Afrika

Uganda: Streit um die Gen-Banane

Dem Parlament liegt ein Gesetzentwurf zum Einsatz genmanipulierter Pflanzen vor. Wissenschaftler argumentieren, dass diese gegen Dürren und Schädlinge resistent seien. Doch Gentechnik ist auch in Uganda umstritten.

Uganda Biotechnologie Setzlinge im Labor (DW/S. Schlindwein)

Es sieht aus wie ein ganz normales Gewächshaus. In kleinen Töpfen wachsen Matoke-Setzlinge. Die Kochbanane zählt zu den Grundnahrungsmitteln in ganz Ostafrika. Doch das Treibhaus steht nicht auf einem Bauernhof, sondern in Ugandas führendem Forschungszentrum für landwirtschaftliche Nutzpflanzen, kurz NARO. Hier forschen Wissenschaftler im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums an Methoden, wie ugandische Kleinbauern bessere Ernten erzielen können.

Mehr als ein Jahr lang herrschte in Ostafrika Dürre. Seit März regnet es nun viel zu viel, das hat zu Schädlingsbefall geführt. Der sogenannte Armee-Wurm hat einen Großteil der Maisernten vernichtet und die Kochbanane ist durch eine Seuche gefährdet. Die Forscher haben nun eine Bananensorte genetisch so verändert, dass sie nicht nur gegen Seuchen immun sein soll, sondern zudem mit Vitamin A angereichert ist, ein Vitamin, an welchem es vielen Ugandern mangelt, erzählt Institutsdirektor Andrew Kiggundu.

Uganda Biotechnologie Bananenvergleich im Labor (DW/S. Schlindwein)

Die gentechnisch veränderte Kochbanane (unten, gelb) hat einen höheren Vitamin-A-Anteil

Ursprünglich hat sich das Institut mit herkömmlichen Züchtungen und Kreuzungen von Nutzpflanzen beschäftigt, doch diese stießen bei den derzeitigen Seuchen und Schädlingen an ihre Grenzen, so Kiggundu: "Deswegen haben wir uns in unserer Gentechnik-Forschung auf genau diese Pflanzen konzentriert: Bananen, Cassava, Kartoffeln."   

Seit 14 Jahren ohne Gesetz

Ugandas Wirtschaft fußt auf der Landwirtschaft. Das Land beliefert zahlreiche Nachbarländer mit Mais und Bananen, exportiert Fisch und Ananas bis nach Asien und Europa. UN-Hilfswerke wie das Welternährungsprogramm WFP kaufen in Uganda Lebensmittel ein. Doch diese Versorgung ist gefährdet. Deswegen setzen nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Politiker auf Gen-Pflanzen.

Bislang hat Uganda allerdings kein Gesetz, das die Nutzung dieser Gen-Pflanzen reguliert - sie sind nur in der Versuchsphase zugelassen. Uganda hat 2003 das sogenannte Cartangena-Protokoll unterzeichnet, welches in Kanada unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen formuliert wurde. Ziel des Protokolls ist es, die Biodiversität zu schützen und die Anwendung von genetisch veränderten Lebensmitteln zu regeln. Ugandas Regierung ist aufgrund dieser internationalen Vereinbarung verpflichtet, ein entsprechendes Gesetz zu verabschieden. Ein erster Entwurf dazu wurde bereits 2004 formuliert. Das Parlament hatte ihn zur Beratung in den Landwirtschaftsausschuss verwiesen.

Uganda Biotechnologie Setzlinge im Labor (DW/S. Schlindwein)

Bislang dürfen Gen-Pflanzen in Uganda nur für Versuche genutzt werden

Morris Latigo, Abgeordneter und Vorsitzender des Ausschusses, hat viele Jahre lang an dem Gesetzentwurf mitgearbeitet: "Wir haben unsere Arbeit getan und jetzt ist er zurück im Parlament zur Abstimmung." Das Gesetz soll die Einführung de sogenannten Grünen Gentechnik regeln: wer gentechnisch veränderte Pflanzen herstellen und anpflanzen darf, welche Lizenzen benötigt werden, welche Behörde diese Lizenzen vergibt und vieles mehr.

Hitzige Debatte unter den Wissenschaftlern

Im Zuge der Beratungen wurden zahlreiche Wissenschaftler zu Rate gezogen. Einer von ihnen ist Herbert Talwana. Er forscht an der staatlichen Makerere-Universität über Seuchen bei Nutzpflanzen und deren Bekämpfung. Talwana spricht sich für die Einführung von Genpflanzen aus: Derzeit müssten die Bauern bei Schädlingsbefall sehr viele Spritzmittel anwenden, um ihre Ernten zu retten, argumentiert er. Das sei bei gentechnisch veränderten Pflanzen anders: "So wie der Bauer derzeit seine Bananen anbaut, kann er auch die Genbanane anbauen - da gibt es keinen Unterschied."

Doch nicht alle Wissenschaftler, die den Parlamentsausschuss beraten haben, befürworten die Gentechnik. Gerigon Olupot, Spezialist für Bodenkultur, fordert, dass sich die Bauern auf traditionelle Landwirtschaft besinnen und kleinere Äcker mit vielen verschiedenen Nutzpflanzen anlegen. Denn die Schädlinge seien auch Folge der Monokulturen. Einfache Bewässerungssysteme seien preiswerter und risikoärmer als Dürre-resistente Genpflanzen, argumentiert Olupot. "Es wäre besser, gar kein Gesetz zu haben, als das, was jetzt auf dem Tisch liegt", sagt er."Was wir brauchen, ist ein Gesetz, das Regeln schafft und nicht die Einführung von Gentechnik erleichtert." Große internationale Firmen suchten nach neuen Märkten in Afrika, nachdem sich ihre Produkte in Europa nicht durchsetzen konnten, glaubt er. Für ihn ist klar: "Wir verwenden lieber Spritzmittel als auf veränderte DNA zu vertrauen, die in unserem Essen landet."

Uganda Biotechnologie Treibhaus (DW/S. Schlindwein)

Der Nutzen von Grüner Gentechnik ist international hoch umstritten

An diesem Mittwoch wurde der überarbeitete Gesetzesentwurf im Parlament zur Lesung eingebracht. Viele Vorschläge der Forscher wurden berücksichtigt, zum Beispiel die Kennzeichnungspflicht. Die Konsumenten könnten somit selbst entscheiden, ob sie die gentechnisch veränderten Produkte kaufen oder nicht. Wann das Parlament das Gesetz tatsächlich verabschieden wird, ist noch offen.

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