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Politiker unterstützen die Frauen-WM

14. Februar 2011

Am 26. Juni wird in Berlin das WM-Eröffnungsspiel angepfiffen. Dafür sind schon jetzt 60.000 Tickets verkauft. Damit das Turnier ein Erfolg wird, dürfen neben der Kanzlerin auch ein paar Männer die Werbetrommel rühren.

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Das Logo der Frauen-WM: ein in den Farben Grün sowie Schwarz-Rot-Gold stilisiertes Stadion mit dem Schriftzug Germany 2011.(Foto: dpa)
Bild: picture-alliance / Pressefoto ULMER

Vor fünf Jahren staunte man weltweit über die neue deutsche Lockerheit während der Fußball-Weltmeisterschaft. Fröhliche Menschen und spektakuläre Spiele prägten den märchenhaften Sommer 2006. Das Gleiche erhoffen sich nun die Frauen für ihre WM. Dabei erhalten Sie Unterstützung von höchster Stelle. Bundeskanzlerin Angela Merkel wirbt in einem Spot für das Anliegen der kickenden Damen. Die Fußball-WM wird gewissermaßen zur Chefsache erklärt. "Die Welt zu Gast bei Freunden, das sollte nicht nur eine männliche Botschaft sein, sondern dann auch eine sehr weibliche", verkündet die Regierungs-Chefin.

Dass Angela Merkel beim Fußball leidenschaftlich dabei sein kann, hat sie mehrmals auf der Ehren-Tribüne in den Stadien dieser Welt bewiesen, zuletzt während der Männer-WM in Südafrika 2010. Derweil gibt Innenminister Thomas de Maizière zu, beim Thema Frauen-Fußball früher Vorurteile gehabt zu haben. "Das ist irgendwie nichts für richtige Fußball-Fans, sei lange seine Überzeugung gewesen. Doch bei näherem Hinschauen musste sich der Innenminister korrigieren.

Wie der Innenminister ein Fan wurde

Im letzten Sommer war er unter den 26.000 Zuschauern in Köln beim Pokal-Finale zwischen Duisburg und Jena (1:0). Mehr Zuschauer hat es bei einem Frauen-Vereinsspiel in Europa nie gegeben. Und dass die deutsche Frauen-Nationalmannschaft auf höchstem Niveau spielt, hat de Maizière inzwischen auch bemerkt. Zahlreiche WM- und EM-Titel sind schließlich kein Zufall. "Die haben einen so wunderbaren Fußball gespielt, intelligent und schön. Damit haben sie unsere Herzen erobert", schwärmt der ehemalige Frauen-Fußball-Verächter. Von ihm werde es nie wieder einen Witz über Frauen-Fußball geben, verspricht der Maizière.

Die Präsidentin des Organisationskomitees der Frauenfußball-WM 2011, Steffi Jones zwischen Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (l.) und Außenminister Guido Westerwelle. Gemeinsam halten sie weiße Trikots mit der Aufschrift "Frauen-WM 2011" in den Händen. (Foto: dpa)
Sportpolitisches Trio: Steffi Jones zwischen Thomas de Maizière (l.) und Guido WesterwelleBild: picture-alliance/dpa

Sein Sinneswandel steht dem Innenminister schon deshalb gut zu Gesicht, weil er von Amts wegen auch für den Sport zuständig ist. Fehlende Leidenschaft für kickende Damen hätte da schlecht ins Bild gepasst. Thomas de Maizières Kabinetts-Kollege Guido Westerwelle musste gar nicht erst überzeugt werden. Er sei zwar kein Experte, gibt sich der Außenminister bescheiden. Aber er wisse sehr wohl um die Bedeutung des Fußballs, der Frauen in anderen Ländern auch Mut machen könne. Natürlich sei die WM zunächst ein Sport-Ereignis, das Völker verbinde. Er glaube aber auch, dass sie eine "sehr schöne politische Botschaft" für viele Länder aussenden könne, in den Frauen ganz andere Schicksale zu meistern hätten.

Westerwelle und Jones auf Reisen

Was der Außenminister damit meint, präzisierte die Chefin des WM-Organisations-Komitees, Steffi Jones. Mit der ehemaligen Weltklasse-Spielerin war Guido Westerwelle im Ausland unterwegs und warb für das Groß-Ereignis im Sommer. Es gebe viele Länder, wo Frauen und Mädchen nicht mal Fußball spielen dürfen. Das zu ändern, dafür setzt sich Steffi Jones auch und gerade auf ihrer Welcome-Tour durch die neben Deutschland 15 teilnehmenden Länder ein. Was der Fußball bewirken könne, habe sie gerade in Nigeria versucht zu vermitteln, indem sie auf die rasante Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland verwies.

Noch Anfang der 1970er Jahre sei Frauen-Fußball hier verpönt gewesen. Und nun ist man WM-Gastgeber. "Fußball ist mehr, als nur die Sportart selbst. Das ist die Botschaft, die wir transportieren", sagt Steffi Jones. Außenminister Guido Westerwelle hört solche Worte gerne und sieht in den deutschen Spielerinnen lauter Botschafterinnen. "Ich glaube, manchmal wird das Bild unseres Landes durch solche Bilder und Ereignisse noch mehr bestimmt, als durch manche politische Konferenz", betont Westerwelle die Bedeutung der WM aus seiner Sicht.

Keine Angst vor leeren Rängen

Um leere Ränge in den neun WM-Stadien müssen sich die Organisatoren kaum sorgen. Gut vier Monate vor dem Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Kanada am 26. Juni im Berliner Olympiastadion sind bereits eine halbe Million der rund 700.000 Tickets verkauft. Nationaltrainerin Silvia Neid träumt schon von einem zweiten Sommer-Märchen. "Deutschland ist ein Frauen-Fußballland. Und ich verspreche Euch, es wird ein Riesenfest", sagt Neid in einem Werbe-Spot. Beim Finale am 13. Juli in Frankfurt wollen die deutschen Damen den WM-Pokal in den Händen halten. Es wäre der dritte Titel in Folge.

Autor: Marcel Fürstenau
Redaktion: Arnulf Boettcher