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OECD senkt Wachstumsprognose

9. November 2015

Die Flaute in den Schwellenländern und eine generelle Investitionsschwäche in den Industrieländern machen der OECD Sorgen. Deutschland kommt bei der Prognose noch vergleichsweise gut weg.

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OECD Generalsekretär Angel Gurria
OECD-Generalsekretär Angel Gurria präsentiert den WirtschaftsausblickBild: OECD

Die Konjunkturflaute in wichtigen Schwellenländern drückt das weltweite Wachstum. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) korrigierte deshalb am Montag ihre Wachstumsprognose nach unten. Sie rechnet für das laufende Jahr nur noch mit einem Zuwachs von 2,9 Prozent. Für das kommende Jahr sagt sie ein Plus von 3,3 Prozent voraus - das ist ein halber Prozentpunkt weniger als noch im Juni erwartet.

"Die ganze Erholung ist außerordentlich mühsam, zögerlich, langwierig", sagte Christian Kastrop, Direktor für wirtschaftspolitische Studien. Die Schwäche der Schwellenländer sorge auch mittelfristig für Unsicherheiten in der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung, heißt es in dem zweimal jährlich fortgeschriebenen OECD-Wirtschaftsausblick. Viele Schwellenländer spürten hefigen Gegenwind in Form von geringeren Rohstofferlösen, verschärften Kreditauflagen, steigenden Kapitalabflüssen und möglichen Wechselkursturbulenzen.

Gute Aussischen für Deutschland

Der deutschen Wirtschaft traut die OECD wegen des robusten Konsums und der starken Zuwanderung mehr Wachstum zu. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt werde im kommenden Jahr um 1,9 und 2017 um 1,8 Prozent zulegen, heißt es. Dieses Jahr soll es dagegen lediglich zu einem Plus von 1,5 Prozent reichen. "Das Wirtschaftswachstum wird 2016 voraussichtlich steigen, da ein robuster Arbeitsmarkt, tiefe Zinsen und niedrige Ölpreise den privaten Verbrauch fördern", erklärte die OECD.

Auch steigende Staatsausgaben für die Integration von Flüchtlingen kurbeln demnach die Konjunktur an. "Das wird deutliche Kosten verursachen" sagte OECD-Experte Christian Kastrop. Allein die Bundesregierung will für kommendes Jahr acht Milliarden Euro für die Bewältigung der Flüchtlingskrise locker machen. "Das ist ein zusätzlicher Nachfrageimpuls für die deutsche Wirtschaft", sagte Kastrop.

Deutschland könnte auch langfristig von der starken Zuwanderung profitieren. "Das ist ein Gewinn", sagte Kastrop. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Flüchtlinge möglichst rasch in den Arbeitsmarkt intergriert würden. Notwendig seien vor allem eine rasche Anerkennung ausländischer Ausbildungsabschlüsse und eine gute Bildung für die Kinder von Asylbewerbern. Eine Abschaffung des Mindestlohns, um so mehr Jobs für Asylbewerber zu schaffen, hält die OECD allerdings für falsch. "Man sollte nicht Eckpfeiler des Sozialsystems aushebeln", sagte Kastrop. "Das bringt Unsicherheit in den Arbeitsmarkt."

Bundesregierung, EU-Kommission und Zentralbank glauben an Deutschland

EU-Kommission und Europäische Zentralbank hatten ebenfalls wegen der Unsicherheiten bei den Schwellenländern in der vergangenen Woche vor Wachstumsrisiken für die Eurozone gewarnt. Der Aufschwung in Europa setze sich aber fort, hieß es da.
Auch die Bundesregierung rechnet für Deutschland mit einer robusten Entwicklung. Für das laufende Jahr hatte sie das erwartete Konjunkturplus in ihrer Herbstprognose zwar leicht von 1,8 auf 1,7 Prozent nach unten korrigiert. Für 2016 erwartet sie weiter einen Zuwachs der Wirtschaftsleistung um 1,8 Prozent sowie die Rekordzahl von mehr als 43 Millionen Erwerbstätigen.

wen/iw (OECD, rtr, dpa)