Polizist Slager muss für 20 Jahre hinter Gitter | Aktuell Amerika | DW | 08.12.2017

Polizeigewalt

Polizist Slager muss für 20 Jahre hinter Gitter

Ein weißer Polizist in den USA erschießt von hinten einen unbewaffneten Schwarzen. Erst sprach der Beamte von Notwehr - jetzt wurde er zu 20 Jahren Haft verurteilt. Die Anklage hatte lebenslänglich gefordert.

USA Michael Slager Ex-Polizeibeamter vor Gericht (Getty Images/G. Beahm)

In einem besonders schockierenden Fall von Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA ist ein Ex-Beamter zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Michael Slager (Archivbild) habe mit "Tücke und Vorsatz" gehandelt, als er den unbewaffneten Walter Scott erschoss, sagte Bundesrichter David Norton bei der Urteilsverkündung in Charleston im Bundesstaat South Carolina. Die Anklage hatte allerdings lebenslange Haft gefordert.

Der weiße Polizist Slager hatte dem 50-jährigen Scott im April 2015 insgesamt fünf Mal in den Rücken geschossen, nachdem dieser wegen eines defekten Bremslichts an seinem Wagen angehalten worden war. Slager behauptete zunächst, in Notwehr gehandelt zu haben, und erklärte, dass Scott eine Elektroschockpistole bei sich gehabt habe.

Videoaufnahmen bringen die Wahrheit ans Licht

Allerdings legte Slager direkt nach dem Vorfall seinen eigenen Elektro-Taser neben Scotts Leiche ab, was Ermittler als Versuch werteten, den Tathergang zu vertuschen. Videoaufnahmen zeigten, wie der unbewaffnete Scott nach einem Handgemenge mit dem Beamten zu fliehen versuchte, woraufhin Slager das Feuer eröffnete.

Slager wurde festgenommen und aus dem Polizeidienst entlassen. Scotts Tod löste landesweite heftige Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt aus. Ein Mordprozess gegen Slager platzte jedoch im Dezember 2016, weil sich die Geschworenen nicht auf ein Urteil einigen konnten.

USA Polizist erschießt Mann Videostill Walter Scott (Reuters/South Carolina Law Enforcement Division)

Unbewaffnet hatte Scott vor dem Polizisten zu fliehen versucht

Der Ex-Polizist bekannte sich dann aber im Mai schuldig, durch die Anwendung exzessiver Gewalt die Bürgerrechte des Opfers verletzt zu haben. Mit diesem Eingeständnis konnte Slager im Rahmen einer Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft weitere Verfahren in dem Fall abwenden. Das jetzt verkündete Strafmaß wurde auf Grundlage seines damaligen Schuldeingeständnisses verhängt.

Das Geschehene ungeschehen machen

Noch kurz vor der Urteilsverkündung erneuerte Slager sein Schuldeingeständnis. "Ich wünsche, das dies niemals passiert wäre. Ich würde gerne zurückgehen und die Ereignisse ändern, aber das kann ich nicht und darüber bin ich sehr traurig", sagte der frühere US-Polizist.

haz/jj (afp, rtr)

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