Asien

Südkoreanische Kühlschrank-"Revolution"

"Kühlschränke machen unsere Lebensmittel kaputt" sagt Jihyun Ryou, eine koreanische Designerin. Sie hat eine Alternative erfunden: Zwei Meter lang, aus Holz und Glas. Ein Designerstück – das keinen Strom verbraucht.

Designerin Jihyun Ryou mit ihrem alternativen Kühlschrank (Foto: Miriam Klaussner / DW)

Designerin Jihyun Ryou mit ihrem alternativen Kühlschrank

Voll konzentriert kniet die 30-jährige Jihyun Ryou zwischen fein geschliffenen Holzplatten. Routiniert greift sie die Dübel, zirkelt die Platten ineinander und hantiert mit Wasserwaage und Beißzange. Die interessierten Blicke des Besitzers einer Galerie in Bonn und der anderen Besucher bemerkt sie gar nicht. “Wisst ihr, in Korea gab es einfach keine Kühlschränke vor 50 Jahren”, meint die Designerin dann auf einmal und blickt schmunzelnd in die Runde. Etwa eine Handvoll Besucher sind schon da, es wird warm in dem kleinen Galerieraum in Bonn. "Mein Großvater hatte eigene Äpfel auf seiner Farm. Die hat er im Keller gelagert", erzählt die junge Frau weiter. "Den Kellerboden hat er dafür immer mit dem Schlauch abgespritzt, damit die Luft die richtige Feuchtigkeit hatte."

Inspiriert durch alte Bräuche aus Korea

Die Besucher schauen sich etwas ratlos an; Jihyun zupft sich den Staub von ihrer hochgeschlossenen Bluse und erzählt wild gestikulierend weiter. "Meine Mutter hatte auch solche Methoden, Essen zu lagern. Das hat mich schon als Kind fasziniert. Aber ich habe es nie verstanden. Dieses Master-Projekt war die Chance, der Sache mal auf den Grund zu gehen."

Jihyun Ryou vor einem geöffneten Kühlschrank (Foto: DW / Miriam Klaussner)

Im "normalen" Kühlschrank läuft einiges schief, meint die Designerin

Sie wollte wissen, wie Menschen in früheren Zeiten Lebensmittel aufbewahrt haben und das Ganze wissenschaftlich untersuchen. An der Uni Eindhoven hatte sie die Gelegenheit dazu, im Rahmen eines Masters im Fach Design. Für dieses Studium zog sie vor vier Jahren von Korea nach Holland um. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stand die Frage: Was machen wir da eigentlich? "Wir lagern alles im Kühlschrank, verbrauchen Strom, und das Essen verliert Nährstoffe und Geschmack", meint Jihyun energisch. Auberginen, Zucchini oder Gurken zum Beispiel würden unter sieben Grad erfrieren. Der Kühlschrank sei also dafür viel zu kalt.

Essen gehört in den Kühlschrank…oder?

Auf einmal kommt Bewegung ins Publikum. "Bei mir landet auch alles Gemüse im Kühlschrank, ohne dass ich mir Gedanken mache" gibt eine junge Besucherin zu. Die Frau neben ihr fällt ihr ins Wort: "Weil sich das länger hält. Zumindest dachte ich bisher, dass es sich länger halten würde", hüstelt sie verlegen. Um Alternativen zum Kühlschrank zu finden, hat sich die Designerin in Korea, Italien und Holland auf die Suche nach traditionellen Methoden zur Lebensmittelaufbewahrung gemacht, indem sie einfach private Kühlschränke und Küchen inspiziert hat.

Die Expertise der Omas und Opas

Angeschimmelte Orange und Zitrone im Kühlschrank (Foto: DW-TV)

Nicht immer ist ein Kühlschrank der optimale Lagerungsort beispielsweise für Obst

"Viele Familien, die ich besucht habe, waren ältere Paare, Omas und Opas. Die waren richtig glücklich, dass sie auf einmal als Experten befragt wurden", erinnert sich die Designerin. Und diese Expertentipps hat sie nun alle in ihr Designerstück eingebaut. Sie zeigt auf eine flache Holzkiste mit einem löchrigen Deckel. Unten in die Kiste kommen Kartoffeln hinein, oben auf den Deckel die Äpfel, erklärt sie. "Denn Äpfel produzieren ein Gas. Und das verhindert, dass die Kartoffeln austreiben."

Dann zeigt sie auf ein anderes Gefäß auf dem Boden, es ist etwa so groß wie ein Schuhkarton. Die Vorderseite ist aus Glas. Dort schüttet die Designerin feuchten Sand hinein. Karotten oder Frühlingszwiebeln würden im Sand am längsten halten, ohne das Aroma zu verlieren. Und das Mini-Aquarium mit Holzstäben an der Oberseite?

Auberginen brauchen Feuchtigkeit

"Das ist für Auberginen und Gurken. Das Wasser in der Schale verdunstet und so bleibt das Gemüse schön feucht", meint sie, während sie kunstvoll die polierten Auberginen auf die Stäbe drapiert. Dann lächelt sie dem jungen Mann mit der schwarzen Hornbrille zu, der lässig am Türrahmen lehnt: Es ist Stefan Moll, der Galeriebesitzer. Er darf nun die Löcher in die Wand bohren, denn ihr alternativer Kühlschrank ist zwei Meter lang und wird an die Wand gedübelt. "Die Idee ist super, um die Masse an Lebensmitteln reduzieren. Allerdings ist mir der künstlerische Aspekt noch nicht so ganz klar", kommentiert der Galerist, während ihm der Bohrstaub auf das weiße Shirt bröselt.

Low-Tech aber hoch funktional

Der alternative Kühlschrank an der Wand (Foto: Miriam Klaussner / DW)

Simples Design, aber hochfunktional – jedes Gemüse wird optimal mit Feuchtigkeit versorgt

Wenige Minuten später steht das Kunstwerk – beziehungsweise es hängt. Und die skeptische Falte auf Stefan Molls Stirn ist einem begeisterten Grinsen gewichen. Andächtig nähern sich nun auch die anderen dem Werk. Auf den ersten Blick sieht es simpel aus, wie ein langes schmales Holzregal. Aber nach und nach entdecken die Besucher die detailverliebten, funktionalen Spielereien. In der Mitte des Regals zum Beispiel ist eine Holz-Eierablage. Daneben ein handgefertigter Glaskrug mit Wasser. "Da kann man dann die Eier reinfallen lassen und schauen, ob sie nach oben treiben. Wenn sie nach oben steigen, enthalten sie Gas und sind schlecht", erklärt eine junge Besucherin, die das Prinzip des Designerstücks schnell verstanden hat.

Warten auf den großen Durchbruch

Der groß gewachsene Herr neben ihr nickt beipflichtend. "Ich würde mir das am liebsten in die Küche hängen. Die Idee ist so genial – und eigentlich Low-Tech. Sie wird irgendwann mal einen interessierten Unternehmer finden." Das hofft Jihyun Ryou auch. Denn obwohl sie damit weltweit durch Auktionshäuser und Galerien tourt: Leben kann sie von ihrer Erfindung noch nicht. Ihr Designerstück ist aber durchaus käuflich – für 2000 Euro.

Autorin: Miriam Klaussner
Redaktion: Nicola Reyk / Esther Broders

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