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Meister des Dezenten

Leona Frommelt9. Mai 2003

Wie seine Modeentwürfe ist auch sein Lebensstil: Eher unauffällig mag es Giorgio Armani. Er kann aber auch anders, wie eine Ausstellung in der Berliner Neuen Nationalgalerie zeigt. Der Meister war selbst zugegen.

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"Wer in der Mode nicht er selbst ist, hat bereits verloren"Bild: AP
Frühling/Sommer Kollektion 2003 von Giorgio Armani Mailand Italien
Markenzeichen: Neutrale Farben und edle StoffeBild: AP

Wenn der italienische Modeschöpfer - 1934 im italienischen Piacenza geboren - doch einmal auftaucht, wird daraus gleich ein gesellschaftliches Ereignis. Am Mittwoch (6. Mai 2003) war der 68-Jährige in Berlin. Der Grund: In der Neuen Nationalgalerie wurde mit einem Festakt die Ausstellung "Giorgio Armani" eröffnet, die mehr als 500 seiner eleganten Kostüme zeigt. Anschließend gab es für die geladene Gesellschaft eine große Party.

Bis zum 13. Juli 2003 können die Kreationen Armanis, der als einer der einflussreichsten Modedesigner des 20. Jahrhunderts gilt, bestaunt werden. Damit die Entwürfe auch richtig zur Geltung kommen, hat der amerikanische Star-Regisseur und Ästhetiker Robert Wilson die Schau gestaltet. Zu sehen sind Anzüge und kragenlose Hemden ebenso wie lockere Freizeitmode und aufregende Dessous. Sie dokumentieren die Entwicklung des Designers und seinen Beitrag zu Mode und Kultur der vergangenen 25 Jahre. Adaptionen des Smokings für Frauen stehen am Beginn der Vorstellung von Armanis Werk.

Zwangloser Stil

Giorgio Armani
Giorgio ArmaniBild: AP

Beispiele von maskulinen Damen-Jacketts, die an Marlene Dietrich erinnern, unterstreichen den berühmten androgynen Look des Designers. Armani veränderte die Regeln zeitgenössischer Mode grundlegend. In der Branche gilt er als Purist und Perfektionist, der milde und neutrale Farben wie Grau, Beige, Weiß und Blau bevorzugt. Seine selbst entworfenen Stoffe sind unauffällig, aber voll von verwobenen, geometrischen kleinen Mustern und Strukturen. Auf übermäßiges Ornament verzichtet er. Auch die von Armani entworfene Business- und Abendgarderobe ist sportlich-leger. Sie wird auf anspruchsvolle und gleichzeitig praktische Schlichtheit reduziert. Understatement ist ein Kennzeichen seiner Modekunst.

Zwar sagte Armani einmal, der Mensch brauche nicht viel mehr als "eine gute Jacke und eine Hose, natürlich einen Stuhl und einen Tisch". Seit Beginn der 80er Jahre jedoch produziert er Parfüms, später kamen Hüte, Krawatten, Lederwaren, Schuhe, Schmuck, Brillen, Möbel und Wohnaccessoires hinzu. In der Ausstellung werden auch Modelle präsentiert, die man schon auf den roten Teppichen der Oscar-Verleihung oder ähnlicher Veranstaltungen gesehen hat. Der vielseitig begabte Künstler machte sogar einen Abstecher ins Filmgeschäft und entwarf für Hollywood-Filme Kostüme. Und im Auftrag der italienischen Bischofskonferenz gestaltete er 1989 gar einen in Grautönen gehaltenen Ledereinband für ein Evangelienbuch.

"Männer machen für Frauen die bessere Mode"

Giorgio Armani mit Model Herbst/Winterkollektion 2003/2004 in Mailand Italien
Giorgio Armani mit Milla JovovichBild: AP

Mittlerweile werden seine Erzeugnisse weltweit, sogar in Peking, in rund 2000 Filialen und 36 eigenen Boutiquen vertrieben. Mehr als 2300 Beschäftigte arbeiten für Armani, der als Modeschöpfer Autodidakt ist, und 1957 in einem Mailänder Warenhaus als Schaufenster-Dekorateur anfing. 1975 gründete er ein eigenes Modeunternehmen. Schon die ersten Kollektionen zeigten die für ihn typische Verbindung von ungezwungener Eleganz und Bequemlichkeit. Auch heute noch bevorzugt er Gegensätze: modern und traditionell, schwarz und weiß, alt und neu, sachlich und fantasievoll.

Aber Armani hatte auch seine Affären: Anfang der 90er Jahre habe er Steuerfahnder mit Schmiergeldern bestochen, räumte er freiwillig ein und wurde 1996 von einem Gericht zu einer Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt. Seine große Liebe gehört seiner vor drei Jahren gestorbenen Mutter. Er sagt: "Ich bin wie sie, immer aktiv, physisch wie mental." Ein Bild seiner Mutter trägt er immer bei sich. "Habe ich es vergessen, schicke ich meinen Fahrer, damit er es mir holt."