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Pompeji retten - auch gegen die Mafia

6. Februar 2013

Millionen von Touristen pilgern Jahr für Jahr auf die antiken Stätten bei Neapel in Italien. Nun wurde ein großes Projekt zur Restaurierung begonnen: Gegen den Verfall und auch gegen den Einfluss der Mafia in Pompeji.

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Archäologen in Pompeji (foto:AFP/Getty Images)
Bild: AFP/Getty Images

Jahrzehnte lang geschah nichts. Die zuständigen italienischen Behörden freuten sich über die Fluten von Besuchern aus dem Ausland, taten aber sehr wenig, um dem rapiden Verdall der antiken Ruinenstadt Pompeji Einhalt zu gebieten. Mit einer 105 Millionen Euro teuren Sanierung soll sich das jetzt ändern.

EU-Regionalkommissar Johannes Hahn gab am Mittwoch begleitet von drei italienischen Ministern den Startschuss zu dem Projekt, das den weiteren Zusammenbruch der altrömischen Bauten verhindern soll. Erst am Vortag hatte die Staatsanwaltschaft Betrugsermittlungen gegen frühere Manager der bedeutsamen und berühmten Stätten bei Neapel eingeleitet.

EU-Regionalkommisar Johannes Hahn (foto:AFP/GettyImages)
EU-Kommissar Hahn: "Pompeji hat große Bedeutung für Europa und den Rest der Welt"Bild: AFP/Getty Images

EU hilft mit Fördergeldern

Das nahezu zur Hälfte von der EU finanzierte Projekt gilt als Rettung in höchster Not für die 44 Hektar große Welterbestätte am Fuße des Vesuvs, die in den vergangenen Jahren mit einer Serie von Abrissen oder Einstürzen immer wieder für Aufsehen gesorgt hatte. Zunächst sollen die antiken Wohnhäuser, Kultbauten und Statuen besser vor Witterungsschäden geschützt werden. Die berühmten Wandmalereien müssen dringend restauriert werden. Und: Der Ausbau der Videoüberwachung soll die laxe Aufsicht über die Grabungsstätten verbessern.

#video#Auch die Besuchereinrichtungen in Pompeji müssten eigentlich verbessert werden. Die EU rechnet damit, dass die Touristenzahlen von derzeit rund 2,3 Millionen jährlich auf 2,7 Millionen im Jahr 2017 steigen werden.

Man begann mit zwei altrömischen Wohnhäusern - der Casa dei Dioscuri (Artikelbild) mit ihren üppigen Fresken und der Casa del Criptoportico. "Ein kleiner Schritt, um das ganze Gebiet zu sanieren", kommentierte EU-Kommissar Hahn. Ein Programm zur Erhaltung der Kulturstätten in Italien sei unerlässlich.

Grenzenlose Korruption auf der Baustelle

Die Baustelle wird bewacht, aus Furcht vor einer Infiltrierung durch die neapolitanische Mafia, die Camorra. Arbeiter erhalten nur mit speziellem Ausweis Zutritt.

Gerade einen Tag vor dem Start der Sicherungsmaßnahmen hatte die italienische Finanzpolizei Ermittlungen wegen Amtsmissbrauchs gegen Marcello Fiori eingeleitet, der 2009 vom damaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi als Sonderkommissar für Pompeji eingesetzt worden war. Auch der frühere Leiter der Restaurierungsarbeiten, der Archäologe Luigi D'Amora, wird der Veruntreuung öffentlicher Mittel beschuldigt. Die Geschäftsführerin einer Restaurierungsfirma wurde unter Hausarrest gestellt, weil ihre Rechnungen auf mehr als das Zehnfache des Angebots angestiegen waren.

Um weiteren Betrug zu unterbinden, werden die nun gestarteten Sicherungsmaßnahmen von einem Lenkungsausschuss beaufsichtigt, dem neben italienischen Behörden auch EU-Vertreter angehören.

Ein Ausbruch des Vulkans Vesuv hatte Pompeji im Jahr 79 vollständig mit Asche und Lava bedeckt, somit aber auch für die Nachwelt konserviert. Erst 1748 war die altrömische Stadt wiederentdeckt worden, für Archäologen und Laien ein beispielloses Schaufenster in die antike Gesellschaft und Siedlungsgeschichte.

Restauratoren in Pompeji bei Neapel (foto:AFP/Getty Images)
"Grande Progetto per Pompei" - das "Große Projekt von Pompeji" hat begonnenBild: AFP/Getty Images

Pompeji wurde aber auch zum Symbol eines verfehlten Umgangs des italienischen Staats mit dem Kulturerbe. Haushaltskürzungen in Folge der Eurokrise haben die Probleme weiter verschärft. Seit 1997 gehören die archäologischen Stätten von Pompeji zum UNESCO-Welterbe.

SC/kle (afp, dpa)