Wirtschaft

Vom Rentnerrad zum trendigen Statussymbol

Was einst das Rentnerrad mit Trethilfe war, wird nun schick. Die neuen E-Biker sind jung, gutverdienend und legen Wert auf Design. Für sie ist das E-Bike eine Alternative zum Auto.

E-Mountainbike DW/Miriam Klaussner März 2012

Paul gibt Gas. Und zwar richtig. Er beschleunigt direkt aus der Kurve heraus und zieht lässig in seiner grellroten Jacke an den anderen Radfahrern vorbei. Und dabei kommt er noch nicht einmal außer Atem - bei den anderen Radlern auf dem Testparcour hingegen kullern schon ab und zu ein paar Schweißtropfen über die Stirn.

Von Null auf 25 Stundenkilometer

E-Bike-Tester Friedemann und Paul (re) DW/Miriam Klaussner März 2012

Zu "omahaft" finden die Schüler Friedemann (li) und Paul das gängige E-Bike

"Das ist einfach super", ruft der 15-jährige Paul lachend seinem Bruder Friedemann zu, der mit seiner Körpergröße aus der Zuschauerriege herausragt. "Ich habe den E-Antrieb voll angestellt, das gibt vielleicht Dampf!" E-Antrieb – das ist das Geheimnis, denn Paul testet gerade ein Pedelec, ein Elektrofahrrad. Mit einer Vollbremsung kommt er knapp vor seinem Bruder zum Stehen, steigt ab und drückt ihm das Bike in die Hand. Denn natürlich will auch Friedemann einmal sehen, wie es ist, wenn man innerhalb von kürzester Zeit von Null auf 25 Stundenkilometer beschleunigen kann. Mit einem E-Bike kein Problem. Beim Treten schaltet sich einfach der Elektromotor dazu und das gibt Schwung. Wieviel Leistung der Motor hinzugeben soll, kann man selbst an einem kleinen Kästchen auf dem Lenker einstellen. Je stärker man tritt, desto mehr Anschub bekommt man vom Elektormotor.

E-Bike – ein Omafahrrad?

E-Bike Steuerkästchen – hier stellt man ein, wie viel Anschub vom E-Motor kommen soll DW/Miriam Klaussner März 2012

Der "E-Bike-Bordcomputer" - hier stellt man ein, wieviel Antriebshilfe man vom E-Motor möchte

Friedemann hat die maximale Antriebshilfe eingestellt und flitzt im Zickzack durch die Halle der Fahrradmesse "Cycolonia" in Köln. "Der Motor unterstützt schon kräftig beim Treten", strahlt der Schüler. Dann fährt er sich durch die kurzen schwarzen Stoppelhaare, denkt kurz nach und meint: "Ich würde so ein Rad aber trotzdem nicht kaufen, weil es so 'omahaft' aussieht." Das Rad ähnelt schon sehr einem altmodischen Damenrad mit tiefem Einstieg und hohem Lenker. "Vor allem stört mich das Akkukästchen unter dem Gepäckträger, das sieht total sperrig aus", meint Paul. Rund vier Kilo wiegt der Akku – je nachdem wie viel Anschubhilfe man in Anspruch nimmt, hält eine Akkuladung 60 bis 100 Kilometer. Danach tauscht man den Akku aus – oder man lädt ihn vier Stunden auf.

Jung, stylisch, gutverdienend – die neuen E-Biker

E-Mountainbike DW/Miriam Klaussner März 2012

Ein "E-Fully" - ein vollgefedertes Mountainbike mit E-Motor gibt es für rund 7000 Euro

Gegenüber dem Testparcours steht ein knallig rotes Rad mit überdimensionaler Federgabel und breiten Reifen – daneben ein cremefarbenes Mountainbike  im Retrolook. Die beiden Jungs sind fasziniert. Dass auch dies E-Bikes sind, wollen sie nicht glauben. Denn den Akku sieht man auf den ersten Blick gar nicht.

"Das wäre schon was für mich, das ist stylisch", meint Friedemann. Das findet auch der Herr neben ihm mit der eleganten schwarzen Jacke. Er ist Versicherungskaufmann und auf der Suche nach einer Alternative zum Auto."Ich finde ein E-Bike kann ein Auto in der Stadt schon ersetzen. Man hat immer Antrieb, egal ob man eine Steigung hochfährt oder Gegenwind hat. Und man ist nicht verschwitzt, wenn man im Büro ankommt." Das sei für ihn ganz wichtig, lacht er, denn schließlich will er im Anzug zur Arbeit radeln und nicht in Sportklamotten. Und auf einem Bike, das cool aussieht.

E-Bike Händler Florian Dobner (li) DW/Miriam Klaussner März 2012

E-Mountainbikes - die Zielgruppe sind jung, gutverdiendend und stilbewusst.

Beim Stichwort "cool" mischt sich der Händler Florian Dobner ein. Er hat die stylischen E-Mountainbikes designed, und damit eine Marktlücke entdeckt. Über 200.000 E-Bikes werden in Deutschland pro Jahr gekauft – und zwar nicht mehr nur von Rentnern. Sondern mehr und mehr von jungen Eltern, die ihre Kinder im Radanhänger mitnehmen wollen. Oder eben Leute wie der Versicherungskaufmann. "Viele meiner Kunden wohnen in der Stadt, verdienen gut und nutzen das E-Bike statt eines Autos. Die wollen natürlich ein Bike mit Stil, eines das Eindruck schindet, das einen coolen Lifestyle verkörpert."

Parken – ein echtes Problem mit teuren E-Bikes

Lothar Könekamp, Bikeexperte und Initiator der Bikemesse „Cycolonia“ DW/Miriam Klaussner März 2012

"Wir brauchen diebstahlsichere Radboxen" sagt Radexperte Lothar Könekamp

Rund 3000 Euro kostet ein solches E-Mountainbike. Ein normales E-Bike gibt es ab circa 1500 Euro. Die Brüder Paul und Friedemann stöhnen. "Das ist absolut überteuert. Jugendliche wie wir können das gar nicht bezahlen." Der Versicherungskaufmann schon, und er findet den Preis in Ordnung. Schließlich spart er so ja Benzingeld, Parkgebühren oder die Autoversicherung.

Allerdings gibt es ein Problem – und das kennt der Versicherungskaufmann genauso gut wie die beiden Schüler: Teure Räder werden einfach geklaut, vor allem in der Stadt, vor allem nachts. "Das große Problem in der Stadt ist das Parken der E-Bikes", bestätigt Lothar Könekamp. Der Fahrradexperte und Mit-Initiator der Bikemesse Cycolonia steht ein paar Meter weiter, auch er ist umringt von glänzenden Luxus-E-Bikes. Doch der Experte hat dafür eine Lösung: Fahrradboxen, die sich die Leute vor die Tür stellen, wie eine Garage. "Das hört sich furchtbar an – aber ganz ehrlich – wenn man sich so manche Autos anschaut, die hier rumstehen, die sind auch alles andere als hübsch."

 In Köln könne man sich schon Radboxen an Straßenbahnhaltestellen mieten, rund 70 Euro koste das im Jahr. "Unser Problem ist nur: wir sind noch nicht so weit , dass wir sagen: Autoparkplätze – das Heiligste auf der Welt – werden als Fahrradparkplatz genutzt. Aber wenn das passiert, dann werden wir paradiesische Zustände haben."

Mit E-Bikes gegen die globale Erwärmung

Louis Palmer, organisiert die „E-Wave“ – eine E-Bike Tour von Berlin nach Köln. Ist mit dem Solartaxi einmal um die Welt. Preisträger „Champion of the Earth“ der UNO. DW/Miriam Klaussner März 2012

Louis Palmers Vision: E-Bikes ersetzen Autos in den Städten und werden zum Statussymbol

Eine solche Vision hat auch Louis Palmer, der Mann, der die Erde in einem Solartaxi umrundet hat und dafür von der UNO zum  "Champion of the Earth" gekürt wurde. In seinem grasgrünen Hemd lächelt er freundlich hinter seinem Stand hervor. Hinter ihm prangt ein Plakat: "E-Wave 2012" steht darauf. "Das ist mein neues Projekt", grinst Louis Palmer. Mit 200 E-Bikes von Berlin nach Hannover rollen. Um Aufmerksamkeit zu erzeugen. "Wir haben so ein großes Problem mit der globalen Erwärmung, mit Städten, die im Verkehr ertrinken. Das wird alles immer schlimmer. Das E-Bike ist eine so einfache Lösung. Kein Co2 Ausstoß, schnell, leise – und viel billiger als ein Auto." In der Schweiz und in den Niederlanden hätten sich die E-Bikes schon richtig gut etabliert. Und in China. "Dort ist das der absolute Megatrend ist. Es gibt über 120 Millionen elektrische Motorräder und Fahrräder in China."

Mit seiner "E-Wave" versucht Louis Palmer nun Mitfahrer zu finden, vor allem auch junge, wie die beiden Brüder Paul und Friedeman. Denn wenn Sie sich für die Bikes begeistern –auch für die schicken Modelle – dann könnte seine Vision Wirklichkeit werden: Das E-Bike würde das Auto in den Städten ersetzen. Und es könnte sogar zu einem neuen Statussymbol werden, davon ist der "Champion" überzeugt.

Autorin: Miriam Klaussner
Redaktion: Andrea Lueg

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