Wie man Steuergeld verschwendet

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Wenig Aussicht für viel Geld

Der Ort Brakel an der Brucht hat eine Aufstiegshilfe für Fische angelegt. Um Spaziergängern die Aussicht auf das Naturschauspiel zu erleichtern, baute die Stadt zusätzlich eine Aussichtsplattform - von der aus man ebenso viel sieht wie vom Ufer. Da sind selbst die rund 6000 Euro, die die stählerne Plattform "nur" gekostet hat, zu teuer.

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Fehlende Verhandlungsgrundlage

Der neue Hochsicherheitsgerichtssaal der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim wurde im September 2016 als Vorzeigeprojekt eröffnet. Der vorsitzende Richter erklärte ihn jedoch am ersten Prozesstag für verhandlungsuntauglich. Der Grund: Es gab nicht ausreichend Toiletten. Nur sechs Einzelzellen verfügten über ein eigenes WC - es gab aber zehn Angeklagte.

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Teurer Spaziergang

Für das neue Quartier "Europacity" nördlich des Berliner Hauptbahnhofs hatte sich das Land Berlin verpflichtet, eine Fußgängerbrücke über den Spandauer Schiffsfahrtskanal zu bauen. Für die Umsetzung schrieb sie einen Wettbewerb aus - die für die Siegerbrücke veranschlagten 1,8 Millionen Euro werden allerdings wegen Fehlkalkulationen um rund eine Million Euro steigen.

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Das Parkhaus ist da, aber wo sind die Autos?

Ein seltenes Problem: Im niedersächsischen Winsen gibt es zu viele Parkplätze. Diese hatte die Stadt in Bahnhofsnähe gebaut, um Pendlern das Bahnfahren zu erleichtern. Seit April ist das Parkhaus fertig: 534 Pkw- und 294 Fahrradstellplätze - offenbar zu viele, denn sie stehen überwiegend leer. Und das nach neun Monaten Bauverzögerung und fast 11 Millionen Euro Kosten.

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Schwarzbau im Vogelschutzgebiet

Eine zwei Kilometer lange Umgehungsstraße an der Nordseeküste sollte das ostfriesische Bensersiel entlasten. Schon vor Baubeginn wiesen Naturschützer auf das Vogelschutzgebiet hin, durch das die Straße verlaufen würde. Die Stadt trickste - mit der Folge, dass der Eigentümer der Fläche gegen den acht Millionen Euro Bau klagte und gewann. Seitdem gilt die Straße als Schwarzbau: Ihr droht der Abriss.

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Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen

Die Stadt Hameln wollte per Gutachten schutzwürdige Bäume im ländlichen Umkreis ermitteln lassen. Rund 8500 Euro für knapp 550 Bäume planten die Behörden ein. Unglücklicherweise vergaßen sie dabei, dass nicht weniger als 16.000 Bäume vorbegutachtet werden müssen, bevor sich die schützenswerten unter ihnen herausstellen lassen - ein rund 130.000 Euro teurer Irrtum.

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Endlosbaustelle für Millionenbetrag

Der Rendsberger Tunnel unter dem Nord-Ostsee-Kanal wurde 1957 gebaut - drei Jahre lang. Rund 30 Millionen Euro kostete er damals. Seit 2007 muss er grundsaniert werden. Wegen einer Vielzahl an Baumängeln und Streitereien zieht sich die Baustelle jetzt schon über zehn Jahre - und kostet dabei mehr als 70 Millionen Euro. Noch nicht einberechnet sind Kosten durch Sperrungen, Umleitungen und Staus.

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Büro ohne Boden

Stillstand auf der Baustelle des Marie-Elisabeth-Lüders-Haus im Regierungsviertel Berlin-Mitte. Der Grund: Eine undichte Bodenplatte, durch die Feuchtigkeit eindringt und die bereits jetzt eine Sanierung des Gebäudes erforderlich macht - bevor es überhaupt fertiggestellt wurde. Eröffnungstermin hätte eigentlich 2014 sein sollen. Geschätzte Mehrkosten: 46,6 Millionen Euro.

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Aus alt mach Kunst

Unter dem Motto "Zeitenwandel" soll in Oberursel bei Frankfurt eine 400 Jahre alte Linde in Szene gesetzt werden. Ausgewählt wurde ein Entwurf, bei dem der sterbende Baum von einer glaslosen Vitrine eingerahmt wird. Bei dem 77.000 Euro teuren Projekt sollen Lesungen stattfinden. Fraglich bleibt, ob der abgelegene Standort in der Nähe der A661 viele Gäste anzieht.

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Kostspielige Alternative

Nachdem mehrere Elbe-Hochwasser einen Tunnel in Dresden überfluteten, entschied sich die Stadt gegen eine Instandsetzung (Kostenpunkt 300.000 Euro) und für eine Verfüllung mit Beton inklusive oberirdischer Ampeln (rund 650.000 Euro), die aus dem Aufbauhilfefonds 2013 finanziert wurde.

Parkhaus ohne Autos, Straße ohne Genehmigung, Haftzellen ohne Toiletten - drei von vielen Fehlinvestitionen, die der Bund der Steuerzahler in seinem diesjährigen Schwarzbuch zur "Öffentlichen Verschwendung" anprangert.