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Von gutem und bösem Ozon

Insa Wrede6. August 2003

Wegen zuviel Ozons wird Ozonalarm ausgerufen, der Mangel an diesem Gas lässt allerdings das Ozonloch wachsen. Das hört sich widersinnig an - DW-WORLD klärt auf.

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Bei flimmernder Hitze steigt die OzonkonzentrationBild: AP

Das Quecksilber im Thermometer steigt und steigt, das Atmen fällt schwerer und die Autos müssen in der Garage bleiben - Ozonalarm. Während Hitzewellen in Europa die Konzentration von Ozon steigen lassen, wünschen die Australier sehnlichst mehr Ozon herbei. Wegen des Ozonlochs müssen sie sich vor der Sonne unter Hüten und langärmeliger Kleidung verstecken. Warum ist aber Ozon mal unerwünscht und dann wieder doch nicht?

Ozonloch trotz Ozonalarm

Ozon ist eine Verbindung von Sauerstoffatomen mit Sauerstoff-Molekülen. Es entsteht auf natürlichem Weg überwiegend durch Einwirkung ultravioletter Strahlung auf den Luftsauerstoff in der Ozonosphäre, etwa 20 bis 35 Kilometer über der Erdoberfläche. Durch atmosphärische Transportvorgänge sinkt es in Spuren in erdnahe Schichten ab.

Natürlich gibt es kein "gutes" oder "böses" Ozon. Aber: Je nachdem in welcher Luftschicht sich Ozon befindet, ist es nützlich oder schädlich für Mensch und Umwelt. Ozon in Höhen von 12 bis 50 Kilometer filtert die Ultravioletten-Strahlung aus dem Sonnenlicht und schützt dadurch die Menschen vor Sonnenbrand. Gibt es dort oben zu wenig Ozon spricht man vom Ozonloch. Besonders auf der Südhalbkugel haben durch die intensive UV-Strahlung immer mehr Menschen Hautkrebs. Zu viel UV-Licht tötet aber auch beispielsweise Bodenbakterien, wodurch die Erde unfruchtbar werden kann. In diesen oberen Luftschichten ist also Ozon erwünscht.

Ozon in niedrigeren Luftschichten, bis in zwölf Kilometer Höhe, ist dagegen schlecht für Mensch und Natur. Sonnenstrahlen dringen durch die oberen Luftschichten zur Erde und werden dort reflektiert. Dann aber werden sie, anstatt sich im Weltraum zu verflüchtigen, von der Ozonschicht zurück zur Erde reflektiert. Dadurch wird die Erdatmosphäre weiter aufgeheizt. Die Folge: Es kommt zum gefürchteten Treibhauseffekt.

Schlecht für Pflanzen und Menschen

Als letztes gibt es noch das Ozon in Bodennähe, also bis in Höhen von 1,5 Kilometer. Dieses bodennahe Ozon reizt die Atemwege, verursacht Kopfschmerzen und kann sogar zu Asthma-Anfällen führen. Die Beschwerden sind allerdings nur vorübergehend. Sobald die Ozonkonzentration sinkt, verschwinden auch die Beschwerden. Zu viel Ozon ist auch schlecht für Pflanzen: Es verursacht Schäden an Blättern, hemmt das Wachstum und kann die Zusammensetzung von Pflanzengemeinschaften und Ökosystemen verändern.

In Deutschland leidet etwa jeder zehnte unter zu hohen Ozonwerten. Daher wird Ozonalarm ausgerufen, wenn es zuviel bodennahes Ozon gibt. In Europa wird die Bevölkerung ab einer Ozonkonzentration von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gewarnt.

Trotz Hitzewelle: Ozonalarm selten

Noch vor wenigen Jahren lösten Hitzewellen regelmäßig Ozonalarm aus. 1990 wurde insgesamt 310 Stunden, also fast 13 Tage, Ozonalarm ausgerufen, 2002 dagegen nur noch 19 Stunden. Obwohl Autoabgase zum großen Teil Ozon verursachen und das Verkehrsaufkommen permanent angestiegen ist, ist die Ozonkonzentration in Bodennähe gesunken. Der Grund: Immer mehr Autos fahren mit Katalysator und bei Feuerungsanlagen wurden bessere Filter eingesetzt.

Durch diese Maßnahmen kommt es zwar nicht so oft zu Ozonalarm, der durchschnittliche Jahreswert der Ozonkonzentration ist in den letzten zehn Jahren aber gestiegen. Schuld sind die umliegenden Länder. Bei ihnen gibt es im Sommer weiterhin sehr hohe Ozonkonzentrationen. Da sich die verschmutzte Luft aus dem Nachbarstaaten auf dem Weg nach Deutschland mit sauberer Luft mischt, werden in Deutschland zwar nicht so hohe Spitzenwerte gemessen, die durchschnitllichen Jahreswerte steigen aber.

Sommersmog keine Rettung für das Ozonloch

Unten zu viel Ozon und oben zu wenig. Schade, dass eine temperaturbedingte Sperrschicht den Austausch von bodennahem Ozon mit dem Ozon in Höhe des Ozonlochs verhindert. Das Ozonloch kann man also nicht mit dem Überschuss an bodennahem Ozon stopfen.