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Olympia, Olympsiche Spiele, Bach, IOC London 2012

22. September 2011

In knapp einem Jahr finden in London die Olympischen Sommerspiele statt. Wir sprachen mit dem IOC-Vize und Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes, Dr. Thomas Bach, über seine Erwartungen.

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Dr. Thomas Bach FOTO: Pressefoto ULMER/Claus Cremer
IOC-Vize Dr. Thomas BachBild: picture-alliance / Pressefoto UL

DW-WORLD.DE: Thomas Bach – es ist nicht mehr weit bis zu den Olympischen Sommerspielen in London. Wie laufen die Vorbereitungen?

Thomas Bach: Die Vorbereitungen in London laufen glänzend. Alles ist im Plan und im Budget. Erste Testwettbewerbe laufen schon mit großem Erfolg. Wir können wirklich herausragenden Olympischen Spielen entgegensehen.

Sie haben sich selbst ein Bild gemacht. Was halten Sie von den neu errichteten Sportstätten?

Gerade die Sportstätten sind architektonische Highlights. Wenn Sie sich das neue Olympiastadion anschauen, oder die Basketballhalle – glauben Sie nicht, dass die nur temporär gebaut ist! Man kann von einer wirklich gelungenen Vorbereitung nicht nur im organisatorischen, sondern auch im architektonischen Sinn sprechen.

Volles Vertrauen in britische Behörden

Bei den Testturnieren gab es auch unschöne Bilder: Brennende Autos, plündernde Jugendliche, soziale Unruhen – wie sicher sind die Spiele?

Diese Vorkommnisse hingen nicht mit den Testwettbewerben und den Olympischen Spielen zusammen. Das war ein Ausbruch der sozialen Spannungen in Großbritannien. Wir haben hier volles Vertrauen in die Politik des Landes, aber auch in den Stolz der Bevölkerung der Welt, wirklich friedliche und britische Spiele zu zeigen in bester Tradition. Und deswegen wissen wir, dass die britischen Behörden alles tun, um genau das zu gewährleisten.

Die letzten Sommerspiele fanden in Peking statt, jetzt in London, Großbritannien. Wie wird sich das unterscheiden?

Das wird ganz anders werden. Das ist Teil der Faszination der Olympischen Spiele, dass sie um die Welt wandern und dass jedes Gastland die Möglichkeit hat, seine Auffassung vom olympischen Sport der Welt zu zeigen. Hier sind die Traditionen in China ganz anders als in Großbritannien. Wir werden hier eine großartige Mischung erleben aus Tradition und Fortschritt. Das heißt, die Spiele werden auch die Jugendlichen besonders ansprechen. Aber sie werden auch zeigen, wie sehr der britische Sport seiner Tradition verhaftet ist in Wimbledon, in Henley und an anderen Wettkampstätten. Und das wird den ganz besonderen Charme dieser Spiele ausmachen.

Olympiastadion in London (Foto:LOCOG, Anthony Charlton/AP/dapd)
Das Londoner OlympiastadionBild: dapd

Fünfter Platz wäre ein Erfolg

Deutschland war in Peking 2008 Fünfter der Nationenwertung mit insgesamt 41 Medaillen und 16 Goldmedaillen. Was ist das Ziel für London 2012?

Wir würden uns natürlich riesig freuen, wenn wir diesen fünften Platz wieder erreichen könnten. Aber wir wissen auch, dass das enorm schwierig sein wird. Noch nie ist weltweit so viel in den Leistungssport investiert worden an Geld und Know-how wie derzeit. Um uns in diesem Konzert der Großen zu behaupten, müssen wir in London ein Quäntchen Glück haben.

Die deutschen Fußballer und Fußballerinnen sowie die Basketballer und Basketballerinnen werden nicht in London dabei sein, nur zwei von zwölf Mannschaftssportarten haben sich bisher überhaupt erst qualifiziert. Müssen wir uns Sorgen machen um die deutschen Mannschaftssportarten?

Es stehen noch einige Qualifikationen aus, aber auch die werden nicht einfach, wenn ich an Handball oder Wasserball denke. Aber: Wenn man sich zurückerinnert, hatten wir auch vor Peking die Situation, dass viele Goldmedaillenmannschaften sich erst im zweiten Zug qualifizieren konnten. Die Hockeyspieler beispielsweise. Deswegen haben wir durchaus noch Hoffnung, dass es die Handballer packen und vielleicht haben wir auch im Volleyball noch eine Chance. Wir sind nicht glücklich, dass gerade in einem Fußballland wie Deutschland, wo wir ja über eine starke Männer- und über eine starke Frauenmannschaft verfügen, beiden die Qualifikation nicht gelungen ist. Das ist wirklich mehr als schade.

Zwei Olympiasieger von Peking 2008 stehen aktuell in den Schlagzeilen: Gewichtheber Matthias Steiner ist verletzt, musste die WM absagen und Schwimmerin Britta Steffen hat eine katastrophale WM hinter sich. Wie steht es um die beiden und wer könnte vielleicht sonst noch das Gesicht von 2012 werden?

Zuerst wünsche ich Matthias Steiner gute Besserung und hoffe, dass er es noch schafft. Aber wenn man ihn mit seinem sehr gesunden Ehrgeiz und seiner Disziplin sieht, dann glaube ich schon, dass er es für London auch wieder packen wird. Und ich bin sicher, dass Britta Steffen aus ihrem Abschneiden in Shanghai auch ihre Konsequenzen ziehen wird. Sie hat ja anklingen lassen, dass sie ihr Training umstellen will. Das ist eine erste Maßnahme, die uns hoffnungsfroh stimmt. Aber wir können in London nicht nur auf Titelverteidiger vertrauen. Da kommen hoffentlich auch wieder neue Gesichter dazu. Das ist ja immer das Schöne an den Olympischen Spielen, dass plötzlich ganz neue Gesichter bekannt werden und ins erste Glied treten.

Abschließend: Worauf freuen Sie sich ganz persönlich?

Was mich am meisten begeistert, ist die Tatsache, dass ich vormittags beim Judo sein kann, mittags beim Fechten, abends bei der Leichtathletik und bei einer anderen Kampfsportart – also die Breite des olympischen Sports. Und deswegen werde ich mir für London wieder das Ziel vornehmen – das ich bisher nie erreicht habe und wahrscheinlich auch in London nicht erreichen werde – alle 28 Sportarten wirklich live zu erleben. Vielleicht schaffe ich es dieses Mal bei den Spielen, da nur 26 Sportarten da sind, weil Baseball und Softball nicht auf dem Programm stehen.

Die Fragen stellte Olivia Fritz
Redaktion: Wolfgang van Kann