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Snowden-Rede auf der CeBIT

19. März 2015

Die Computermesse CeBIT in Hannover begrüßte am Mittwoch einen besonderen Gast: Der Whistleblower Edward Snowden ließ sich per Video zuschalten. Auch diesmal konnte er das Publikum überraschen.

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Edward Snowden auf der CeBIT in Hannover
Bild: picture-alliance/dpa

Die Messehalle war bis auf den letzten Platz gefüllt, als DW-Moderator Brent Goff zunächst den Snowden-Vertrauten Glenn Greenwald und später den Ex-Geheimdienstmitarbeiter selbst begrüßte. Edward Snowden wurde per Video zugeschaltet. Er saß vor einem dunklen Hintergrund, der keine Rückschlüsse auf den Aufenthaltsort zuließ.

Snowden betonte in seiner halbstündigen Botschaft an die Besucher, dass er am liebsten in seine Heimat USA zurückkehren würde. Allerdings nur unter der Bedingung, dass er sich für sein Handeln vor einem ordentlichen Gericht in einem öffentlichen Verfahren verantworten könne.

Angst vor Geheimprozess

"Ich will dem Gericht erklären, warum ich es getan habe, ich will von den Abhörprogrammen berichten, ich will, dass ein Gericht entscheidet, ob das richtig war oder falsch, dass heimlich gegen unsere Verfassung verstoßen wurde", sagte der 31-Jährige. "Aber nach aktuellen Gesetzen ist es nicht möglich, einen fairen Prozess zu bekommen. Das Gesetz verbietet es buchstäblich", so Snowden.

Der ehemalige Mitarbeiter des US-Geheimdienstes National Security Agency (NSA) hatte vor gut zwei Jahren mit seinen Enthüllungen das massenweise Ausspähen von Regierungen und Bürgern durch die Geheimdienste offengelegt. Auf seiner Flucht vor der amerikanischen Justiz erhielt er Asyl in Russland.

Zuletzt hatte es Spulationen gegeben, Snowdens Anwälte handelten einen Deal aus, damit er in die USA zurückkehren könne. Dies wäre aus seiner Sicht auch die bessere Lösung für die US-Regierung, sagte Snowden, wollte sich aber nicht weiter zu dem Thema äußern.

Im Stich gelassen

Glenn Greenwald, über den Snowden viele der Enthüllungen an die Öffentlichkeit lanciert hatte, warf Deutschland und anderen westlichen Staaten vor, den Whistleblower im Stich gelassen zu haben. "Die Länder, die am meisten von den Enthüllungen profitiert haben, sind die, die Snowden jetzt den Rücken zukehren", so Greenwalds verbittertes Fazit.

Allerdings würden sicher nicht alle Geheimdienst-Papiere veröffentlicht, die Snowden an sich gebracht hat. Sie enthielten dafür zu viele Informationen über überwachte Personen. "Es wäre schrecklich, wenn wir alle diese Informationen veröffentlichen würden. Es wäre eine Verletzung ihrer Privatsphäre."

Zum Schluss der Veranstaltung wurde Snowden unter dem langanhaltenden Applaus der Zuhörer eingeladen, persönlich auf die CeBIT zu kommen, wenn er Russland verlassen dürfe. Seine charmant-ausweichende Antwort: "Lassen Sie uns zuerst Angela Merkel fragen."

mak/djo (dpa, dw-tv)