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Syrische Rebellen berichten von Massakern an ganzen Familien

8. Februar 2012

Trotz des wachsenden internationalen Drucks setzt Syriens Regime die Offensive gegen die politischen Gegner unvermindert fort. Die Stadt Homs liegt unter Dauerbeschuss. Abermals wird von Dutzenden Toten berichtet.

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Syrian soldiers on an armoured military vehicle are seen in Deir Balaba, near Homs (Foto: rtr)
Bild: Reuters

Die syrische Armee stürmte Teile der seit Tagen unter Beschuss liegenden Hochburg des Widerstandes gegen Präsident Baschar al-Assad. Laut Menschenrechtlern wurden bei den Angriffen mindestens 68 Menschen getötet. In anderen Quellen ist von um die 100 Toten die Rede. Regierungsgegner berichteten von Gräueltaten an Zivilisten: Drei Familien seien von Milizionären in ihren Häusern mit Messern ermordet worden. Im Viertel Baba Amro sollen mindestens 23 Gebäude dem Erdboden gleichgemacht worden sein.

Erneut Tote in Rebellenhochburg Homs

Homs werde mit schweren Waffen beschossen, erklärte die in London ansässige syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Zahl der Todesopfer werde noch steigen, da viele Leichen unter den Trümmern zerstörter Häuser lägen.

In Handy-Videos berichteten Bewohner, die ganze Stadt sei von Panzern umzingelt. Auch aus anderen Regionen im Norden Syriens berichteten Augenzeugen erneut von Gräueltaten der Armee gegen die eigene Bevölkerung. Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit für Medienvertreter in Syrien macht eine Überprüfung der Angaben allerdings schwer.

UN-Menschenrechtskommissarin findet klare Worte

UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay rief die internationale Gemeinschaft auf, schnellstens die politischen Differenzen zu überwinden und effektive Maßnahmen zum Schutz der syrischen Bevölkerung zu ergreifen. "Ich bin entsetzt über den gezielten Angriff der syrischen Regierung auf Homs und den Einsatz von Artillerie und anderen schweren Waffen bei anscheinend wahllosen Attacken auf Wohngebiete", erklärte Pillay in Genf.

"Die Unfähigkeit des Sicherheitsrates, sich auf starke gemeinsame Aktionen zu verständigen, scheint die Bereitschaft der syrischen Regierung verstärkt zu haben, die eigene Bevölkerung zu massakrieren, um die Opposition zu zerbrechen." Pillay verwies auf "lokale Quellen" aus Homs, wonach die syrische Armee ihre Angriffe auf Wohngebiete erheblich verschärft habe. Diesen Angaben zufolge würden Truppen mit Panzern, Hubschraubern, Raketen und Artillerie vorgehen.

Die Vetomächte Russland und China hatten am Samstag mit ihrem Veto im UN-Sicherheitsrat eine Resolution zu Fall gebracht, mit der die 13 anderen Mitgliedstaaten Syrien zur Beendigung der Gewalt und zu politischen Reformen aufrufen wollten.

Russland beharrt auf seiner Position

Die Europäische Union steht Diplomaten zufolge kurz vor neuen Sanktionen gegen Syrien. Russland lehnte erneut jede internationale Einmischung ab. Regierungschef Wladimir Putin forderte in Moskau, das syrische Volk müsse selbst über sein Schicksal entscheiden. "Natürlich lehnen wir jede Gewalt ab, von welcher Seite auch immer, aber niemand sollte sich wie ein Elefant im Porzellanladen benehmen."

Arabische Liga gibt vorerst auf

Angesichts der Gräueltaten gegen die syrische Opposition will die Arabische Liga ihre Beobachtermission beenden. Die verbliebenen Beobachter wurden aufgefordert, Syrien zu verlassen. Der Leiter der Beobachtermission, Mohammed al-Dabi, und sein Stab sollen jedoch vorerst noch in Damaskus bleiben. Am Wochenende will die Arabische Liga über ihr weiteres Vorgehen beraten.

A member from the Arab League observers delegation (Foto: rtr)
Abgang: die Beobachter verlassen SyrienBild: REUTERS

qu/sti (dpa,rtr,dapd,epd)