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"Wir bleiben Papst!"

Bernd Riegert27. Februar 2013

Ein letztes Servus für Joseph Ratzinger, den Papst aus Bayern. Dafür sind seine Fans aus Deutschland zum Petersplatz in Rom gepilgert, um die letzte Generalaudienz von Benedikt XVI. zu erleben.

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Cornelia Engelhardt, Fürth, (links) und Tobias Eichinger, Nürnberg, (rechts) nehmen am letzten Angelus-Gebet des scheidenden Papstes teil. Sie sind aus Verbundenheit mit dem bayrischen Papst aus Bayern angereist. *** Aufgenommen am 24.02.2013 Petersplatz, Vatikan, Rom, Italien. Foto: Bernd Riegert DW. Alle Rechte.
Bayrische Papstfans Angelus-Gebet in RomBild: DW/B. Riegert

Joseph Ratzinger mag bayerische Blasmusik - also wird er zum Ausklang seiner Amtszeit zünftig von einer Trachtenkapelle aus Traunstein verabschiedet. Nicht nur die Blaskapelle, sondern etliche Bayern mehr wollten dem Papst am Mittwoch (27.02.2013) ebei seiner letzten Generalaudienz Servus sagen. Schon seit Tagen strömten die Pilger aus Deutschland nach Rom.

"Wir haben auch ein Banner dabei, da steht drauf: Bayern bleibt Papst. Also, auch wenn er am 28. Februar dann abtritt, bleibt er für uns in Bayern ganz ganz wichtig", erzählt Tobias Eichinger, der mit Freundin Cornelia aus Nürnberg angereist ist (Artikelbild). Er hat eine Bayernfahne um die Schultern gelegt, als er am Sonntag (24.02.2013) Benedikt XVI. kurz beim Angelus-Gebet erlebt. Da zeigt sich der Papst für 15 Minuten am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast am Petersdom.

Eichingers Freundin Cornelia Engelhard teilt die Leídenschaft für den Papst. Ja, sie sei schon gläubig, und den Papst zu sehen sei auch immer ein tolles Erlebnis. "Also, wenn man so denkt: Es gibt auf der ganzen Welt Katholiken, aber der Papst kommt ausgerechnet aus Bayern. Wir waren auch schon an seinem Geburtshaus. Das ist schon faszinierend, etwas Besonderes", sagt Cornelia Engelhard.

Maria Gretzbach aus Münster besucht das letzte Angelus-Gebet von Papst Benedikt XVI. Sie ist gläubige Katholikin, die mit der Gebetsstätte Heede im Emsland verbunden ist. Sie hält ein Plakat "Deutschland dankt dem Heiligen Vater" (Foto: Bernd Riegert / DW)
Deutschland grüßt seinen Papst: Maria Gretzbach vor dem PetersdomBild: DW/B. Riegert

Grüß Gott Papst!

Helmut Jawurek hat eine zweieinhalb Meter breite Flagge des Freistaates Bayern an einem Teleskop-Fahnenmast befestigt. Die schwenkt er jetzt hoch über den Köpfen der anderen Pilger auf dem Petersplatz. Er ist ganz sicher, dass der Papst die Bayernfahne wahrnehmen wird. "Wir wollen dem Papst zum Abschied 'Grüß Gott' sagen. Uns verbindet mit dem Papst, dass wir aus der gleichen katholischen Studentenverbindung in Regensburg kommen. Da habe ich ihn auch kennen gelernt", sagt der CSU-Politiker und ehemalige Bundestagsabgeordnete Helmut Jawurek. Als er die Nachricht von der Abdankung hörte, sei er schon ein wenig traurig gewesen, so Jawurek. "Und jetzt sagen wir Servus, denn er kommt ja nicht mehr nach Bayern."

Der nächste Papst ist auch toll

Papst-Fan Tobias Eichinger fände es toll, wenn Joseph Ratzinger als Papst im Ruhestand noch einmal zum Beispiel nach Regensburg käme, um seinen älteren Bruder Georg zu besuchen. "Das würde nicht nur ich begrüßen, sondern das würden Tausende von Katholiken in Bayern begrüßen, aber ich glaube, schon aus Sicherheitsgründen ist das wohl nicht realistisch." Sieben Mal hat Tobias Eichinger seinen bayerischen Papst immerhin schon live erlebt. Wird er das nächste Oberhaupt der Katholiken, das garantiert nicht aus Bayern oder Deutschland stammt, trotzdem toll finden? "Na, klar, wir sind auch vom nächsten Papst begeistert. Mein Glaube steht und fällt ja nun nicht mit dem Papst. Nichtsdestotrotz sind wir doch stolz, dass wir den Benedikt haben."

Neben der kleinen bayerischen Gruppe auf dem Petersplatz singen sich Priester aus Mexiko ein. Ein Dutzend Gottesmänner bringt dem Heiligen Vater mit kleinen Gitarren und einem Akkordeon ein Ständchen. Begeistert singen die umstehenden Pilger mit. Einige Nonnen wippen im Takt auf und ab. Ein paar Meter weiter feiert ein französischer Jugendchor. Polnische und brasilianische Flaggen werden geschwenkt und immer wieder große Plakate mit "Danke Benedikt" in diversen Sprachen. Die internationale Atmosphäre und Begeisterung auf dem riesigen Petersplatz findet Maria Gretzbach toll. "Ich freue mich, dass hier die Menschen alle so spontan herkommen. Man merkt, dass sich Gemeinden auf den Weg gemacht haben und noch einmal Danke sagen wollen. Das finde ich sehr schön, dass das Volk einfach hier ist."

Helmut Jawurek, Neumarkt in der Oberpfalz (rechts), CSU-Mitglied, ehemaliger Bundestagsabgeordneter, besucht zusammen mit Claudia Gerhard, Neumarkt (links) das letzte Angelus-Gebet des scheidenden Papstes mit einer riesigen Bayern-Fahne. "Wir sagen Servus und danken für ein gutes Pontifikat". *** Aufgenommen am 24.02.2013 Petersplatz, Vatikan, Rom, Italien. Foto: Bernd Riegert DW. Alle Rechte.
Zünftig Servus sagen: Helmut Jawurek (re.) hat die Bayernfahne gehisstBild: DW/B. Riegert

"Ich war auch traurig"

Maria Gretzbach ist aus der Nähe von Münster angereist, also nicht aus Bayern. Sie hat eine große Deutschland-Fahne und ein selbst gemaltes Plakat dabei, das sie mit einer Freundin hochhält. Dass der Papst aus Deutschland kam, ist für Maria Gretzbach etwas Besonderes gewesen. Er habe auch den Glauben gestärkt. "Wir wollen ihm gerne Danke sagen für das Pontifikat, dass er wirklich sein Leben gegeben hat für die Kirche, für alle Worte, die er uns gesagt hat. Danke dafür, dass er uns immer wieder auf Gott hingewiesen hat, von Gott gesprochen hat. Und dass er eben auch darüber gesprochen hat, wie die Menschen heute sind", so Maria Gretzbach. Sie fühlt sich besonders dem Wallfahrtsort Heede im Emsland verbunden, wie auch auf ihrem Plakat zu lesen steht. Die überraschende Entscheidung Benedikts XVI., als erster Papst seit mehr als 700 Jahren in den Ruhestand zu gehen und nicht im Amt zu sterben, kann sie verstehen: "Ich war erst erschrocken und auch traurig, fand es sehr schade, dass er das Amt aufgibt. Aber ich habe auch viel Respekt empfunden vor dieser Entscheidung, weil er jetzt selbst eingeordnet hat, wie weit er kann und wie weit er nicht kann."

Beten für den nächsten Papst

Fahnenträger Helmut Jawurek aus Neumarkt in der Oberpfalz findet die Entscheidung des Papstes im Prinzip richtig. Auch dem nächsten Pontifex, der im März vom Konklave der Kardinäle nicht weit vom Petersplatz in der Sixtinischen Kapelle gewählt werden wird, will Helmut Jawurek die Treue halten: "Ich bin überzeugt, es wird wieder ein guter Papst werden. Die katholische Kirche ist eine Weltkirche und da spielen Nationalitäten keine große Rolle, sondern eher eine emotionale Rolle. Und da haben wir Bayern natürlich zum Papst eine emotionale Bindung", meint Jawurek. "Wir beten, dass wir einen guten Papst kriegen und dann geht das sicher gut weiter."

Pope Benedict XVI waves as he leads his last Sunday Angelus prayer before stepping down in Saint Peter's Square at the Vatican February 24, 2013. REUTERS/Alessandro Bianchi (VATICAN - Tags: RELIGION TPX IMAGES OF THE DAY)
Letzter Auftritt am Mittwoch: Benedikt XVI.Bild: Reuters

Priestermangel in der katholischen Kirche, die Vatileaks-Affäre, der Rücktritt eines Kardinals, der sexuellen Missbrauch verübt haben soll, und all die anderen kleinen und großen Skandale werden von den Pilgern auf dem Petersplatz nicht diskutiert. Das könne man später zuhause wieder tun. Sie wollen ungestört "Danke" sagen. "Wir wollen unserem Heiligen Vater, der einer von uns ist, noch einmal alles Gute wünschen auf diesem Weg", so Tobias Eichinger.

Am Mittwoch kamen dann auch Zehntausende Pilger und Schaulustige zur Generalaudienz, die wegen des großen Andrangs von der sonst im Winter genutzten Audienz-Halle auf den Petersplatz verlegt wurde. Schon seit Tagen wächst die Zahl der Pilger in Rom immer weiter an. Medienvertreter und Hotelbesitzer bereiten sich auf das anstehende Konklave vor. Die einen bauen Kameras auf, die anderen erhöhen die Preise.