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Mission Streichquartett

29. August 2010

Italien ist das Land des Belcanto, der Oper und des Konzertes; Kammermusik und insbesondere das Streichquartett spielen eher eine untergeordnete Rolle. Das will das Quartetto di Cremona ändern.

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Das italienische Quartetto di Cremona Foto: Kulturmarketing München
Bild: Kulturmarketing München

Wo immer die vier jungen Italiener auftreten, ernten sie begeisterte Kritiken. Sie gehören zu den derzeit interessantesten Streichquartettformationen und gelten in ihrer Heimat bereits als Nachfolger des legendären "Quartetto Italiano". Nach mehreren erfolgreichen Konzerten in Deutschland hat das "Quartetto di Cremona" nun seine erste CD auf dem deutschen Markt beim Leipziger Label Genuin Classics vorgestellt.

Wenig beachtete Gattung

Nicht, dass es in Italien keine Streichquartette gäbe, die die bekannten Werke von Haydn bis Bartók nicht spielen würden; aber das "Quartetto di Cremona", so Bratschist Simone Gramaglia, sei zurzeit das einzige im Land, das auf professioneller Ebene arbeite: "Wir verdienen unser Geld als Streichquartett, und das ist nicht einfach in einem Land wie Italien, weil es hier keine solche Tradition gibt wie in Deutschland."

In Cremona gegründet, spielt das Quartett seit 2002 in seiner heutigen Besetzung mit den Geigern Cristiano Gualco und Paolo Andreoli sowie Simone Gramaglia und Cellist Giovanni Scaglione. Zwar stammen alle aus Genua, aber: "Wir nennen uns "Quartetto di Cemona", weil wir alle in Cremona an der größten italienischen Akademie für Streicher studiert haben. Außerdem ist Cremona auch für seine Tradition in der Geigenbauerkunst weltbekannt - hier hat ja auch Stradivari gewirkt."

Deutsche Lehrmeister

Cristiano Gualco, Paolo Andreoli, Simone Gramaglia und Giovanni Scaglione in Aktion Foto: Kulturmarketing München
Quartetto di CremonaBild: Kulturmarketing München

Neben ihrer Ausbildung in Cremona studierten die vier Musiker im Laufe der Jahre bei mehreren deutschen Spitzenensembles wie dem Alban-Berg-Quartett oder dem Hagen Quartett. Dass sie sich auf dem hiesigen CD-Markt mit Werken von Joseph Haydn und Béla Bartók verstellen, hat seinen Grund: ihnenist auch die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik wichtig. Deren Erarbeitung erfordere volle Konzentration und lasse kaum Platz für andere Aktivitäten, sagt Simone Gramaglia: "Wir studieren ein Repertoire mit vielen zeitgenössischen Komponisten ein und das braucht Zeit. Deswegen können wir nicht noch nebenbei im Orchester oder solistisch spielen. Allerdings haben wir jetzt angefangen, Kammermusik und Streichquartett zu unterrichten."

Spannend gespielt

Dass sie klassische wie zeitgenössische Musik technisch perfekt spielen und tiefgründig interpretieren können, zeigen die Musiker des "Quartetto di Cremona" in ihrem deutschen CD-Debüt. Da wird mit Schwung und Elan zupackend und sensibel gespielt - und das mit einer makellosen Intonationssicherheit. Nicht umsonst wurde die Formation von der bekanntesten italienischen Kammermusikgesellschaft, der "Societá di Quartetto di Milano", zum "Quartet in residence" gekürt. Doch das "Quartetto di Cremona" will noch mehr. Simone Gramaglia: "Wir haben eine Art Mission, denn wir wollen, dass die Kammermusik in Italien den gleichen Stellenwert erlangt wie die Orchester- oder Opernmusik."

Autor: Klaus Gehrke
Redaktion: Gudrun Stegen