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Kunst

Iranische Sammlung erstmals in Berlin

Gero Schließ
6. September 2016

Erstmals gibt eine Ausstellung im Ausland Einblick in die Sammlung des Teheraner Museums für Zeitgenössische Kunst. Außenminister Steinmeier hatte sich dafür eingesetzt. Ein wichtiges Kulturprojekt - nicht ohne Risiken.

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Besucher im Teheraner Museum für Zeitgenössische Kunst. Foto: AP Photo/Hasan Sarbakhshian
Bild: picture-alliance/AP Photo/H. Sarbakhshian

Diese Ausstellung in Berlin will als kulturpolitisches Ereignis verstanden werden: Die Berliner Nationalgalerie zeigt erstmals Bilder des Teheraner Museums für Zeitgenössische Kunst (TMoCA). Die Kunstwerke waren fast 40 Jahre nicht zugänglich. Jetzt sind sie vom 4. Dezember 2016 bis 26. Februar 2017 in Berlin zu sehen. Der Online-Vorverkauf hat bereits begonnen.

"Es ist die bedeutendste Sammlung westlicher Kunst des 20. Jahrhunderts außerhalb Europas und Nordamerikas", sagte Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) der DW am Rande eines Pressegesprächs. Insbesondere die Spitzenwerke europäischer und amerikanischer Malerei machten die Sammlung so wertvoll.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier beim Besuch des TMoCA im Oktober 2015. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Außenminister Frank-Walter Steinmeier beim Besuch des TMoCA im Oktober vergangenen Jahres.Bild: picture-alliance/dpa/B. von Jutrczenka

Darunter sind Werke von Claude Monet, Max Ernst und Jackson Pollock. Sie waren von der früheren persischen Kaiserin Farah Pahlavi gesammelt und nach der islamischen Revolution weitgehend unter Verschluss gehalten worden. Dass die Deutschen schließlich den Zuschlag bekamen, ist nach Parzingers Worten der "breiten politischen Unterstützung in Berlin" zu verdanken, vor allem durch Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Nach dem Abschluss des Nuklearabkommens mit dem Iran hatte sich insbesondere Steinmeier dafür eingesetzt, die Sammlung nach Berlin zu holen. Damit ist auch die Hoffnung auf eine Öffnung Irans und eine Stärkung der dortigen Zivilgesellschaft verbunden. Nach Berlin wird die Ausstellung dann nach Rom ins MAXXI-Museum (Museo nazionale delle arti del XXI secolo) weiterziehen.

Hohe politische Hürden

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Foto: Tim Brakemeier/dpa
Hermann Parzinger: Ausstellung als Zeichen für die kulturelle Öffnung IransBild: picture-alliance/dpa/T. Brakemeier

Fast wäre das politisch brisante Ausstellungsprojekt im Vorfeld gescheitert. Ausgerechnet der Direktor des TMoCA, Majid Moullanourouzi, hatte in Teheran die Siegerurkunden für einen Karikaturenwettbewerb überreicht, in dem der Holocaust geleugnet und die Holocaustopfer verhöhnt wurden. Für die deutsche Seite war damit eine "rote Linie" überschritten. Außenminister Steinmeier verurteilte den Wettbewerb scharf. SPK-Präsident Parzinger schrieb einen Brief nach Teheran und stellte klar, dass man mit Holocaust-Leugnern nicht kooperiere. Daraufhin reagierte man in Teheran offensichtlich: Zuständig für die Ausstellung sei nunmehr der stellvertretende iranische Kulturminister Ali Moradkhani, der in der Hierarchie über Moullanourouzi stehe, hieß es im Pressegespräch. Diese Distanzierung reichte der deutschen Seite offensichtlich, um die Ausstellung nicht scheitern zu lassen. In der aktuellen Pressemitteilung der SPK findet sich nichts davon. Allerdings wurden diese Angaben auf Nachfrage der DW im Pressegespräch gemacht, an dem neben Parzinger auch der Direktor der Nationalgalerie Berlin, Uwe Kittelmann, und der Generalsekretär des Goethe-Instituts (GI), Johannes Ebert, teilnahmen.

Obwohl die Bilder lange weggeschlossen waren, seien sie in gutem Zustand, vergleichbar mit "atelierfrischer Ware", so Uwe Kittelmann. Auf seinen Reisen nach Teheran erlebte der Direktor der Nationalgalerie noch eine weitere Überraschung. Die hohe künstlerische Qualität der Bilder habe er so nicht erwartet, so Kittelmann.

Hohe Qualität der Kunstwerke

Gemeinsam mit der iranischen Seite hatte die Nationalgalerie die Auswahl der Bilder vorgenommen. Am Ende haben wir bekommen, was wir wollten", so Kittelmann. Insgesamt 60 Bilder umfasst die Auswahl, darunter 30 Gemälde europäischer und nordamerikanischer Kunst des 20. Jahrhunderts und 30 Werke iranischer Maler mit Bildern der 1960er und 70er Jahre. Namen wie Faramarz Pilaram und Behjat Sadr wurden genannt. Darunter sind auch sechs iranische Künstlerinnen. Unter den "westlichen" Bildern ist das berühmte Triptychon von Francis Bacon, das homoerotische Szenen zeigt. "Das ist für die iranische Gesellschaft schon ein großer Schritt," so SPK-Präsident Parzinger gegenüber der DW.

Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts
Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts

Das Goethe-Institut, das in Teheran unter dem Dach der deutschen Botschaft arbeitet, ist mit dem Begleitprogramm beauftragt. "Es ist für uns wichtig, nicht nur die Kunstwerke zu präsentieren, sondern auch einen gesellschaftspolitisch-künstlerischen Kontext aufzuzeigen", so GI-Generalsekretär Johannes Ebert. Hierzu würden auch regimekritische Schriftsteller und Filmemacher einbezogen.

Kulturprojekte wie dieses sind mutig und bergen Risiken. Darüber sind sich alle Beteiligten einig. Doch die Hoffnung ist groß, dass von der Berliner Ausstellung ein Signal ausgeht, das die Menschen in Iran erreicht. Das TMoCA jedenfalls, so heißt es, baut gerade an einem neuen Flügel. Gut möglich, dass dort eines Tages auch die bisher weggeschlossenen Bilder gezeigt werden.