Rechtsextremismus in den USA

Wer sind die US-amerikanischen Rechten?

Gewehre, Hakenkreuze und Ku-Klux-Klan-Kapuzen: Der Aufmarsch in Charlottesville war seit langem der größte der gewaltbereiten rechtsextremen Szene in den USA. Diese ist sehr zersplittert. Ein Blick auf die Gruppen.

Nazi-Flagge bei einer rechtsradikalenDemonstration in Charlottesville (Foto: picture-alliance/NurPhoto/E.Molli)

Jason Kessler, ein 34-jähriger rechter Aktivist, wollte mit der Aktion in Charlottesville die einzelnen rechtsextremen Gruppen vereinen - nach dem Motto "Unite the Right". Unter diesem Motto ("Vereinigt die Rechte") traten dann - geschützt durch das Recht der Meinungsfreiheit - etliche der unterschiedlichen Gruppierungen gemeinsam auf. Vordergründig protestierten sie gegen den Abriss eines Denkmals des umstrittenen Bürgerkriegs-Generals Robert E. Lee, der Mitte des 19. Jahrhunderts die Südstaaten-Truppen im US-amerikanischen Bürgerkrieg anführte. So unterschiedlich ihre Wurzeln sind, in Charlottesville ging es ihnen gemeinsam jedoch vor allem um eines: um die weiße Identität in den USA. Nach Kesslers Angaben warb die Bewegung "Unity and Security for America" um diese Vereinigungen:

Ku Klux Klan

Als Reaktion auf die Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner formierte sich der 1865 erstmals aufgetretene Ku Klux Klan (KKK) in den 1960er Jahren neu. Auf das Konto der rechtsextremen Gruppe gehen zahlreiche Gräueltaten und Morde. Heute wird der KKK auf 5000 bis 8000 Mitglieder geschätzt. An dem Aufmarsch in Charlottesville nahm auch David Duke teil, einer der prominentesten amerikanischen Neonazis und ehemaliger KKK-Führer. Er forderte US-Präsident Donald Trump auf, sich "daran zu erinnern, dass es weiße Amerikaner waren, die ihm die Präsidentschaft ermöglichten, nicht radikale Linke". Kritiker kreiden Trump an, sich im Wahlkampf nicht deutlich genug von dem rechtsradikalen Hetzer Duke distanziert zu haben.

Ku Klux Klan und andere Gruppen demonstrieren im US-Staat Virginia (Foto: picture alliance/dpa/AA/abaca/S. Corum)

Rechtsradikale ziehen in Charlottesville in Ku Klux Klan-Manier mit Fackeln durch den Ort

Weiße Suprematisten

Anhänger der "White Supremacy", der weißen Vorherrschaft, sind überzeugt, dass es so etwas wie eine weiße Rasse gibt. Sie verwenden diesen Begriff synonym für Menschengruppen bestimmter Hautfarbe, Abstammung oder Zugehörigkeit. Weiße Suprematisten wie die "Aryan Nations" glauben fanatisch an die biologische Überlegenheit von Menschen europäischen Ursprungs. Sie sind davon überzeugt, dass die Weißen in einer multiethnischen Gesellschaft wie den USA an der Spitze der Hierarchie stehen.

Rechtsradikale bei Demonstrationen in Charlottesville (Foto: picture-alliance/ZUMA Wire/A. Lohr-Jones)

Anhänger der "Vanguard America" beim Aufmarsch in Charlottesville

In Charlottesville waren auch Suprematisten der Gruppierung "Vanguard America" (Avantgarde Amerikas) vertreten, erkennbar an schwarzen Schilden mit weißem Kreuz.

"Alt Right"- Bewegung

Relativ neu in der rechten Szene ist die sogenannte "Alternative Rechte". Die "Alt-Right"-Bewegung hetzt mit ihrem rassistischen Gedankengut gegen Linke und Minderheiten, gegen politische Korrektheit, Einwanderung, aber auch gegen traditionelle Konservative. Als Kopf der "Alt Right" gilt Richard Spencer, Leiter der rechtsradikalen Denkfabrik "National Policy Institute" (NPI). Spencer gründete 2010 das Online-Magazin "Alternative Right" und prägte damit den Begriff der Bewegung. Manche zählen auch das rechtspopulistische Meinungsmedium "Breitbart", das lange Zeit von Trumps Chefstrategen Steve Bannon geführt wurde, zu den Sprachrohren der Bewegung. Die "Alt-Right" ist eng verzahnt mit Suprematisten und Nationalisten, gibt sich aber oft bedeckter. Der "Alt-Right"-Bewegung werden Vernetzungen mit der ultrarechten "Identitären Bewegung" in Europa nachgesagt.

Nationalisten

Amerikanische Nationalisten stehen den Suprematisten nahe, unterscheiden sich aber in einer wichtigen ideologischen Komponente: Sie lehnen die Idee einer multiethnischen Gesellschaft ab. Ihr Ziel ist ein rein weißer Staat.

Rechtsradikale Demonstrationen in Charlottesville (Foto: picture-alliance/ZUMA Wire/A. Lohr-Jones)

Bewaffnete Rechtsradikale in paramilitärischer Uniform

Neonazis

Ihre Ideologie und Symbolik haben amerikanische Neonazis von den Nationalsozialisten übernommen. Adolf Hitler ist ihr Visionär, Vorbild und Held. Sie hetzen gegen Juden, Nicht-Weiße, Homosexuelle oder Behinderte. Ende der 1960er Jahre wurde eine amerikanische Nazi-Partei gegründet, sie hatte aber keinen Erfolg. Das National Socialist Movement (NSM) gilt als die größte Neonazi-Organisation der USA. Rechtsextremismus-Forscher bescheinigen den amerikanischen Neonazis enge Kontakte nach Deutschland. So soll der inzwischen verstorbene amerikanische Neonazianführer William Pierce sich häufig in NPD-Kreisen bewegt und auch auf NPD-Versammlungen gesprochen haben. Anders als in Deutschland sind Nazisymbole wie das Hakenkreuz, der Hitlergruß oder die braune Nazi-Uniform in den USA nicht verboten, sondern von der Meinungsfreiheit gedeckt.

Neo-Konföderierte

Den Neo-Konföderierten geht es um den "alten Süden".  Unter der Flagge der Konföderierten wollen sie zurück zu Geist und Leben der Südstaaten vor dem amerikanischen Bürgerkrieg. Sie sehen sich als Opfer des Nordens, der die Sklaverei abschaffte. Sie gelten als antidemokratisch, schwulenfeindlich und rassistisch. Ihr historischer Bezug unterscheidet sie ideologisch von anderen Rechtsextremen, es gibt jedoch auch Schnittmengen mit Suprematisten.

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