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Nürnberger Trichter – wer erwartet was vom digitalen Lernen?

Verkabelte Hörsäle, Smartboard statt Tafel im Klassenzimmer, betriebliche Weiterbildung per Webcam: Digitales Lernen wird salonfähig. Doch kann es die Hoffnungen erfüllen, die mit dem E–Learning verbunden sind?

Zwei Kinder vor einem Computer

Lebenslanges Lernen – weltweit vernetzt

In Bangladesh, einem der ärmsten Länder der Welt, ließen sich Ende vergangenen Jahres mehr als 300.000 Menschen registrieren, um Englisch via Mobiltelefon zu lernen. Das Angebot, Deutsch über die Deutsche Welle zu lernen, nutzen monatlich rund eine halbe Million Interessenten.

In Indien kam der Mitarbeiter einer Computer-Firma vor knapp zehn Jahren auf die Idee, auch Slumkindern die große Welt des Internet nahe zu bringen. In einer Wand befindet sich ein Computer-Terminal mit einem Joystick, der wie eine Maus funktioniert. Der Computer ist ans Internet angeschlossen. Das Experiment "Loch in der Wand" weckte auch das Interesse der Weltbank.

Das E-Learning wird erwachsen

Während die meisten Entwicklungsländer noch die Babysocken des elektronisch unterstützten Lernens, des so genannten E-Learning, tragen, stecken einige Industriestaaten schon in den Kinderschuhen. Aus denen wachsen sie aber auch langsam und unaufhaltsam heraus. Inzwischen ist der E-Learning-Markt sehr vielfältig geworden. Es gibt weltweit etwa 400 verschiedene Lernplattformen und mehr als 30 virtuelle Klassenräume.

In Deutschland wird an einigen Hochschulen bereits mit dem Lernen außerhalb des Hörsaals experimentiert. Zum Beispiel an der Universität Köln, die das Projekt Ilias entwickelt hat. Den Studenten werden in virtuellen Kursen Tondokumente, Bildmaterialien und Filme zur Verfügung gestellt.

Die Studierenden haben aber auch, so Tilmann Ochs, E-Learning-Beauftragter der Philosophischen Fakultät der Uni Köln, die Möglichkeit, selbst Beiträge wieder auf die Lernplattform hochzuladen und anderen Lernenden zur Verfügung zu stellen. An der Universität Duisburg-Essen wurde sogar jüngst ein Hörsaal so umgebaut, dass hier Prüfungen abgehalten werden können, bei denen die Studierenden die Ergebnisse direkt in das Intranet der Hochschule schreiben.

Digitale Früherziehung

Und damit Studenten und Lehrende dazu in der Lage sind, wird inzwischen schon ganz früh im Gymnasium mit der Vorbereitung angefangen. Das Kölner Hölderlin-Gymnasium, schult seine Schüler bereits von der fünften Klasse an im Umgang mit den neuen Medien. Gezielte Internet-Recherche zu bestimmten Aufgabenstellungen über die schuleigenen Computer gehört ebenso dazu wie das Erstellen von Power-Point-Präsentationen für Referate.

In der siebten Klasse gibt es zusätzlichen Unterricht im Tastaturschreiben und in der Bedienung der Software. Ab der 11. Klasse sollen ab kommendem Jahr alle Schüler mit eigenen Notebooks arbeiten. Studienrat Raimund Hick sagt, die Schüler sollen lernen, "sinnvoll und kompetent mit dem Computer umzugehen, die Gefahren kennenzulernen und das Gerät Notebook nur dann einzusetzen, wenn es eben Sinn macht".

Lebenslanges Lernen – jetzt am Computer

Nicht nur in Schulen und Hochschulen wird elektronisch gelernt und gearbeitet. In Wirtschaftsunternehmen setzt man schon seit vielen Jahren auf E-Learning, auch in Verbindung mit der Fortbildung der eigenen Mitarbeiter. Blended Learning heißt hier das Zauberwort, also die Mixtur aus Präsenzangeboten und Lernen vor dem heimischen Computer.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks sowie die Industrie- und Handelskammern haben jeweils Online-Akademien ins Leben gerufen, über die sie ihre Lehrgänge vernetzen und bundesweit anbieten. Von allzu großen Erwartungen ist man jedoch weit entfernt, den Einsatz des digitalen Lernens sieht man lediglich als Zusatzangebot.

Denn, so Gregor Berghausen, Geschäftsführer des Bereiches Weiterbildung bei der IHK Köln, den Arbeitsprozess könne man am heimischen Computer doch nicht so richtig abbilden. "Wenn Sie zuhause im Büro am Schreibtisch sitzen und dort etwas lernen, dann haben sie nicht die Arbeitssituation vergleichbar zu einem Unternehmen oder Betrieb."

Weltweit vernetzt

Vorreiter beim elektronischen Lernen waren in Deutschland die Großunternehmen. In kleineren und mittleren Unternehmen, in denen eigentlich die meisten Arbeitsplätze vorhanden sind, setzt es sich nur sehr langsam durch. Die Gründe: Es wird als zu kosten- und personalaufwändig angesehen.

Bei der Bayer AG wird das anders gesehen. Dort wird bereits seit Jahren auf die weltweite Fortbildung via Computer gesetzt. Karin Schwerdtner, Leiterin der Weiterbildungsabteilung bei Bayer, sieht denn auch einen großen Vorteil: "Man arbeitet sich durch das Material durch und kann sich mit Kollegen aus aller Welt austauschen, die am gleichen Thema arbeiten."

Die Zukunft: Interaktivität weltweit

E-Learning, soviel ist klar, meint eben nicht das Bild vom Nürnberger Trichter, aus dem einem Lernenden das Wissen von oben herab in den Schädel eingeflößt wird. Denn ganz ohne Aufwand und Anstrengung wird der Lernerfolg lange auf sich warten lassen. Doch die öden Stunden alleine vor dem Rechner sind vorbei: Die Zukunft des E-Learning liegt in der Interaktivität und in der Möglichkeit, gemeinsam mit anderen Lernern – wo auch immer auf der Welt sie leben – zu arbeiten und neues Wissen zu erwerben.


Autorin: Eva-Maria Götz

Redaktion: Beatrice Warken/ Raphaela Häuser

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