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Urbane Visionen: "un-built cities"

Julia Elvers13. Januar 2004

Seit den 1960er-Jahren wird die "Unwirtlichkeit" moderner Städte beklagt. Nun beschäftigen sich auch wieder junge Künstler mit der Stadt als urbanem Raum. Eine Ausstellung in Bonn zeigt ihre Ideen.

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Die Stadt im Blumenkübel - Installation von Isa MelsheimerBild: Julia Elvers

Annelie Pohlen, Kuratorin der Ausstellung "un-built cities" ("un-gebaute Städte"), beschäftigt sich schon lange mit dem Thema Stadt. In den 1980er-Jahren verfolgte sie die "Kunst am Bau"-Frage, später dann die Diskussionen um "Kunst im öffentlichen Raum". Grund genug für Pohlen, zum Ende ihrer Amtszeit Ende Januar 2004 die Themenausstellung "un-built cities" zusammenzutragen.

Städte seien im weitesten Sinne Kommunikationsorte, Vitalität spiele eine große Rolle, sagt die Direktorin des Bonner Kunstvereins. Doch das Leben verlagere sich immer mehr in Außenbezirke, die Kommunikation ginge verloren, ärgert sich Pohlen. Daher ist sie froh, dass sich junge Künstler seit Mitte der 1990er-Jahre wieder verstärkt mit dem Thema Stadt und Urbanität auseinandersetzen.

Lebensraum Stadt

Was heißt "Stadt" überhaupt? Welche Rolle spielt der soziale Gedanke im städtischen Lebensraum? Wie können wir die Stadt verändern? Alles Fragen, die nicht neu sind, gleichwohl aber immer noch eine Rolle spielen, meint Pohlen. Die mehr als 20 jungen Künstler, deren Arbeiten sie zusammengetragen hat, gehen auf unterschiedliche Weise der Frage nach, wie mehr Leben in die Stadt kommen kann und wie wir das städtische Leben wieder lebenswert machen können.

Modellversuche im Umgang mit der Stadt

Ob nun in Malerei, Fotographie, Zeichnung, Video, Rauminstallation oder Text - die Arbeiten in "un-built cities" schaffen ein Netzwerk von Aspekten. Pohlen ging es bei ihrer Auswahl um eine in die Zukunft weisende Vorstellung von Urbanität. Manche Werke bleiben dabei rein künstlerisch, andere beinhalten Vorschläge, die auch umgesetzt werden könnten.

Isa Melsheimer hat mit ihren Blumenkübeln Natur für Stadtvisionen umfunktioniert, denn Stadt und Land nähern sich immer weiter an, es gibt diverse Mischformen: Innenstädte suggerieren mit Blumenkübeln in den Fußgängerzonen heile Natur, und auf dem Land entstehen immer mehr Geschäfte, die man eigentlich nur in Städten erwartet.

Ausstellung un-built cities im Bonner Kunstverein
WorldWideWob von Pia LanzingerBild: Julia Elvers

Kristina Solomoukhas Installation "Losted" zeigt die einfachste Form eines Hauses vor einem Straßennetz. Behagliches Wohnen versus Infrastruktur, das eigene Heim als Leuchtturm in der Brandung des lauten Lebens.

Ausstellung un-built cities im Bonner Kunstverein
Losted von Kristina SolomoukhaBild: Julia Elvers

Pia Lanzinger hat mit "WorldWideWob" ein thematisches Gesellschaftsspiel in Monopoly-Art für die Stadt Wolfsburg entwickelt, bei dem die Spieler in die Rolle von Stadtplanern, Politikern oder Bürgern schlüpfen.

Jakob Kolding wirft in seinen Fotografien die Frage auf, ob so genannte Trabantenstädte nicht viel vitaler seien als die klassischen europäischen Städte. Er weiß aus eigener Erfahrung, dass Kinder Räume anders nutzen als Erwachsene und auch hässliche Plattenbauten für sich erobern, vielleicht eher als in manch bürgerlicher Wohngegend.

Ob kritisch, ironisch oder utopisch - die Werke in der umfangreichen Ausstellung "un-built cities" regen auf kreative Weise zum Nachdenken an über die Probleme, die das Leben in der Stadt mit sich bringt.