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Multiple Sklerose: Frühere Behandlung dank Biomarkern

8. November 2023

Bei Multipler Sklerose kündigen Biomarker die typischen Nervenschäden bereits viele Monate vor den ersten Symptomen an. Durch die Entdeckung dieser Biomarker kann die Behandlung viel früher beginnen.

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Ein Physiotherapeut kniet vor einem Mann im Rollstuhl
Heilung für Multiple Sklerose gibt es bisher nicht - das Fortschreiten der Erkrankung lässt sich aber verlangsamenBild: picture alliance/Zoonar

Multiple Sklerose (MS) wird auch als die "Krankheit der tausend Gesichter" bezeichnet, denn diese Autoimmunerkrankung hat sehr unterschiedliche Verlaufsformen. Auch die Symptome von MS können von Person zu Person stark variieren, abhängig von den betroffenen Bereichen des Zentralen Nervensystems. Das alles macht es so schwer, diese schreckliche Krankheit wirksam zu bekämpfen.

Schon lange bevor die ersten Symptome auftreten, kündigen Biomarker an, dass es die für MS typischen Nervenschäden gibt, und weil diese Krankheit so viele unterschiedliche Verlaufsformen hat, braucht es möglichst viele Warnhinweise.

Jetzt fanden Forschende der University of California und der Schweizer Multiple-Sklerose-Kohorte (SMSC) einen Biomarker, durch den die Behandlung gut zwei Jahre früher und gezielter beginnen könnte. 

Laut der im Fachblatt "Jama Neurology" veröffentlichten Studie stellten die Forschenden einen starken Anstieg des sogenannten NfL-Proteins im Blutserum fest und das bereits 12 bis 26 Monate bevor die ersten Symptome auftauchen. Die Neurofilament-Leichtkette (NfL) ist das Protein selbst, das in Nervenzellen vorkommt und für deren Stabilität und für den Transport innerhalb der Zellen verantwortlich ist.

Ursache von MS noch unklar   

Weltweit leiden etwa 2,8 Millionen Menschen an MS. Die Ursachen sind noch wenig erforscht. Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang mit dem Epstein-Barr-Virus. Ob MS nach einer Infektion mit diesem Virus allerdings tatsächlich ausbricht, ist nicht erwiesen. Es könnte auch mit Umweltfaktoren zusammenhängen. Dabei könnten eine geringere Sonneneinstrahlung und niedrigere Vitamin-D-Spiegel eine Rolle spielen. Dies wiederum könnte erklären, warum MS in nördlichen Breiten wie Skandinavien, Nordeuropa und Kanada häufiger vorkommt als in südlichen Ländern.

Leider gibt es bisher keine Heilung für Multiple Sklerose. Die Behandlung konzentriert sich bislang darauf, das Fortschreiten der Erkrankung, die sogenannte Progression, zu verlangsamen, die Schübe, die diese Krankheit meist kennzeichnen, zu minimieren und die Symptome zu lindern.

Immunsystem greift das eigene zentrale Nervensystem an

Bislang ist noch unklar, warum das Immunsystem bei einer MS-Erkrankung fälschlicherweise das zentrale Nervensystem, insbesondere die schützende Myelinschicht um die Nervenzellen, angreift.

Infografik Erkrankungen der Myelinscheide bei MS DEU

Die entzündeten Nervenleitungen verursachen Muskelschwäche und Taubheitsgefühle in den Extremitäten, insbesondere in den Beinen, oder auch eine beeinträchtigte Feinmotorik, was zu Schwierigkeiten etwa beim Greifen und Schreiben führen kann. Zudem leiden viele Menschen mit MS unter Sehstörungen, Müdigkeit, Schwindelgefühlen und psychischen Problemen. Die Art und Schwere der Symptome hängen davon ab, welche Bereiche des Gehirns und des Rückenmarks betroffen sind. 

Frühere und individuellere Behandlung möglich

Erst vor kurzem hatten Forschende zwei Biomarker - die sogenannten κ-freien Leichtketten (κ-FLC, kappa free light chains) und Serum Neurofilament Light (sNfL) - als Biomarker für die Prognose früher MS-Aktivität entdeckt. Mit dem jetzt neu identifizierten Biomarker gibt es einen weiteren wichtigen Indikator für eine MS-Erkrankung.

"Unsere Ergebnisse stellen einen signifikanten Meilenstein für unser Verständnis von MS dar", erklärt Studienleiter Ahmed Abdelhak von der University of California. Dies eröffnet neue Zeitfenster für eine frühzeitige therapeutische Intervention und ändert unseren Blick auf die Überwachung und Behandlung der Krankheit", so Abdelhak. 

Da die Symptome von MS von Person zu Person so unterschiedlich sind, kann der NfL-Spiegel bei den jeweils Betroffenen wichtige Informationen über die aktuelle Krankheitsaktivität liefern. "Die Ergebnisse unterstreichen den bahnbrechenden Wert von NfL als Biomarker für die personalisierte medizinische Behandlung."

DW Mitarbeiterportrait | Alexander Freund
Alexander Freund Wissenschaftsredakteur mit Fokus auf Archäologie, Geschichte und Gesundheit@AlexxxFreund