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Niederländischer Doppelsieg im WM-Zeitfahren

19. September 2017

Die Niederländerinnen Annemiek van Vleuten und Anna van der Breggen dominieren das Zeitfahren in Bergen. Die deutschen Starterinnen, einst die Messlatte in dieser Disziplin. fahren hinterher und geben Rätsel auf.

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Norwegen Rad WM 2017 in Bergen | Annemiek van Vleuten
Bild: picture-alliance/Augenklick/Roth

Eine oranje-farbene Triumphfahrt durch Bergen: Annemiek van Vleuten hat das WM-Zeitfahren vor Olympiasiegerin Anna van der Breggen gewonnen, die sich um 12,16 Sekunden geschlagen geben musste, den Oranje-Doppelsieg aber perfekt machte. Auf Platz drei folgte Katrin Garfoot aus Australien (+18,93 Sekunden). An der Spitze eine knappe Angelegenheit - doch die deutschen Starterinnen fuhren weit hinterher.

Im Frauenrennen der Straßenrad-WM im norwegischen Bergen erlebten Ex-Weltmeisterin Lisa Brennauer (Durach) und Trixi Worrack (Erfurt) auf den Plätzen 12 und 17 eine heftige Pleite. Brennauer verlor 1:48 Minuten auf die niederländische Siegerin Annemiek van Vleuten, Worrack bei ihrer zehnten WM-Teilnahme mehr als zwei Minuten. "Ich habe mich heute nicht gut gefühlt, am Berg war ich zu langsam. Ich habe keinen Druck auf die Pedale bekommen", sagte Worrack. Auch Brennauer, die im Vorfeld noch Zuversicht ausgestrahlt hatte, lag bereits bei der ersten Zeitmessung nach drei Kilometern weit zurück. Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) war letztmals bei den Titelkämpfen 2006 in Salzburg in den Zeitfahr-Disziplinen ohne Medaille geblieben.

Kann Tony Martin die Bilanz retten?

Eigentlich ist Deutschland - auch aufgrund guter Ausbildung im Nachwuchsbereich - ein Land der Zeitfahrer. Bei den Frauen ist aber derzeit wenig Spitzenpersonal in Sicht: Erstmals seit 2006 könnte der BDR in der einstigen Domäne ohne Medaille bleiben. Nach der Pleite der Frauen ist Rekord-Weltmeister Tony Martin der letzte Hoffnungsträger. Zuvor waren in den Juniorenklassen sowie bei den U23-Männern die Podestplätze - wenn auch teils knapp - verpasst worden. Ein sicherer Medaillenkandidat wäre eigentlich Martin, doch aufgrund des schweren Profils rechnet sich der viermalige Champion für Mittwoch allenfalls Bronze aus. "Der Knackpunkt ist nach wie vor die Strecke, da werden auch die besten Beine der Welt nichts daran ändern, dass ein Chris Froome und ein Tom Dumoulin Weltklasse-Kletterer sind und ich eben nicht", sagte Martin angesichts des Schlussanstiegs über 3,4 Kilometer mit durchschnittlich 9,1 Prozent Steigung.

Im Juniorenrennen belegte der Berliner Juri Hollmann hinter dem britischen Sieger Thomas Pidcock sowie dem Italiener Antonio Puppio und dem Polen Filip Maciejuk den vierten Platz. Ähnlich war es tags zuvor Juniorin Hannah Ludwig ergangen. Bei den U23-Männern waren die deutschen Starter chancenlos, zumal Nachwuchshoffnung Lennart Kämna auf einen Einsatz verzichtet hatte. Nun also Norwegen-Fan Martin, dem die die bergigste Zeitfahrstrecke seit vielen Jahren aber zu schaffen machen dürfte. Immerhin sei der "worst case" nicht eingetreten, berichtete der 32-Jährige von den ersten Trainingsfahrten. So schwer der Berg auch ist, ist er doch relativ gleichmäßig im Anstieg. Keine extremen Rampen, die Gift für Martins Fahrweise wären. So ist die Marschroute für den nur 31 Kilometer langen Kampf gegen die Uhr klar. Bis zum Fuße des Berges will Martin die Bestzeit hinlegen, um dann bei der Kletterpartie so wenig Zeit wie möglich zu verlieren.

jw/sti (mit sid/dpa)