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Geiseldrama

13. August 2007

Nach dreieinhalb Wochen haben die Taliban zwei der 21 südkoreanischen Geiseln in Afghanistan frei gelassen. Auch von dem entführten Deutschen gibt es ein neues Lebenszeichen.

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Zwei frei gelassene Koreanerinnen (links und z.v.l.) treffen beim Internationalen Komitee des Roten Kreuzes ein, Foto: AP
Zwei Koreanerinnen frei gelassenBild: AP

Die beiden kranken Frauen trafen am Montag (13.8.) beim Internationalen Komitee des Roten Kreuzes in Ghasni ein, wie ein AFP-Fotograf vor Ort beobachtete. Sie hätten einen müden Eindruck gemacht und unter Schluchzen ein Fahrzeug des Roten Kreuzes bestiegen.

Der Südkoreaner Bae Hyung-kyu, Quelle: AP
Er wurde Opfer des Geiseldramas: Bae Hyung-kyuBild: AP

Eine der freigelassenen Geiseln sagte AFP vorher auf der Autofahrt nach Ghasni am Telefon, sie und ihre Freundin seien "okay". Sie gab das Alter der beiden Frauen mit 32 und 36 Jahren an. Über den Gesundheitszustand der 19 weiteren Geiseln und die Namen der Freigelassenen konnte zunächst nichts in Erfahrung gebracht werden, da die Gesprächspartnerin nur gebrochen Englisch sprach, sehr aufgeregt war und wegen des Lärms im Hintergrund nur schlecht zu verstehen war.

Verhandlungen dauern an

In dem Auto befand sich demnach auch der Stammesälteste und Vermittler in dem Geiseldrama, Hadschi Sahir. Dieser hatte vorher mitgeteilt, die beiden freigelassenen Geiseln in Empfang genommen zu haben.Die Taliban hatte zunächst mit der Ermordung der restlichen Geiseln gedroht, falls ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Die Regierung in Kabul hatte es jedoch bislang abgelehnt, im Austausch für die Geiseln inhaftierte Islamisten freizulassen.

Aussenminister Frank-Walter Steinmeier, Quelle: AP
Das Auswärtige Amt bemüht sich weiter um die Freilassung der deutschen GeiselBild: AP

Die Gruppe von ursprünglich 23 Südkoreanern war am 19. Juli in der Provinz Ghasni im unruhigen Süden des Landes verschleppt worden. Zwei männliche Geiseln wurden bereits erschossen. Die Taliban, die seit Freitagabend - nach einer Reihe telefonischer Verhandlungen - direkte Gespräche mit südkoreanischen Diplomaten geführt hatten, hatten die Freilassung von zwei Frauen zunächst für Samstag und dann für Sonntag angekündigt. Über die Freilassung der restlichen Geiseln werde derzeit zwischen Vertretern der Taliban und den Unterhändlern der südkoreanischen Regierung, so Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi, man hoffe "bald auf ein positives Ergebnis", sagte er.

Der in Afghanistan entführte deutsche Bauingenieur Rudolf B. soll derweil in einem Telefoninterview mit einem arabischen Reporter die Bundesregierung eindringlich um Hilfe gebeten haben. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete, der 62-Jährige habe in dem Telefonat sowohl die deutsche als auch die afghanische Regierung gebeten, ernsthafte Bemühungen um seine Freilassung zu unternehmen. Es gehe ihm gesundheitlich schlecht und er fürchte um sein Leben. Unklar blieb, unter welchen Bedingungen Rudolf B. das Gespräch geführt hat und wie das Telefonat zustande gekommen war. (ina)