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Das Balafon

3. August 2010

Xylofon, Vibrafon, Marimba und Glockenspiel, all diese weltweit verbreiteten Instrumente haben einen gemeinsamen Urahnen, und der stammt aus Westafrika.

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Mann am Balafon(Foto: DW)
Das Balafon, Urvater aller StabspieleBild: DW

In der Sprache der Mandingo, die weite Teile Westafrikas bevölkern, bedeutet das Wort "Balafon" soviel wie "sprechendes Holz". Es existiert in diversen Größen, Formen und Stimmungen und ist als Marimba oder Xylofon auch in anderen Teilen Afrikas bekannt und beliebt. Es besteht aus einem Gestell, auf dem Holzleisten von unterschiedlicher Stärke und Länge befestigt sind, die dadurch verschiedene Tonhöhen ergeben. Zum Klingen gebracht werden sie mit Schlegeln, die einen Hartgummi-Kopf haben.

Aly Keita am Balafon (Foto: albaKultur/Birgit Ellinghaus)
Der Balafon-Virtuose Aly Keita aus MaliBild: albakultur

Das Balafon wird auf Partys oder Hochzeiten gespielt, in spirituellen Zeremonien dient es zur Kontaktaufnahme mit den Vorfahren, aber auch Informationen werden mit dem Balafon übermittelt. An diese Tradition knüpfen die Rundfunkstationen in verschiedenen Ländern Afrikas an, wenn sie die Nachrichten mit Balafon-Klängen einleiten und beenden.

Palisander, Früchte und Spinneneier

Der spezifische Klang eines Balafons hängt von der Holzsorte ab, aus der es gemacht wird; meistens wird Palisander verwendet. Dazu kommt der Klang der Kalebassen. Das sind getrocknete Schalen von großen Früchten, die wie bauchige Flaschen aussehen. Sie sind unter den Klangstäben angebracht und dienen als Resonanzkörper. Und es gibt noch eine dritte, mystische Komponente: Über Löcher in den Kalebassen werden mit Baumharz die Eiersäcke bestimmter Spinnen geklebt. Sie erzeugen eine leichte Verzerrung des Tons, die den typischen, schnarrenden Ton und seinen besonderen Charme ausmacht. Heutzutage verwendet man allerdings auch oft Zigarettenpapier.

Aly Keita (Quelle: albaKultur/Birgit Ellinghaus)
Aly Keitas Balafonspiel: spektakulär und einfach nur WeltklasseBild: albakultur

Das Geschenk eines Geistes

Sundiata, ein der deutschen Nibelungen-Sage vergleichbares Helden-Epos aus dem altafrikanischen Mali-Reich, erzählt, dass das erste Balafon überhaupt im 13. Jahrhundert das Geschenk eines Geistes an einen König war, der es seinem Griot überließ. Am Königshof von Sikasso im heutigen Mali gelangte die Kunst des Balafonspiels im 16. Jahrhundert zu einer ersten Blüte. Bis heute wird das Balafon in Westafrika vor allem von Griots gespielt, den Musikern, Geschichten-Erzählern und Bewahrern der Tradition.

Mit den Sklavenschiffen über den Atlantik

Mit den aus Afrika verschleppten Sklaven gelangte das Balafon im 16. Jahrhundert auch nach Amerika. Als "Marimba" kennt man es in Mexiko, Nicaragua und Kuba, in Ecuador, Peru und Brasilien. In Guatemala gilt die Marimba sogar als National-Instrument. Auch im südlichen Afrika gibt es Gebiete mit einer starken Balafon-Tradition, vor allem in Simbabwe, in Moçambique und in der südafrikanischen Region Western Cape um Kapstadt. Sowohl im südlichen als auch im westlichen Afrika wird das Balafon heute auch in der Popmusik eingesetzt, z.B. von Mory Kanté aus Guinea, der neben Kora auch Balafon spielt. Virtuos auch die Fusionen von westafrikanischer Tradition und Jazz, mit denen der aus Mali stammende Wahlberliner Aly Keita seit Jahren erfolgreich ist.

Autor: Wolfgang König

Redaktion: Matthias Klaus