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Hinrichtungswelle in Saudi-Arabien

16. Juni 2015

Saudi-Arabien hat nach Angaben von Human Rights Watch (HRW) seit Jahresbeginn bereits 100 Menschen hingerichtet. Fast die Hälfte der Getöteten hatte sich keine Gewaltverbrechen zuschulden kommen lassen.

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Blick auf den Hinrichtungsplatz und das Gebäude der Religionspolizeibehörde in Riad (Archivbild von 2006: dpa)
Blick auf den Hinrichtungsplatz und das Gebäude der Religionspolizeibehörde in Riad (Archivbild von 2006)Bild: picture-alliance/dpa/P. Grimm

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HWR) beklagt einen deutlichen Anstieg der Hinrichtungen in Saudi-Arabien. Seit Januar seien bereits 100 Todesurteile vollstreckt worden; das seien mehr als im gesamten Jahr 2014 mit 88 Hinrichtungen. In 47 Fällen seien die Täter für gewaltfreie Drogendelikte bestraft worden, kritisieren die Menschenrechtler.

"Saudische Behörden befinden sich in diesem Jahr auf einem Feldzug des Todes", sagte die für Nahost und Nordafrika zuständige Direktorin bei HRW, Sarah Leah Whitson. "Es ist schlimm genug, dass Saudi-Arabien so viele Menschen hinrichtet, aber die Exekution von Personen im Zusammenhang mit nicht-gewalttätigen Drogenvergehen zeigt, wie frevelhaft diese Hinrichtungen sind."

"Unfaire und fehlerhafte Gerichtsverfahren"

Unter den Hingerichteten waren den Angaben zufolge 57 saudische Bürger; unter den Ausländern machten Pakistaner die größte Gruppe aus. Die Menschenrechtler verweisen auf internationale Standards, etwa die auch von Saudi-Arabien ratifizierte Arabische Charta der Menschenrechte, die die Todesstrafe nur für "schwerste Verbrechen" und in Ausnahmefällen vorsehen.

HRW wirft den saudischen Behörden zudem unfaire und fehlerhafte Justizverfahren vor. Verdächtige hätten bei Verhören häufig keinen Anspruch auf einen Rechtsbeistand; in Verfahren würden nicht alle Zeugen gehört und Beweise vorgelegt.

Die Todesstrafe sei generell abzulehnen, so die Menschenrechtler. Sie sei grausam und unumkehrbar und zudem in vielen Fällen willkürlich, fehlerhaft und mit Vorurteilen behaftet.

In Saudi-Arabien werden Vergewaltigung, Mord, Abkehr vom Islam, Raub und Drogenhandel mit der Todesstrafe geahndet - in Anwendung einer rigorosen Auslegung der Scharia. Die meisten Verurteilten werden öffentlich mit dem Schwert enthauptet. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ist Saudi-Arabien mittlerweile eines der Länder mit den meisten Hinrichtungen weltweit - neben China, dem Iran, dem Irak und den USA.

Mitte Mai hatte die Regierung in Riad per Anzeige acht Henker gesucht. Aufgabe sei es, zum Tode verurteilte Menschen zu köpfen. Zudem sollen sie verurteilten Dieben Gliedmaßen amputieren, hieß es in einer Stellenausschreibung. Für die Arbeit sei keine besondere Qualifizierung oder Erfahrung nötig.

stu/rb (afp, dpa)