Fußball

Schiedsrichter in Todesangst

Rund 600 Spiele im deutschen Amateurfußball werden jährlich nach Angriffen auf Schiedsrichter abgebrochen. Einige Referees entkamen dem Tod dabei nur knapp. Die Gewaltexzesse nehmen kein Ende.

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Das Problem ist nicht neu im europäischen Fußball: Schiedsrichter im Amateurbereich sind immer wieder Opfer von Gewalt. Als im Dezember 2012 ein niederländischer Linienrichter nach einer Prügelattacke von Jugendlichen starb, war der öffentliche Aufschrei groß - und doch schnell wieder verhallt. Auch wenn die Kette der Vorfälle nicht abreißt: So wurde zum Beispiel Anfang Dezember ein erst 18 Jahre alter Schiedsrichter bei einem Jugendfußball-Spiel in Hannover zusammengeschlagen und dabei im Gesicht verletzt.

Nur ein Übergriff von vielen im deutschen Amateurfußball, der als die Basis für den Weltmeister-Triumph der Nationalelf in Brasilien gilt. Nun könnte ein Bericht des Norddeutschen Rundfunks (NDR) für neuen Schwung in der Debatte um die Sicherheit im Amateurfußball bringen.

"Ein halber Zentimeter daneben, dann wäre ich tot gewesen"

Darin berichtet zum Beispiel Amateur-Schiedsrichter Thomas Kahle von einer brutalen Begegnung auf dem Fußballfeld. Als er einem Spieler wegen eines Foulspiels die Gelb-Rote Karte zeigte, sei dieser plötzlich gewalttätig geworden: "Der Spieler hat mich niedergeschlagen. Er war Kampfsportler und hat mir gezielt gegen den Kehlkopf geschlagen. Die Notärzte haben gesagt, ein halber Zentimeter daneben, dann wäre ich tot gewesen".

Vereinsheim des SC Buitenboys in Almere in den Niederlanden (Foto: dpa)

Vereinsheim des SC Buitenboys: Hier starb 2012 nach einer Prügelattacke ein niederländischer Linienrichter

Das Schicksal Thomas Kahles ist kein Einzelfall. Fast an jedem Wochenende werden Schiedsrichter im deutschen Amateurfußball teils brutal angegriffen. Diese Attacken führen jährlich zu rund 600 Spielabbrüchen. Eine Situation mit Folgen: Immer wieder warnt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vor der Gewalt auf den Plätzen, weil es sich angesichts dessen viele junge Menschen zweimal überlegen, Schiedsrichter zu werden.

40 Prozent der Schiedsrichter wurden schon bedroht

Denn die Bedrohung für die Unparteiischen ist real. So berichtet Thaya Vester, Kriminologin an der Universität Tübingen, in einer Studie, für die mehr als 2.600 Schiedsrichter in Baden-Württemberg befragt wurden, von zahlreichen Übergriffen. "Knapp 40 Prozent haben über Bedrohungen gesprochen. Und zwar ernsthafte Bedrohungen, also nicht das Klassische 'Schiri, wir wissen, wo dein Auto steht', sondern eher in die Richtung: 'Da steht jemand auf dem Parkplatz und wartet nach dem Spiel.' Um die 17 Prozent wurden in der Vergangenheit auch tatsächlich körperlich angegriffen", berichtete die Kriminologin Vester dem NDR. "Es ist eigentlich ein Sport, ein Hobby, aber trotzdem hat man das Gefühl, es geht um Leben und Tod."

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