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Zukunftspläne für den Panamakanal

Irène Bluche26. April 2006

Der Panamakanal soll verbreitert werden, um den neuen Generationen riesiger Frachtschiffe gerecht zu werden. Und um die panamaische Wirtschaft zu retten.

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Renovierungsbedürftig: der PanamakanalBild: AP

13.000 Schiffe haben im Jahr 2005 den Panamakanal passiert, mit jedem Jahr werden es mehr. Nicht nur die Zahl der Schiffe steigt, sondern vor allem die Größe. Die modernsten Containerfrachtschiffe sind inzwischen so groß, dass sie nicht mehr den Panamakanal befahren können. Zwar wurden extra für die Gegebenheiten des Panamakanals Schiffe konstruiert, die Panamax-Schiffe, die exakt der Breite des Kanals angepasst sind, doch entsprechen sie nicht mehr den neuesten Ansprüchen. Frachtschiffe können inzwischen bis zu 10.000 Containern laden und überschreiten die maximale Breite von 32 Metern, die die Panamax-Schiffe einhalten. Sie passen schlicht nicht mehr durch den Kanal. Hinzu kommen lange Wartezeiten. Um die 48.000 US-Dollar teure Durchschiffung des Kanals überhaupt beginnen zu können, müssen die Frachter bis zu 48 Stunden warten. Die Durchquerung des 82 Kilometer langen Kanals dauert dann wiederum acht bis zehn Stunden.

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PANAMAX Containerschiffe werden beladen Panama Kanal
Panamax-Schiffe werden beladenBild: AP

Panama hat nun die Sorge, seine privilegierte Position zu verlieren. Die Regierung Panamas hat als Konsequenz daraus beschlossen, 5,25 Milliarden US-Dollar in die Erweiterung des Panamakanals zu investieren. Die Schleusen müssen erneuert und der gesamte inzwischen 92 Jahre alte Kanal modernisiert werden. Der panamaische Präsident Martin Torrijos spricht von einer "gewaltigen Herausforderung", von der "wichtigsten Entscheidung über den Kanal und seine Rolle im 21. Jahrhundert". Panama verdient jährlich bis zu eine Milliarde US-Dollar am Kanal. Durch den Ausbau würde nicht nur die Wirtschaft Panamas angekurbelt, es würden auch 7000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Wettlauf mit der Konkurrenz

Es handelt sich bei dem geplanten Ausbau, der im Jahr 2014 beendet sein soll, um einen Wettlauf mit der Zeit. Schon in wenigen Jahren muss der Kanal soweit verbessert sein, dass er größere Schiffe aufnehmen kann, meint Christine Göllner de Mejia, Leiterin der deutsch-panamaischen Industrie- und Handelskammer: "Bis 2009 muss der Kanal ausgebaut worden sein, sonst schafft Panama den Anschluss nicht an die konkurrierenden Projekte". Bis dahin werden die Containerfrachtschiffe noch größer sein und vor allem wird die Zahl der speziell aus Asien kommenden Schiffe enorm steigen.

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ContainerschiffBild: dpa

Die Konkurrenz wird immer größer und realistischer. Viele Frachter nehmen den Weg um Kap Horn. Es gibt bereits einen so genannten Trockenkanal, einen Eisenbahnweg für den Containertransport, zwischen der Ost- und Westküste der USA und Mexiko plant intensiv an einem ähnlichen Projekt. Auch Nicaragua hat solche Pläne, auch wenn die Durchführung in dem erdbebengefährdeten Land fraglich ist. Zudem kann die Zukunft neue Wege eröffnen, die noch vor wenigen Jahren nicht denkbar waren: "Durch die Globale Erwärmung schmelzen die Pole. Es könnte den USA schon bald möglich sein, ihre Nordküste zu umschiffen", meint Christine Göllner de Mejia.

Schattenseiten

Die Regierung weiß aber, dass sie sich der Unterstützung der Bevölkerung sicher sein muss und hat eine Volksbefragung geplant. In einem Referendum soll dann entschieden werden, ob der Ausbau stattfinden soll. Von der Bevölkerung wurden bereits Opfer verlangt. Im letzten Jahr wurden drastische Kürzungen im Sozialsystem durchgeführt, um die finanziellen Mittel für den Ausbau zu schaffen. Göllner de Mejia meint, dass sich die Bevölkerung trotz aller Zweifel bewusst ist, dass der Kanal erweitert werden muss: 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sind auf den Kanal zurückzuführen. Ohne die intensive Nutzung des Kanals wäre Panamas Wirtschaft ruiniert, und wie Göllner de Mejia betont: "Der Kanal ist Dreh- und Angelpunkt der Wirtschaft Panamas". Doch es gibt auch Kritiker. Menschrechtsorganisationen warnen davor, dass das Land der armen Bauern am Kanal geflutet werden müsste, um die neuen Schleusen zu ermöglichen. Auch Naturschützer sind auf den Plan gerufen: Der Regenwald entlang des Panamakanals ist einer der artenreichsten Amerikas.