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Minengefahr in Tadschikistan nicht gebannt

11. August 2005

Der Bürgerkrieg ist längst vorbei, aber auf den Minenfeldern sterben bis heute Menschen. Es fehlt an Ausrüstung und Spezialisten. Deswegen hofft nun die Regierung des Landes auf die Schweizer Stiftung für Minenräumung.

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Gefährliche Überreste des KriegesBild: AP

Experten der Schweizer Stiftung für Minenräumung haben damit begonnen, tadschikische Pioniere im Rahmen eines Projekts zur Minenräumung in Tadschikistan auszubilden. Etwa 60 Angehörige des Verteidigungsministeriums und des staatlichen Grenzschutzes werden einen Monat lang lernen, wie Tretminen und Granaten aufgespürt und unschädlich gemacht werden können. Das Programm zur Minenräumung begann in Tadschikistan im vergangenen Jahr und ist auf fünf Jahre angelegt. Für dessen Realisierung stellen die OSZE, die EU, die Schweiz und andere Geber 13,5 Millionen Dollar zur Verfügung. Die Spezialisten sagen aber, die tadschikischen Pioniere hätten Arbeit für die nächsten 50 Jahre. Um die Räumung zu beschleunigen, sind zusätzliche Anstrengungen und Mittel notwendig.

Hohes Berufsrisiko

Der Leiter des Tadschikischen Zentrums für Minenfragen, Dschonmachmad Radschabow, sagte der Deutschen Welle: „Derzeit arbeiten unsere Pioniere in zwei gefährlichen Zonen im Rascht-Tal, in Tawildar und in der Ortschaft Jasgulem im Bezirk Wantsch. Innerhalb von zwei Monaten wurden in diesen Gebieten etwa 130 Minen und mehr als 230 scharfe Granaten gefunden und unschädlich gemacht. Soldaten, die eine Ausbildung absolviert haben, sollen die bestehenden Ressourcen verstärken. Aus ihnen bilden wir zusätzliche Pioniergruppen, von denen sich eine mit der Erkundung des Gebiets und zwei andere mit der unmittelbaren Minenräumung befassen werden.“ Zur Minenräumung werden auch sorgfältig ausgewählte und gut ausgebildete Wehrpflichtige aus den Grenztruppen hinzugezogen. Radschabow zufolge dienen eine gute Verpflegung und eine nach tadschikischen Verhältnissen gute Bezahlung als Entschädigung für das hohe Berufsrisiko.

Karten der Minenfelder verschollen

Wie viele Minen und scharfe Granaten nach dem Bürgerkrieg auf tadschikischem Territorium hinterlassen wurden, kann niemand genau sagen. Experten des Verteidigungsministeriums schätzen, dass es sich um mindestens 18.000 handelt. Die Pioniere müssen buchstäblich Zentimeter für Zentimeter die Berghänge und Schluchten absuchen, da keine Karten der Minenfelder erhalten geblieben sind.

Tadschiken auch Opfer usbekischer Minen

Während innerhalb des Landes die Minenräumung auf Hochtouren läuft, wurden an der tadschikisch-usbekischen Grenze bisher nur Schilder aufgestellt, die auf die Minengefahr hinweisen. Ohne einen politischen Beschluss der usbekischen Regierung kann die tadschikische Seite mit der Minenräumung an der bis heute noch nicht genau festgelegten Grenze zwischen den beiden Staaten nicht beginnen.

Vor fünf Jahren hatte der usbekische Geheimdienst diese Grenze einseitig vermint. Im Sommer vergangenen Jahres hatten während einer Sitzung des ständigen Rates der OSZE in Wien Vertreter Usbekistans ihre Bereitschaft erklärt, die Minen an der Grenze zu räumen. Wie der tadschikische Außenminister Talbak Nasarow vor kurzem sagte, ist diese Frage nach den jüngsten Ereignissen in Usbekistan aber wieder offen.

Ob die Minen an der Grenze zum Nachbarn die Sicherheit Usbekistans erhöht haben, ist umstritten. Das Leben der tadschikischen Bürger wird durch die vom Nachbarland ergriffenen Sicherheitsmaßnahmen jedenfalls gefährdet. In den vergangenen fünf Jahren wurden an der tadschikisch-usbekischen Grenze etwa 140 tadschikische Bewohner der Grenzregion Opfer von Minen.

Nigora Buchari-sade, Duschanbe

DW-RADIO/Russisch, 7.8.2005, Fokus Ost-Südost