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Frankfurter Buchmesse 2006

8. Oktober 2006

Vom 4. bis 8 Oktober 2006 drehte sich in Frankfurt am Main wieder alles ums Buch. Gastland der 53. Buchmesse war Indien. DW-RADIO war mit mehreren Reportern vor Ort. Hier können Sie eine Auswahl der Beiträge "nachhören".

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Indische Frauen posieren auf der Frankfurter Buchmesse mit einem Buch über Indien vor Schriftzeichen aus verschiedenen indischen Regionen
Bild: AP

Mehr als 7200 Aussteller aus 113 Ländern - so viele wie nie zuvor - waren nach Frankfurt gekommen. Verlage präsentierten auf der größten Bücherschau der Welt ihre Neuerscheinungen und Schriftsteller ihre Werke.

Der Auftakt der weltgrößten Bücherschau war mit der Verleihung des Deutschen Buchpreises 2006 zugleich auch einer ihrer Höhepunkte: Die siebenköpfige Jury vergab ihn an die Schriftstellerin Katharina Hacker für ihren Roman «Die Habenichtse». Die Auszeichnung hat weltweite Wirkung für die deutschsprachige Literatur und wird deshalb offiziell von der Deutschen Welle unterstützt. "Wir registrieren, dass das Interesse an deutscher Gegenwartsliteratur weltweit wächst und bieten einen Überblick über die aktuelle Romanproduktion aus Deutschland gleich über drei Medien: DW-TV, DW-RADIO und DW-WORLD.de", so begründet DW-Intendant Erik Bettermann das Engagement des deutschen Auslandssenders.

Ein starker Auftritt wurde vom Gastland Indien erwartet, der die Vielfalt von "Todays India" spiegeln soll: dem Subkontinent zwischen High-Tech und Ackerbau, Modernität und Tradition. Einem Staat mit 21 Nationen, 24 verschiedenen Sprachen, einer blühenden Filmindustrie und einer vielfältigen Literatur. Für die meisten Messebesucher ist Indien allerdings immer noch "terra incognita", ein Land, von dem man nur wenig weiß. Autoren wie Arundhati Roy, der mit dem "Gott der kleinen Dinge" auf Anhieb Weltruhm erlangt hat oder Vikram Seth sind vielleicht die bekanntesten Autoren, aber dann hört es schnell auf. Obwohl in Indien jedes Jahr mehr als 80.000 Buchtitel erscheinen. Die wenigsten werden allerdings ins Deutsche übersetzt. Das soll sich nach dem Buchmessenauftritt ändern. Der "National Book Trust India" hat eine große Übersetzungsoffensive gestartet.

Was kaum jemand weiß: in Indien gibt es immer noch 400 Millionen Analphabeten. Menschen denen der Zugang zu Büchern und auch dem damit verbundenen Wissen verschlossen ist. Aber auch die, die nur eine der 400 indischen Sprachen und nicht das weitverbreitete Hindi oder Englisch sprechen und lesen können, sind vom größten Teil des indischen Büchermarktes ausgeschlossen.

Neben der Gastlandreihe wurde in diesem Jahr der Schwerpunkt "Zukunft Bildung" neu etabliert. Damit will die international bedeutendste Buchmesse Themen wie Alphabetisierung, Lernen in der Schule und Fortbildung für die Branche offensiv angehen. Die Un-Menschenrechts-Charta verbrieft jedem Menschen ein Recht auf Bildung. Doch auch in reichen Industriestaaten wie Deutschland tun sich Gräben auf: viele Kinder und auch können gar nicht lesen, obwohl sie jahrelang zur Schule gegangen sind. Die Frankfurter Buchmesse will sich verstärkt der Bildung gerade junger Menschen widmen.

„Have a nice day“ und „enjoy the lesson“ – das verstehen in Deutschland mittlerweile viele Viertklässler. Denn seit etwa zwei Jahren wird Englisch bereits an der Grundschule unterrichtet. Die Globalisierung fordert ihren Tribut, und immer mehr Kinder- und Jugendbuchverlage reagieren darauf mit einem entsprechenden Angebot.

Doch nicht nur das traditionelle Buch stand in Frankfurt im Zentrum. Die Buchmesse hatte sich in den vergangenen Jahren konsequent zur Medienmesse weiterentwickelt. Inzwischen sind weniger als die Hälfte der ausgestellten Produkte herkömmliche Bücher. Längst nehmen Hörbücher, Filme, Schreibwaren und Spielzeug für den Buchhandel - und vor allem elektronische Medien - einen immer größeren Raum ein. Der weltweite Digitalisierungsprozess ist dabei eine der größten Herausforderungen für die Buchbranche, wie man es auch in diesem Jahr in Frankfurt besonders eindrucksvoll verfolgen konnte.

Ein weiteres Thema: Piraterie im Netz und die geplante Novellierung der Urheberrechts. Sie setzen die Buchbrache inzwischen stark unter Druck. Nicht ganz zu Unrecht fürchten die Verlage, dass Buchinhalte über das Internet kostenlos zugänglich werden. Auf Kosten der Verlage, die in Druck und Herstellung investiert haben. Jetzt geht der Börsenverein des Buchhandels in die Offensive und will selbst deutschsprachige Titel in Netz stellen. "Volltextsuche Online" heißt das Projekt, das im Februar 2007 starten soll.

Seit ein paar Jahren setzt die Buchmesse auch auf die Konkurrenz! Der Film, das Kino und das Fernsehen bilden längst einen festen Bestandteil innerhalb des Frankfurter Messealltags. Die einzelnen Anbieter, die sich in irgendeiner Art und Weise den bewegten Bildern widmen, residieren auf dem Messegelände zentral in einer eigenen Halle mit Kino, Ständen und Veranstaltungsforen.

Überschattet wurde die Buchmesse durch die Nachricht vom Tod des diesjährigen Georg-Büchner-Preisträgers Oskar Pastior. Der Schriftsteller starb am Mittwoch Abend bei Freunden in Frankfurt am Main im Alter von 78 Jahren. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung vergibt alljährlich den Georg-Büchner-Preis. Er ist die renommierteste Auszeichnung für deutschsprachige Literatur.