Wie Künstler vom Weltraum träumen

Unendliche Weiten

Schon lange bevor Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betrat, haben sich Künstler mit Reisen ins Weltall beschäftigt. Darüber forscht die Gesellschaft für Kultur und Raumfahrt. Heute sind Science-Fiction-Helden wie der Perry Rhodan - Held einer deutschen Buchserie - Bestandteile der Popkultur. Die Geschichte der künstlerischen Beschäftigung mit der Raumfahrt begann in der frühen Neuzeit...

Das Tor zum Universum

Forscher wie Nikolaus von Kues, Kopernikus und Leonardo da Vinci stießen im Zeitalter der Renaissance das Tor zum Universum auf. Der italienische Philosoph Giordano Bruno (im Bild) ging - über Kopernikus hinausgehend - von der Unendlichkeit des Universums aus. Er betrachtete unser Sonnensystem als eines von vielen. Für seine Lehren wurde er im Jahr 1600 von der katholischen Kirche hingerichtet.

Mann auf dem Mond

Doch die Kirche konnte die Wissenschaft nicht unterdrücken. "Als Folge des neuen, heliozentrischen Weltbildes schrieben Forscher und Autoren die ersten Science-Fiction-Geschichten", sagt Marie-Luise Heuser von der Gesellschaft für Kultur und Raumfahrt. 1638 wurde der Roman "Man in the Moone" von Francis Godwin veröffentlicht. Mehr als 300 Jahre später wurde die Vision vom Mann auf dem Mond real.

Fantastische Utopien

Er beeinflusste sogar Raumfahrtpioniere: Der Franzose Jules Verne (1828-1905) dachte in Romanen wie "Von der Erde zum Mond" einige Erfindungen in der Raketentechnik voraus. Er gilt als Vater des technisch-utopischen Abenteuerromans und einer der Begründer der Science Fiction. Filmemacher griffen Geschichten wie "20.000 Meilen unter dem Meer" immer wieder auf.

Der erste Spielfilm

Im Jahr 1902 nahm sich ein Filmpionier der Raumfahrt an. Der erste Spielfilm aller Zeiten handelte von einer Reise zum Mond. Der Regisseur Georges Meliès orientierte sich dabei auch an Jules Vernes Ideen. Im Film reisen Astronauten in einer Kapsel zum Mond und landen schließlich im Auge des "Mondgesichts". Szenen aus dem Film wurden später immer wieder zitiert.

Das schwarze Quadrat

Dieses Bild ist eine der Ikonen der modernen Kunst. Der russische Maler Kasimir Malewitsch schuf "Das schwarze Quadrat" 1914/1915. Doch was hat das mit dem Weltraum zu tun? "Abstrakte Kunst war für Malewitsch auch das erste Zeugnis einer außerirdischen Sichtweise", so Expertin Marie-Luise Heuser. Dahinter stand die Idee einer Abgehobenheit vom Materiellen - hin zu einer fast religiösen Ruhe.

Raketenfieber

Wissenschaftler suchen auf der "dunklen Seite des Mondes" nach Bodenschätzen: Der Stummfilm "Frau im Mond" von Regie-Legende Fritz Lang löste 1929 eine Welle der Begeisterung für die Raumfahrt im Deutschland der Weimarer Republik aus. Der Weltraum wurde zu einem neuen Experimentierfeld. Doch der Zweite Weltkrieg machte Hoffnungen auf reale Mondfahrten vorerst zunichte.

Die Abenteuer der Enterprise

"Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200." So beginnt die US-Kultserie "Star Trek", der Inbegriff für Science Fiction im Fernsehen. Flaggschiff der Serie war das Raumschiff USS Enterprise. "Star Trek" lief in den 1960er Jahren. Nach der Mondlandung 1969 wurde die Crew der Enterprise um Captain Kirk zum popkulturellen Phänomen.

Das Ufo-Haus

Auch die Architektur verarbeitete utopische Ideen aus der Science Fiction. Dazu gehört das Futuro-Haus. Der finnische Architekt Matti Suroonen entwickelte das Ufo-artige Rundhaus 1968. Der weltraumbegeisterte deutsche Künstler Charles Wilp ließ eine der Mini-Einraumwohnungen auf das Dach seines Hauses montieren. Heute steht es im Museum im westfälischen Witten.

Kunst aus Meteoritenstaub

Die deutsche Künstlerin Ulrike Arnold holt den echten Weltraum auf die Erde - und benutzt ihn für ihre Kunst. In ihren Bildern verarbeitet sie kosmisches Material: Ein amerikanischer Forscher beliefert sie mit schimmerndem Meteoritenstaub. Manchmal vermischt die Düsseldorferin ihn mit Sand aus dem Rhein - dann verbinden sich, wie in diesem Tryptichon, Himmel und Erde.

Kunst in der Schwerelosigkeit

Seit etwa zehn Jahren häufen sich künstlerische Ideen, den Weltraum kulturell zu nutzen. Das slowenische Künstlerkollektiv Delak entwickelte zum Beispiel die Idee des "Postgravityart", der Kunst in der Schwerelosigkeit. Momentan zeigen die Künstler ihre Ideen für künstlerische Satelliten, so genannte "Umbots" (siehe Bild), im Freien Museum Berlin. Doch ihre Pläne gehen noch viel weiter...

Theaterprojekt über 50 Jahre

Nach Plänen des Raumfahrtvisionärs Hermann Noordung (1892-1929) baute Delak in Slowenien das Kulturzentrum für europäische Raumfahrttechnologien. Ziel: Künstler ins All schicken. Im Theaterprojekt "Noordung 1995-2045" haben die Künstler das schon vorgedacht: Alle zehn Jahre gibt's eine Aufführung, die letzte soll im Weltraum stattfinden. Stirbt ein Künstler, wird er durch eine Melodie ersetzt.

Die Mondgänse

Die Londoner Kunstorganisation "The Arts Catalyst" beschäftigt sich kritisch mit der Wissenschaft. Dazu gehört das Projekt "Moon Goose Analogue" der Künstlerin Agnes Meyer-Brandis. Sie orientierte sich an der frühen SciFi-Geschichte "Man in the Moone" (1639, Bild 3), in der ein Transporter von "Mondgänsen" gezogen wird. Für die Installation züchtete sie elf Gänse und benannte sie nach Astronauten.

Musik im Ufo-Bahnhof

Der Kölner Komponist und Musiker Rochus Aust hat ebenfalls ein Faible fürs Kosmische. Mit seinem Ensemble Re-Load Futura (im Bild) ist er aktuell auf Welttournee. Das Projekt "Export Cars to Mars?" bietet experimentelle Musik und spezielle Reize für die Augen - zum Beispiel im zum Atelier und "Ufo-Umsteigeplatz" umgebauten Bahnhof in Scheven in der Eifel.

Lange bevor Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betrat, haben sich Künstler mit Reisen zu den Sternen beschäftigt. Heute verarbeiten Maler kosmisches Material und Weltraumkünstler planen Performances im All.