er bekommt sehr private Einblicke in ihre Atelierwelten. Beide Künstler sind bereits hochbetagt: Henri Matisse ist schon 75, Pierre Bonnard 77 Jahre alt. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen des Fotografen ergänzen die rund 120 Gemälde, Grafiken, Zeichnungen und Plastiken, die jetzt im Frankfurter Städel Museum zu sehen sind.

Angelegt ist die Ausstellung als Dialog – auch der Bilder. Beide Maler pflegten eine rege Korrespondenz und einen intensiven Austausch über die Kunst der Moderne des 20. Jahrhunderts, die Malerei an sich und über ihre persönliche Sichtweisen auf immer wiederkehrende Motive. Die Körperlandschaften ihrer weiblichen Aktmodelle gehörten zu ihren Lieblingsmotiven. Es waren Stillleben auf ihre Art, wenn sie in das entsprechende Interieur eingebettet waren.

Die Farbigkeit Südfrankreichs

Pierre Bonnard, geboren am 13. Oktober 1867 in der Nähe von Paris, malte fast immer seine eigene Frau, die ihm geduldig Modell saß. Sein Atelier hatte er in der Künstlerkolonie "Cité des Fusains" am Fuß des Montmartre. Als privater Mensch trat Bonnard kaum in Erscheinung - trotz seiner Berühmtheit in der Kunstwelt.

Von seinen vielen Reisen quer durch Europa und nach Tunesien und in die USA brachte er zahlreiche Bildideen und Motive zurück und setzte sie malerisch oder grafisch um. 1926 verlegte er seinen Wohnsitz nach Südfrankreich und arbeitete fortan in seinem sonnendurchfluteten Wohnsitz in Le Cannet, in der Nähe von Cannes. Dort starb er auch am 23. Januar 1947, im Alter von 79 Jahren.

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Vorliebe für Aktbilder

Im Gegensatz zu Bonnard hatte Matisse zahlreiche Modelle. Ihn interessierten als Künstler vor allem die weiblichen Körperformen, die er in zahllosen Aktbildern und Zeichnungen verewigt hat. Sein "Großer liegender Akt", entstanden 1935, zählt zu den Hauptattraktionen der Frankfurter Ausstellung. Es konnte als Leihgabe vom Baltimore Museum of Art ausgeliehen werden und ist seit 30 Jahren das erste Mal überhaupt wieder in Deutschland zu sehen.

Das Gemälde war für Henri Matisse als Maler ein Meilenstein - hin zur Abstraktion von Menschenfiguren und Landschaften. Er arbeitete nur noch mit starken, klaren Farben und ließ alle Zwischentöne weg, was seinen Arbeiten etwas Grafisches verlieh. Das Modell für "Großer liegender Akt" war seine russische Atelierassistentin Lydia Delectorskaya, die er häufig porträtierte. Matisse schuf auch kraftvolle Skulpturen und begann Anfang der 1940er Jahre mit seinen berühmten farbigen Scherenschnitt-Bildern.

Revolutionäre Farbsetzung

Henri Matisse, geboren am 31. Dezember 1869, hatte zuerst Jura studiert, aber die Malerei interessierte ihn mehr. Seine Kunstfertigkeit erwarb er an der Hochschule der Schönen Künste in Paris. Anfangs kopierte er fleißig Gemälde der Großen Meister, die im Louvre hingen. Aber sein eigener Stil brachte ihn schnell an die Spitze der sogenannten "Fauves" (Die wilden Tiere"), die Farbgebung nicht nur als Mittel zur Darstellung eines Gegenstandes einsetzten, sondern den Zusammenklang der Farbflächen als malerische Aussage in den Fokus rückten. Die Malschule, die Matisse 1908 in Paris gründete, zog bald junge Künstler aus der ganzen Welt an. 1916 zog er auf ärztliches Anraten nach Nizza, da das mediterrane Klima heilsam für seine chronische Bronchitis war.

Frankfurt am Main - Städel Museum: Ausstellung „Bonnard – Matisse: Es lebe die Malerei! - Vive la peinture!“ - Henri Matisse - Selbstportrait

1906 malte Henri Matisse dieses Selbstporträt

Daniel Zamani vom Städel Museum, der als Ko-Kurator zusammen mit Sammlungsleiter Felix Krämer die Ausstellung inhaltlich aufgebaut hat, sieht Matisse und Bonnard auch als Vorreiter einer neuen, modernen Kunstströmung in Europa: "Beide Künstler entwickelten eine unverwechselbare individuelle Formensprache, die von einem unablässigen Arbeitseifer und einer lebenslangen Experimentierfreude angetrieben wurde."

Der Ausstellungstitel entstammt einer Postkarte, die Henri Matisse am 13. August 1925 an seinen Freund Pierre Bonnard schrieb: "Es lebe die Malerei!" – wenige  Worte, von tiefer Freundschaft und gegenseitiger Wertschätzung getragen. Im Frankfurter Städel ist zu bewundern, wie stark sich die beiden herausragenden Maler gegenseitig inspiriert haben.

Die Ausstellung "Matisse-Bonnard. "Es lebe die Malerei" ist noch bis zum 14. Januar 2018 im Städel Museum Frankfurt zu sehen.