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Romney ringt um republikanische Basis

Christina Bergmann, Washington DC24. August 2012

Tropensturm "Isaac" hat die Nominierung von Mitt Romney als Präsidentschaftskandidat der Republikaner nur verschoben. Doch um die volle Unterstützung der Parteibasis muss Romney weiter hart kämpfen.

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Mitt Romney auf einer Wahlkampfveranstaltung in Las Vegas (Foto:Mary Altaffer/AP/dapd)
Bild: dapd

Mitt Romney gibt sich im Wahlkampf sichtlich Mühe, locker zu sein. Die Hemdsärmel hochgekrempelt, den Hemdkragen offen, wirbt er bei strahlendem Sonnenschein im Saint Anselm College in Manchester im US-Bundesstaat New Hampshire um Stimmen. Ein Romney-Fan will wissen, ob es nicht an der Zeit sei, die Federal Reserve, die US-Notenbank, stärker zu kontrollieren. Doch bevor der Mann seine Frage stellen kann, muss Mitt Romney schnell noch einen Witz loswerden.

Bei einer Veranstaltung in der Militärakademie in Charleston, South Carolina, erzählt der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, habe er erfolglos versucht, die Kadetten zum Lachen zu bringen. Doch dann habe ihn einer der jungen Männer gefragt, was er denn von dem Wechsel eines bekannten Baseballspielers von den Boston Red Sox zu den New York Yankees halte. Und da, so Romney strahlend, habe er endlich das Eis brechen können mit dem Satz: "Wir alle hassen die Yankees." Der Fragesteller in Manchester schüttelt entgeistert den Kopf. Er trägt ein T-Shirt mit dem Logo der New York Yankees.

Es sind Situationen wie diese, die Romneys Schwäche deutlich machen. Er gilt als hölzern und abgehoben, kann keinen Draht zu den Wählern herstellen. Er tue sich schwer damit, die Probleme der Durchschnittsverdiener zu begreifen, so die allgemeine Auffassung. Umfrageergebnisse fallen entsprechend aus. Präsident Obama wird eher zu getraut, die täglichen Herausforderungen der Amerikaner zu verstehen. Und 70 Prozent der Befragten einer USA Today/Gallup Umfrage mögen Präsident Obama, nur 30 Prozent Mitt Romney.

Anhänger von Mitt Romney (Foto:Charles Dharapak/AP/dapd)
Nicht alle in der Republikanischen Partei sind sind so überzeugt von Mitt Romney.Bild: AP

Erfolgreicher Unternehmensberater

Doch Romney kann dafür in einem anderen Bereich punkten. "Ich habe Erfahrung im richtigen Leben gesammelt," sagt er, "in der Privatwirtschaft. Ich weiß, wie Unternehmen gegründet werden, und wie sie das Leben von Menschen verändern, wenn sie erfolgreich sind und dass sie manchmal nicht erfolgreich sind und warum wir Arbeitsplätze verlieren." Nach einem Studium an der renommierten Harvard-Universität und Abschlüssen in Betriebswirtschaft und Jura begann Romney 1978 seine Karriere bei der Bostoner Unternehmensberatung Bain & Co, wo er sich bis zum Vizepräsidenten hocharbeitete. 1984 war er Gründungspartner von Bain Capital, einer Investmentgesellschaft, die angeschlagene Firmen aufkaufte, umstrukturierte und dann mit Gewinn verkaufte.

Mehr als 100.000 Jobs, so brüstet sich Romney, habe Bain Capital geschaffen. Doch Romney machte auch Gewinn, wenn Bain Capital eine Firma zerschlug, verkaufte und die Mitarbeiter entließ. So versucht das Wahlkampfteam von Präsident Obama, Romney als herzlosen Jobvernichter zu porträtieren, der für seine Profite auch noch weniger Steuern zahlt als der Durchschnittsamerikaner. "Nie weniger als 13 Prozent" in den letzten zehn Jahren habe er gezahlt, verteidigt sich Romney. Was allerdings nicht nachzuprüfen ist, da er bisher nur seine Erklärung von 2010 veröffentlicht hat. Der Höchstsatz für Einkommensteuer liegt bei 35 Prozent.

Gläubiger Mormone

In Romneys Erklärung für das Jahr 2010 ist immerhin nachzulesen, dass sein Einkommen in jenem Jahr 21,6 Millionen Dollar betrug - vor allem aus Kapitalerträgen, was den niedrigen Einkommenssteuersatz erklärt. Gleichzeitig hat er fast drei Millionen Dollar für wohltätige Zwecke gespendet - die Hälfte davon an die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Denn Romney ist Mormone - eine Tatsache, die vor allem bei den Konservativen Christen der Republikaner auf Skepsis und Ablehnung stößt. Lange vermied es Romney deswegen, seinen Glauben zu erwähnen, wenn es sich irgendwie vermeiden ließ. Erst seit kurzem geht er offener damit um. Er lud Journalisten ein, ihn bei einem Kirchenbesuch zu begleiten. Und auf dem Parteitag in Tampa, Florida, soll ein Mormone das Bittgebet am Tag von Romneys Nominierung sprechen. Romney wäre der erste US-Präsident mormonischen Glaubens.

Er wäre wohl auch der erste US-Präsident, der französisch spricht - und auch damit geht er nicht gerade hausieren. Doch es gehört bei Mormonen zum Erwachsenwerden dazu, dass sie im Ausland missionieren gehen. Romney verbrachte zwei Jahre in Frankreich. Andere Details seiner Biografie bereiten ihm ebenfalls Probleme: So verweist er gerne darauf, dass er die olympischen Spiele von Salt Lake City vor dem Ruin gerettet und als Gouverneur von Massachusetts das Haushaltsdefizit reduziert hat. Er tut sich aber schwer zu erklären, warum er gegen die Gesundheitsreform von Präsident Obama ist, obwohl sie sich bei der Reform bedient, die Romney selbst in Massachusetts 2006 mit großen Fanfarenklängen unterzeichnet hat.

Dokument der Gesundheitsreform von Mitt Romney Foto: Christina Bergmann, Januar 2012, Massachusetts
Von seiner Gesundheitsreform, die als Vorbild für Obama diente, will Romney nichts mehr wissen.Bild: Christina Bergmann

Klare konservative Alternative?

Auch bei anderen Themen hat er die Ansichten gewechselt: Er ist jetzt zum Beispiel gegen Abtreibung. Und oft fällt es ihm schwer, sich als klare politische Alternative zum derzeitigen Präsidenten zu präsentieren. Beispiel: Afghanistan. "Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um die Übergabe [der Verantwortung] von unserem Militär zu ihrem Militär so bald wie möglich zu vollziehen, um unsere Männer und Frauen nachhause zu holen," sagte er, und fährt fort, "aber gleichzeitig unsere Mission zu erfüllen, also zu verhindern, dass Afghanistan noch einmal zu einem Stützpunkt für Terroristen wird." Nichts anderes will Präsident Obama auch tun, bis Ende 2014.

Doch Mitt Romney hat treue Anhänger und der Fragesteller im New York Yankees-Shirt gehört offensichtlich dazu. Er lässt sich bei der Veranstaltung im "Swing State" New Hampshire von Romneys Abneigung gegen seine erfolgreiche Lieblingsmannschaft nicht beirren und kontert: "Ich unterstütze Gewinner - deswegen unterstütze ich Sie." Dafür bekommt er die Antwort, die er hören will: Ja, die US-Notenbank müsse kontrolliert werden, erklärt Mitt Romney, und er wolle überhaupt alle Regierungsbehörden einer stärkeren Kontrolle unterziehen.

Zumindest in diesem Punkt unterscheidet sich der republikanische Herausforderer fundamental von Präsident Obama, wie Romney selbst erklärt: "Im Gegensatz zu einem Präsidenten, der glaubt, dass die Regierung die Wirtschaft in Gang bringt und wachsen lässt, weiß ich, dass es freie Menschen und die Freiheit sind, die unsere Wirtschaft antreiben." Am 6. November, dem Tag der Präsidentschaftswahl, wird sich zeigen, worauf die Amerikaner setzen: auf Obamas Sozialstaat oder Romneys Wettbewerbsgesellschaft.

Obama und Romney (Foto:Carolyn Kaster, Charles Dharapak/AP/dapd)
Bietet Romney eine klare konservative Alternative?Bild: AP