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Rekordgewinne mit Stahl

Karl Zawadzky2. Dezember 2004

Die weltweit boomende Nachfrage nach Stahl sorgt auch beim größten deutschen Stahlkonzern ThyssenKrupp für volle Auftragsbücher und den größten Gewinn seit der Fusion der Unternehmen Thyssen und Krupp im Jahr 1999.

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Gute Geschäfte mit StahlBild: AP

Fünf Jahre nach der Fusion der beiden Stahlkonzerne Thyssen und Krupp ist nach Darstellung von Vorstandschef Ekkehard Schulz die Phase der Integration und Konsolidierung weitestgehend abgeschlossen. Der Konzern mit seinen Sparten Stahl, Werften, Automobilzulieferung, Aufzüge, Rohstoffhandel sowie Maschinen- und Anlagenbau schaltet nun um auf Expansion. Zum Beispiel wird in Brasilien, also nah an den Erzgruben, für zwei Milliarden Dollar ein Stahlwerk gebaut; auch in China, wo die Stahlnachfrage besonders boomt, wird in Stahlerzeugung und Stahlverarbeitung investiert. Der Umsatz stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr um elf Prozent auf 39 Milliarden Euro. Der Auftragseingang legte sogar um 17 Prozent auf 41 Milliarden Euro zu. Für die kommenden Jahre erwartet der Konzern große Zuwächse.

Steigende Preise, weniger Arbeitskräfte

Trotz prall gefüllter Auftragsbücher, voll ausgelasteter Produktionskapazitäten sowie einem Rekordgewinn hat der Konzernvorstand nicht nur Freude am weltweiten Stahlboom. Denn auch auf der Beschaffungsseite sind die Preise zum Beispiel für Erze, Kohle, Koks, Legierungen, Energie und Fracht deutlich gestiegen.

Schrottplatz in Hamburg mit Autos
Begehrte Ware: Schrott-AutosBild: AP

So verteuerte sich Erz binnen Jahresfrist um knapp 30 Prozent, die Preise für Schrott um annähernd 50 Prozent. Importkoks ist um 110 Prozent teurer geworden, Nickel und Chrom um jeweils 60 Prozent. Doch der Rekordgewinn zeigt, dass ThyssenKrupp, wo eben möglich, die Marktchancen nutzt und für Stahl und Edelstahl höhere Preise durchsetzt. Das Unternehmen liegt bei der Produktivität weit über dem Branchendurchschnitt. Die harten Jahre der Stahlkrise wurden genutzt, um Personal zu reduzieren und die Anlagen zu modernisieren.

Investition in China

ThyssenKrupp strukturiert weiter um und konzentriert sich auf das Kerngeschäft. Neben der starken Stellung auf dem Stahlmarkt ist das Unternehmen einer der großen Zulieferer der Automobilindustrie - und zwar für komplette Lenksysteme für Pkw und Lkw. Im Bereich Aufzüge und Rolltreppen konnte ThyssenKrupp die Position in Asien durch Zukäufe stärken. Das gilt auch für den Bereich Großanlagenbau, zum Beispiel für komplette Zementwerke und Chemieanlagen, bei denen die Tochter Uhde ganz vorn auf dem Weltmarkt mitspielt. In China, wo in die Stahlproduktion investiert werden soll, hat sich ThyssenKrupp an einer Kokerei beteiligt.

Schiffswerft in Wismar Dock
Dauerthema Europäischer WerftenverbundBild: AP

Im Schiffbau plant ThyssenKrupp eine Fusion mit den Howaldtswerken-Deutsche Werft, was die dominierende Stellung bei militärischen Schiffen verstärken und eine marktbeherrschende Position bei konventionellen U-Booten schaffen würde. Deswegen stieß das Vorhaben bei den EU-Kartellwächtern auf Bedenken. ThyssenKrupp erklärte, dass bei geeigneten Bedingungen eine Beteiligung an einem europäischen Werftenverbund vorstellbar sei.