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Therapie für Vergewaltiger

Clara Walther / dpa9. Februar 2015

Kann man Vergewaltiger "heilen"? Ein Sexualtherapeut aus Hannover möchte dies versuchen. Und Männer mit sexuellen Gewaltfantasien in einer Ambulanz behandeln, bevor es zu Übergriffen kommt.

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Mädchen vergräbt ihr Gesicht in den Händen (Foto: Fotolia/DW).
Bild: Fotolia/DW

Schmerz, Trauer, Verdrängung, Scham - Vergewaltigungsopfer leiden oft ein Leben lang unter den Folgen des gewaltsamen Übergriffs. 7408 Frauen in Deutschland haben ihre Peiniger 2013 bei der Polizei angezeigt. Doch die Dunkelziffer der sexuellen Übergriffe ist noch viel höher.

Sexualtherapeut Uwe Hartmann glaubt, dass man solche Taten verhindern kann - wenn der Täter sich frühzeitig behandeln lässt. Sein Ziel ist es, an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) eine Ambulanz für Männer mit Gewaltfantasien einzurichten. "Gewalttätige Übergriffe haben einen Vorlauf in der Seele und der Sexualität der Täter", erklärt er. "Jede Straftat, die wir verhindern können, ist etwas Positives." Zurzeit sucht der Wissenschaftler nach Geldgebern für eine Ambulanz, die Männer mit entsprechenden Fantasien behandelt.

Erfahrung mit Pädophilen

Der Wissenschaftler aus Hannover hat bereits Erfahrung bei der Prävention von Sexualstraftaten. Seit drei Jahren leitet er eine Ambulanz für Männer, die sich von Kindern sexuell angezogen fühlen. Sie können sich hier anonym und kostenlos behandeln lassen. Ziel ist es, dass sie lernen, mit ihrer sexuellen Neigung umzugehen, ohne sich an Kindern zu vergreifen oder Kinderpornographie zu nutzen.

Das Konzept, das auch in anderen Standorten in Deutschland praktiziert wird, gilt als erfolgsversprechend. Das bundesweite Netzwerk "Kein Täter werden" gibt in einer Evaluation an, dass 80 Prozent der Männer, die zuvor Kinder missbraucht hatten, dies nach der Therapie nicht mehr taten. Keiner der Männer, die vor der Therapie noch nie sexuellen Kindesmissbrauch begangen hatten, wurde den Studien zufolge übergriffig - möglicherweise konnten hier also Straftaten durch eine entsprechende medizinische Behandlung verhindert werden.

"Warum gibt es so ein Angebot nicht für mich?"

Nach dem Willen von Uwe Hartman soll es in Hannover nun bald eine Anlaufstelle für potenzielle Vergewaltiger geben - für solche Männer, die sexuelle Gewaltfantasien gegenüber erwachsenen Frauen hegen. Uwe Hartman glaubt, dass es durchaus Männer gibt, die sich freiwillig in eine entsprechende Behandlung begeben würden. "Ein junger Mann hat sich an uns gewendet und gesagt, mich quälen diese Fantasien. Warum gibt es denn nicht für mich so ein Angebot, warum nur für Leute mit pädophiler Neigung?", erzählt Hartmann. Dies möchte er nun ändern.

Konkret sollen Gruppen- und Einzelsitzungen angeboten werden. "Für die Betroffenen ist es sehr hilfreich, vor anderen auszupacken, denen es genauso geht", meint er. Ob der Wissenschaftler seine Erfahrung aus der Arbeit mit Pädophilen auf die Therapie von Männern mit Gewaltfantasien übertragen kann, bleibt dabei fraglich. Während Pädophile von Kindern sexuell erregt werden und deshalb lernen müssen, ihre Sexualität anders zu kanalisieren, liegen die Problemlagen bei potenziellen Vergewaltigern anders. Der MHH-Professor sieht vor allem Machtausübung, Rache, Ärger oder einen grundsätzlichen Hass gegen Frauen als Motiv für Vergewaltigungen.