1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Pistorius unter Druck

3. März 2014

Im Mordprozess gegen Südafrikas Sportstar Oscar Pistorius hat die erste Zeugin ausgesagt. Sie widersprach der Schilderung des beinamputierten Athleten vom gewaltsamen Tod seiner Freundin vor einem Jahr.

https://p.dw.com/p/1BImC
Oscar Pistorius (Foto: Reuters)
Bild: Reuters

Sie habe in der Tatnacht zunächst Schreie eines Mannes, dann einer Frau und danach vier Schüsse gehört, erzählte Michelle Burger als erster von insgesamt 107 Zeugen im Mordprozess gegen ihren Nachbarn, den Behindertensportler Oscar Pistorius. Er soll seine Freundin Reeva Steenkamp nach einem Streit in seiner Villa vorsätzlich durch die geschlossene Badezimmertür erschossen haben. "Sie schrie furchtbar und rief um Hilfe", berichtete Burger, die nach eigener Aussage gegen drei Uhr morgens vom Lärm nebenan erwacht war. Sie habe den Eindruck gehabt, dass sich die Frau in Lebensgefahr befunden habe. Zwischen den Schüssen habe es später eine größere Pause gegeben. Die Nacht des 14. Februar 2013 sei "sehr traumatisch" gewesen.

Auch nach dem zweistündigen Kreuzverhör des Pistorius-Verteidigers Barry Roux änderte die Wirtschaftsprofessorin kein Detail ihrer Aussage. Sie gab lediglich an, sie habe zunächst einen Überfall auf das Haus des Sportlers vermutet. "Ich wusste, dass etwas Schreckliches passieren würde." Das Schlafzimmer der Zeugin liegt genau 177 Meter von Pistorius' Haus entfernt. Die Verteidigung zweifelt an der Glaubwürdigkeit der Zeugin. Ihr Mann habe nach der Tat von fünf oder sechs Schüssen gesprochen, sagte Verteidiger Roux. Doch die Zeugin entgegnete, sie spreche nicht im Namen ihres Mann, obwohl dieser ebenfalls "ehrlich" sei.

Mordprozess gegen Oscar Pistorius

Pistorius plädiert auf "nicht schuldig"

Der südafrikanische Paralympics-Star Pistorius beteuerte zum Auftakt der Verhandlung seine Unschuld. Mit schwacher Stimme antwortete der 27-Jährige "nicht schuldig" auf die Aufforderung von Richterin Thokozile Masipa nach einer Stellungnahme. Der Medienrummel um den Prozess ist gewaltig. Er soll wegen des riesigen öffentlichen Interesses zeitweise live im Fernsehen und Radio übertragen werden. Rund 300 Journalisten aus aller Welt verfolgten Pistorius, der an beiden Unterschenkeln amputiert ist, wie er mit gesenktem Kopf den Gerichtssaal betrat. Laut Anklage wird ihm nicht nur die "illegale und vorsätzliche Tötung" seiner Freundin vorgeworfen, sondern auch das Tragen und der Einsatz verbotener Waffen.

Pistorius hatte bisher stets behauptet, er habe in der Tatnacht vor mehr als einem Jahr keinen Streit mit seiner Freundin Steenkamp gehabt. Er habe im Bett gelegen und ferngesehen. Seine Freundin habe Yoga gemacht. "Wir haben uns geliebt und waren glücklich", sagte Pistorius. Er sei dann auf dem Balkon gewesen, als er im Badezimmer Geräusche gehört habe. Dann habe er seine Waffe gegriffen und die Schüsse kurz hintereinander abgefeuert. Er habe einen Einbrecher vermutet - nicht das blonde Mannequin. Es sei ein "tragischer Unfall" gewesen, so Pistorius.

Schuldig oder nicht?

Im Falle eines Schuldspruchs droht dem Sprintstar eine Haftstrafe von bis zu 25 Jahren. Für den Prozess sind zunächst 15 Verhandlungstage angesetzt. Da es keine Tatzeugen gibt, handelt es sich um einen reinen Indizienprozess. Entlasten könnte Pistorius, dass er bei den tödlichen Schüssen seine Prothesen nicht trug. Nach Ansicht von Experten könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass der Sportler doch nicht überlegt gehandelt habe, wie die Staatsanwaltschaft behauptet.

Pistorius war 2012 bei den Olympischen Sommerspielen in London weltbekannt geworden, als er beim Sprint der unversehrten Athleten antrat.

nis/rb (sid, afp, dpa)