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Jubel und Wut in Ägypten

23. August 2013

Ex-Diktator Mubarak aus der Haft entlassen, die Führer der Muslimbrüder mitsamt ihrem gewählten Präsidenten Mursi hinter Gittern: Die Islamisten mobilisieren noch einmal zu einem Freitag des Protests gegen die Armee.

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In Ägypten feiern Anhänger die Entlassung des Ex-Präsidenten Hosni Mubarak aus der Untersuchungshaft (foto: reuters)
Bild: Reuters

Seine Anhängerschaft feiert seine Entlassung aus der Untersuchungshaft schon wie einen Freispruch, für seine Gegner ist es ein Schlag ins Gesicht: In Ägypten durfte der langjährige Machthaber Hosni Mubarak, der "Pharao", das Tora-Gefängnis verlassen, sechs Wochen nach der Entmachtung der islamistischen Muslimbrüder. Eine juristische Entscheidung, die die ohnehin schon hochdramatische Situation in dem Land am Nil weiter anheizt.

Rad der Geschichte zurückgedreht?

Die Islamisten sehen eine Wiedergeburt des alten Regimes, unter dem sie verboten waren. Während Mubarak freikam, ging die Verhaftungswelle gegen Spitzenfunktionäre der Muslimbrüder weiter. In der Nacht zum Freitag wurden in der Oase Fajjum südlich von Kairo vier lokale Führungskader der Islamisten-Organisation festgenommen, wie die Website "Al-Shorouk" berichtete.

Nur noch Hausarrest für Mubarak

Muslimbruderschaft und andere radikale Moslem-Gruppen riefen ungeachtet des Ausnahmezustands ihre Gefolgschaft zum einem "Freitag der Märtyrer" mit neuen Massenkundgebungen auf. Der Kampf gegen den "Militärputsch" müsse überall im Land fortgesetzt werden.

Sie fordern weiter, ihren von der Armee gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi freizulassen und wieder als Staatschef einzusetzen. Im Gegensatz zu Mubarak sei Mursi frei gewählt worden.

Verurteilung Mubaraks gefordert

Mehrere so genannte Revolutionsgruppen, die 2011 mitgearbeitet hatten, Mubarak aus dem Amt zu vertreiben, starteten eine Kampagne. Mubarak und seine politische Seilschaft dürften nicht ungestraft davonkommen, erklärten sie. Liberale und linke Organisationen wollen an diesem Freitag ebenfalls auf die Straße ziehen, um gegen die Freilassung ihres Erzfeindes Mubarak zu protestieren. Die Jugendbewegung 6. April, eine wichtige Kraft des Volksaufstands von 2011, sagte die angekündigten Demonstrationen aber ab, um ein neues Blutbad bei den gewaltsame Auseinandersetzungen mit den Mursibrüdern oder den Sicherheitskräften zu verhindern.

Gruppierungen, die damals im "Arabischen Frühling" für eine friedliche Wende eingetreten waren, standen bislang oft hinter der Übergangsregierung und dem Militär. Die Haftverschonung für Mubarak könnte diese Tolerierung in Frage stellen.

Hauptprozess geht weiter

Der 85-jährige Mubarak war per Hubschrauber in ein Kairoer Militärkrankenhaus gebracht worden, in dem er unter Arrest steht. Gegen den ehemaligen Langzeitherrscher laufen weiter Prozesse, wegen Korruption und vor allem wegen der Tötung Hunderter Demonstranten. Dieses Hauptverfahren wird am Sonntag fortgesetzt. Die maximale Dauer der Untersuchungshaft dafür war abgelaufen.

Vor allem das Königshaus von Saudi-Arabien soll sich in Kairo mehrfach für die Freilassung des ehemaligen Staatschefs starkgemacht haben. Saudi-Arabien hat der neuen Übergangsregierung großzügige Finanzhilfen zugesichert.

sti/SC/wl (dpa, rtr, APE, ARD)