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Vielfalt der türkischen Kultur

Silke Bartlick5. September 2004

"Simdi now" war das bislang wohl größte türkische Kulturfestivals in Deutschland, das nun in Berlin zu Ende gegangen ist. Eine kulturelle Entdeckungsreise in ein vielfach noch unbekanntes Land.

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Tanztheater NefesBild: Simdi Now

Es ging um Theater, Kunst, Musik, Film und Literatur vom Bosporus. Das Programm des Festivals "Simdi now" (27.8. bis 5.9.2004) reichte von klassischen Konzerten bis zu moderner Clubmusik, von osmanischer Kunst bis zu Videoinstallationen. Zahlreiche Mitarbeiter verschiedener Berliner Kulturinstitutionen haben seit Monaten die Türkei und vor allem deren pulsierende Metropole Istanbul für sich entdeckt und sind ihrer Vitalität schier erlegen. Denn dass in der Stadt am Bosporus eine derart junge, lebendige und vielfältige Kulturszene zu Hause ist, hat sie alle überrascht.

"Europa war nicht neugierig genug, wollte nicht wissen, was in der Türkei wirklich los ist", meint Nilgün Mirze. Sie organisiert für die "Istanbul-Stiftung für Kultur und Kunst" seit Jahren internationale Festivals am Bosporus. Ihre Stiftung bringe Europas Kulturen in die Türkei, sagt sie, aber nie sei eines der beteiligten Länder an ihrer, der türkischen Kultur interessiert gewesen. Bis Mirze dann eines Tages Nikki Kawamura traf, eine blonde Berlinerin mit japanischem Namen und Wohnsitz in Kreuzberg - einem Berliner Bezirk, dessen Straßenbild Zehntausende zumeist aus ländlichen Regionen zugewanderte Türken seit rund 30 Jahren prägen. Mit traditioneller Kleidung, hierarchischen Familienstrukturen, mit Volksmusik und Döner Kebap.

Es gilt, "ganze neue Farben" zu entdecken

Drei unabhängige Partner, die "Istanbul-Stiftung für Kultur und Kunst", "Harrison Parrot Künstler- und Projektmanagement" aus London und die Berliner "Werkstatt der Kulturen" präsentierten nun in Berlin die türkische Musik- und Kulturszene in ihrer ganzen Bandbreite. Rund 270 Künstler waren an 20 renommierten Veranstaltungsorten mit Konzerten, Ausstellungen, Tanz- und Theaterabenden, mit Filmen und Lesungen zu erleben.

Andreas Freudenberg, Leiter der "Werkstatt der Kulturen", hat in der Türkei "ganz neue Farben" und "junge, neue Positionen" entdeckt, die auch Deutsche interessieren könnten. Das wirft für ihn die Frage auf: "Wie identifiziert sich Europa mit diesem Land? Wie identifiziert sich die Türkei mit Europa?" Eine Frage, die, so Freudenberg, die meisten türkischen Künstler für sich längst eindeutig beantwortet hätten. Denn sie sehen sich als Europäer und fühlen sich Europa verbunden.

Beitrag zum Dialog der Kulturen

Ferhan und Ferzan Önder Simdi Now
Ferhan und Ferzan ÖnderBild: presse

"Simdi now" - "Jetzt, gerade jetzt" - war das Berliner Festival zeitgenössischer türkischer Kultur überschrieben, bei dem nicht nur die Pop-Diva Sezen Aksu auftraten und die letztjährige Grand-Prix-Gewinnerin Sertab Erener, sondern auch herausragende Musikerinnen wie die Önder- und die Pekinel-Schwestern. Ihr Instrument, das Klavier, verbindet die klassische türkische Musik mit der westeuropäischen Klassik, die osmanische Sultane einst in die Türkei gebracht haben. Andere Künstler interpretierten die von der orientalischen Poesie beeinflussten Gedichte Goethes, begleitet von traditionellen osmanischen Instrumenten. Oder sie mischten spirituelle Sufi-Klänge mit Elementen zeitgenössischer elektronischer Musik.

Mit dem Festival "Simdi now" leisteten die Veranstalter einen wichtigen Beitrag zum Dialog der Kulturen. In Berlin, der Stadt mit der größten türkischen Bevölkerungsgruppe außerhalb der Türkei. Und im Idealfall, so Kawamura, trägt dieses Festival auch zu einem innerkulturellen Dialog bei, regt in Berlin lebende Türken zu einer Auseinandersetzung mit den Entwicklungen in ihrem Heimatland an.