Lebensart

Zwei Museen für Yves Saint Laurent

Das künstlerische Erbe des Modeschöpfers Yves Saint Laurent wird gleich zweimal bewahrt: in einem Museum in Paris und einem in Marrakesch. Die Dependance in Marrokko ist nicht nur Modetempel, sondern auch Kulturzentrum.

Es heißt, die Mode sei flüchtig. Doch in der Geschichte der Mode gab es schon immer innovative, zeitlose Entwürfe, die Trends und Modeströmungen noch Jahrzehnte danach beeinflusst haben - moderne Klassiker. Der Hosenanzug des verstorbenen Modeschöpfers Yves Saint Laurent ist so ein Kleidungsstück. "Le Smoking", 1966 von Saint Laurent als Sensation auf dem Laufsteg präsentiert, hat längst Kulturgeschichte geschrieben. Filmstars wie Catherine Deneuve haben ihn ebenso getragen wie Star-Model Claudia Schiffer.

Yves Saint Laurent- Le smoking (Getty Images/AFP/STAFF)

Eine Mode-Revolution: Der Smoking für die Frau

Der legendäre "Le Smoking", mit dem der junge Yves Saint Laurent die Emanzipation der Frau unterstützen wollte, ist jetzt in Paris zu sehen, in einem von zwei neuen Museen, die an das Werk des Modedesigners erinnern. Das andere wird am 19.Oktober in Marrakesch eröffnet. Der Lebenspartner von Saint Laurent, Pierre Bergé, wollte das künstlerische Erbe seines langjährigen Geliebten an beiden Orten angemessen präsentieren. "Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, Yves Saint Laurent bei der Erschaffung seines Werks zu unterstützen", sagte er in einem seiner letzten Interviews vor seinem Tod.

Gleich zwei Museen für Yves Saint Laurent

Das Pariser Yves Saint Laurent-Museum liegt in der Avenue Marceau Nr. 5, zwischen Eiffelturm und dem berühmten Prachtboulevard Champs-Elysée. Es ist der Ort, wo Modeschöpfer Saint Laurent jahrzehntelang seine berühmten Kollektionen entwarf und als "Haute Couture" maßschneidern ließ. Frankreichs Kulturministerin Francoise Nyssen hat das neue Yves Saint Laurent Museum in kleinem erlauchten VIP-Kreis eingeweiht, am 3. Oktober 2017 wurde es offiziell eröffnet.

Yves-Saint-Laurent-Museum in Marrakesch (picture-alliance/dpa/S. Glaubitz)

Fassade des Yves-Saint-Laurent-Museums in Marrakesch

Zur Einweihung des Museums in Marrakesch am vergangenen Wochenende kam Prinzessin Lalla Salma, die Ehefrau des marokkanischen Königs Mohammed VI. In Marroko hatten Yves Saint Laurent und Pierre Bergé lange Jahre ihren zweiten Wohnsitz. Nach rund vierjähriger Bauzeit werden in dem neuen Museum auf 4000 Quadratmetern die schönsten Haute-Couture-Kreationen und Designobjekte der Marke YSL gezeigt. Das Haus soll nach dem Willen des 2017 verstorbenen Bergé nicht nur Modetempel, sondern auch Kulturzentrum sein - mit Bibliothek und Auditorium. Etwa 15 Millionen Euro soll der Museumsbau, der aus roten Ziegelsteinen und rosa Granit besteht, gekostet haben.

Saint Laurent und Lagerfeld: Vom Kollegen zum Erzrivalen

Die Karriere von dem am 1. August 1936 im algerischen Oran geborenen Yves Saint Laurent beginnt in Paris. Und hier nimmt auch eine der berühmtesten Fehden zwischen zwei Modeschöpfern (und Modehäusern) ihren Anfang. Zu Beginn ihrer Karriere ist die Beziehung zwischen Saint Laurent und dem deutschen Designer Karl Lagerfeld noch freundschaftlich-kollegial. Beide gewinnen 1954 hochdotierte Preise im Modewettbewerb des Internationalen Wollsekretariates. Yves Saint Laurent ist gerade 18 Jahre alt als er mit zwei Entwürfen für Abendkleider den ersten und dritten Platz belegt. Der 21-jährige Karl Lagerfeld wird für einen futuristischen Mantelentwurf ausgezeichnet. Beide werden aus 6000 Skizzen ausgewählt. Zwei aufgehende Sterne am Modehimmel: Künstler und Ausnahmetalente zugleich, innovativ und futuristisch.

Modepuppen tragen Kleider von Yves-Saint-Laurent (picture-alliance/dpa/S. Glaubitz)

Mode- und Kulturtempel: Ausstellung im Yves-Saint-Laurent-Museum in Marrakesch

Sie hatten viele Gemeinsamkeiten, nicht zuletzt waren beide junge Männer aus der Provinz, die von Paris träumten, schreibt die Modejournalistin Alicia Drake in ihrem 2006 veröffentlichten Buch "The Beautiful Fall: Fashion, Genius and Glorious Excess in 1970s Paris". Der kometenhafte Aufstieg der beiden Nachwuchsdesigner in den Olymp der Modebranche wird hier erzählt - und welche intime Rolle ein junger Mann namens Jacques de Bascher darin spielte.

Gemeinsamer Liebhaber

2017 erschien außerdem eine spektakuläre Biografie über den Lebemann und Bonvivant Jacques de Bascher, der bis zu seinem Tod 1989 Lebenspartner von Karl Lagerfeld war - und in den 1970er Jahren eine längere Affäre mit Konkurrent Yves Saint Laurent hatte.

Bascher soll eine große Inspirationsquelle für Saint Laurent gewesen sein. Und der zentrale Grund für die jahrzehntelange Fehde zwischen den beiden erfolgreichen Modehäuser YSL und Chanel, wie die Journalistin Marie Ottavi in ihrem Buch schreibt. Dafür hat sie zahlreiche Pariser Weggefährten und Insider der Modebranche interviewt. "Natürlich wusste ich von der Affaire mit Saint Laurent", sagt Karl Lagerfeld in einem Interview mit Ottavi. "Aber Pierre Bergé hat das zerschlagen."

Das Vermächtnis von Yves Saint Laurent

Museum Yves Saint Laurent in Paris (DR)

Yves Saint Laurent in seiner Entwurfswerkstatt

Heute ist das längst Geschichte. Yves Saint Laurent ist schon lange tot, sein Lebenspartner Pierre Bergé, das Geschäftsgenie im Hause YSL, starb vor wenigen Wochen im Alter von 86 Jahren in Paris. Und während "Modezar" Karl Lagerfeld (84) höchst lebendig seine Karriere als kreativer Modeschöpfer, Fotograf und weltweit anerkannter Künstler fortsetzt, wird das Vermächtnis von Yves Saint Laurent nun von den Modedesignern bewahrt, die er stark beeinflusst hat: Tom Ford, Marc Jacobs und Ralph Lauren.

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