Kultur

Wie Kulturschaffende mit der AfD umgehen

Vor allem im ländlichen Sachsen hat die AfD bei der Bundestagswahl Spitzenwerte erzielt. In Städten wie Pirna oder Görlitz setzt man auf die verbindende Kraft von Theater - und bezieht Kinder und Jugendliche mit ein.

Deutschland Skulptur «Monument» in Dresden (picture alliance/dpa/S. Kahnert)

Für Jutta Böhmer vom Theaterpädagogischen Zentrum "Die Theatermacher" in Pirna ist eine starke AfD in Sachsen nichts Neues. Schließlich hatte die Partei hier schon bei den Landtagswahlen über 20 Prozent geholt. "Hier war früher auch die NPD stark und dann kamen die ganzen Pegida-Anhänger." Pegida ist eine rechtspopulistische Bewegung, die sich in einigen Städten montagabends trifft, um zu demonstrieren. Die Arbeit des Theatervereins aber sei durch Pegida und Co. nicht beeinträchtigt, so Jutta Böhmer. Pirna gehört zum Wahlkreis 158 Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Hier hat die ehemalige Sprecherin der AfD Frauke Petry mit 37,4 Prozent der Erststimmen das Direktmandat geholt. 

Stadtansicht über das sächsische Pirna (picture-alliance/Bildagentur-online/F. Exss)

Pirna in Sachsen

Der knapp 39.000 Einwohner zählende Ort Pirna gilt als Tor zur sächsischen Schweiz und liegt im malerischen Elbtal zwischen Dresden und Elbsandsteingebirge. Die Ausländerquote ist mit 1,25 Prozent verschwindend gering. Dennoch ist die Angst vor Menschen aus anderen Kulturkreisen und besonders vor Flüchtlingen groß.

Kinder aus sozialen Brennpunkten gehören längst zur Zielgruppe des Theater-Vereins. "Wir haben auch Kinder aus Flüchtlingsfamilien in den Gruppen, dann kann man sich austauschen und Verständnis entwickeln. Die Kinder tragen das in ihre Familien und die tragen es in die Stadt", sagt Böhmer.

Schwer an AfD-Wähler ranzukommen

Auch die Dresdner Symphoniker setzen bei Jüngeren an, um der rechtspopulistischen AfD in Sachsen etwas entgegenzusetzen. Intendant Markus Rindt ist als Jugendlicher aus der DDR nach Westdeutschland geflohen und kehrte später als erfolgreicher Musiker nach Dresden zurück. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig der frühe Kontakt schon als Kind oder als Jugendlicher mit fremden Kulturen ist. "Ich bin in der DDR aufgewachsen und fast nie aus diesem Land herausgekommen. Der Kontakt mit der Welt, mit Menschen, die in anderen Ländern leben, oder auch Migranten, den hatten wir nicht."

Deutschland Markus Rindt Dresdner Sinfoniker in Dresden (picture-alliance/dpa/A. Burgi)

Der Intendant der Dresdener Sinfoniker Markus Rindt

Deshalb sei es auch so schwer, die Erwachsenen, die sich in ihrem politischen AfD-Weltbild eingemauert hätten, für Musik aus aller Welt zu begeistern. Da seien auch sie als international renommiertes Orchester gescheitert, sagt Rindt im DW-Interview. "Ich denke, dass es vor allem wichtig ist, an die jungen Leute heranzukommen. Es ist sehr, sehr schwer, diese Menschen, die zu den Wählern der AfD gehören oder Pegida-Anhänger sind, durch unsere Kulturprojekte zu erreichen. Sie kommen einfach nicht in unsere Konzerte." 

Versucht hat Markus Rindt es trotzdem. Er hat spezielle Schulprojekte entwickelt, die versuchen, Kinder aus allen politischen und gesellschaftlichen Lagern zu integrieren, stieß dabei aber auf Hindernisse, als den Eltern klar wurde, dass ein international besetztes Orchester die Schüler dabei begleiten sollte: "Daraufhin gab es einige Kinder - offensichtlich von Pegida-Eltern - denen dann verboten wurde, da mitzumachen." Die Geschichte ging glücklich aus. "Am Ende haben wir es doch geschafft, sie einzubinden und die gesamte Klasse für dieses multikulturelle Orchesterprojekt zu begeistern."

Sorgen in Görlitz

Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau (picture-alliance/dpa/A. Burgi)

Das Gerhart-Hauptmann-Theater vertritt Freiheit und Toleranz

Die Stadt Görlitz liegt direkt am Dreiländereck Tschechien, Polen und Deutschland. Auf 55.000 Einwohner kommen derzeit etwa 1.400 Flüchtlinge. Die AfD hat hier knapp 33 Prozent der Wählerstimmen erreicht. Die östlichste Stadt der Republik lockt Besucher mit zahlreichen Kulturangeboten. Neben vielen Museen ist auch das Gerhart-Hauptmann-Theater in Görlitz-Zittau ein kultureller Anlaufpunkt.

Unterstützt wird das Theater - wie viele Kultureinrichtungen in Sachsen  - vom sächsischen Kulturraumgesetz: Alle Kommunen und Gemeinden in Sachsen sind zu einer Kulturraumabgabe verpflichtet. Mit diesem Geld werden die kulturellen Institutionen des Landes gefördert. Dieses Gesetz wird vom Bund nicht berührt, daher besteht zunächst keine Sorge, dass eine starke AfD die Vergabe der Gelder beeinflussen könnte. Falls die Rechtspopulisten allerdings im nächsten Landtag stärkste Kraft werden, könnte es anders aussehen, befürchtet Klaus Arauner, Generalintendant am Gerhart-Hauptmann-Theater.

Theaterintendant Klaus Arauner (picture-alliance/dpa/O. Killig )

Theaterintendant Klaus Arauner

Doch das ist nicht seine Hauptsorge. Er möchte es schaffen, die Menschen wieder mit ins Boot zu holen. "Unsere Kernbotschaften sind geprägt von einer humanistischen Grundhaltung, von Menschlichkeit, Toleranz, sozialer Gerechtigkeit und solidarischem Miteinander. Das sind alles Botschaften, die ich in den Reden der AfD nicht finde. So ist jede unserer Produktionen etwas, das sich dem rechten Geist widersetzt." Vielleicht müsse man das noch intensiver vermitteln, so Arauner.

Markus Rindt: "Wir sitzen alle in einem Boot"

In Dresden, wo Markus Rindt inzwischen zu Hause ist, leben rund 542.000 Einwohner, der Ausländeranteil in der sächsischen Landeshauptstadt liegt bei 6,75 Prozent. Die AfD ist in Dresden zweitstärkste Kraft hinter der CDU geworden. Als Intendant sieht Markus Rindt nicht nur bei den Musikern des Symphonie-Orchesters eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Alle Kunstvermittler - ob in Görlitz, in Pirna oder in Dresden - säßen in einem Boot. "Wir Künstler müssen es schaffen, die Menschen im Osten mit diesen anderen Kulturen zusammenzubringen. Wir müssen anfangen bei Vermittlungsprojekten, und versuchen, die Kinder hier in Dresden zu erreichen – vor allem die Kinder von Wählern, die eher rechts wählen. Wenn man nicht dagegen angeht, dann wird es nur noch schlimmer."

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