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Zweite Blackbox bestätigt Absturzabsicht

3. April 2015

Der Copilot der Germanwings-Maschine hat bewusst den Sinkflug ausgelöst. Das zeigt eine erste Auswertung des zweiten Flugschreibers. Offenbar veränderte er den Autopiloten mehrfach, um den Flieger zu beschleunigen.

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Bei einer Pressekonferenz in Marseille präsentieren Staatsanwalt Brice Robin (links) und Gendarmerie-General David Galtier den Datenschreiber von Germanwings-Flug 4U9525 (Foto: REUTERS/Jean-Paul Pelissier)
Bild: Reuters/Pelissier

Der Autopilot wurde von dem Anwesenden im Cockpit wiederholt so verändert, dass die Maschine auf 100 Fuß - umgerechnet etwa 30 Meter - heruntergeht, erklärte die französische Luftfahrtermittlungsbehörde BEA (Bureau d'Enquêtes et d'Analyses pour la sécurité de l'Aviation civile). Während des Sinkflugs sei der Airbus mehrfach beschleunigt wurden. Dies habe eine erste Auswertung des am Donnerstag geborgenen Flugdatenschreibers ergeben.

Damit verdichten sich die Hinweise auf einen willentlich herbeigeführten Absturz. "Ein Autopilot tut genau das, was die Piloten sagen", sagt Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt im DW-Interview. Ein automatisches Eingreifen, beispielsweise bei Kollisionsgefahr, gebe es nicht. Bei derartiger Gefahr erfolge eine Warnung im Cockpit und der Pilot reagiere entsprechend - normalerweise. "Gegen jemanden, der willentlich ein Flugzeug zum Absturz bringt, wie wahrscheinlich in diesem Fall, gibt es keine Sicherung", so Großbongardt.

Der deutsche Copilot wird verdächtigt, den Kapitän des Fluges aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine mit 150 Personen an Bord auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf absichtlich in den französischen Alpen zum Absturz gebracht zu haben.

Ermittler in Düsseldorf hatten zuletzt herausgefunden, dass der Copilot im Internet nach Wegen zum Suizid und Informationen über die Sicherheit von Cockpittüren gesucht hatte. Bereits kurz nach dem Absturz wurde bekannt, dass der 27-Jährige die Ausbildung in der Verkehrsfliegerschule der Lufthansa mehrere Monate unterbrach. Das Unternehmen hatte mitgeteilt, der Copilot habe die Schule 2009 in einer E-Mail über eine "abgeklungene schwere depressive Episode" informiert. Er wurde danach aber als flugtauglich einschätzt.

Zweite Blackbox nach langer Suche gefunden

Neun Tage nach dem Absturz hatten Einsatzkräfte in den französischen Alpen schließlich die zweite Blackbox verschüttet unter Geröll gefunden. Der Datenrekorder, der auf allen Flügen Informationen wie Kurs, Geschwindigkeit, Flughöhe und Neigungswinkel aufzeichnet, sei verkohlt und beschädigt, hatte der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, mitgeteilt. Es gebe aber begründete Hoffnung, dass die Daten auswertbar und nutzbar seien.

Der Flugschreiber an Bord einer Maschine besteht aus zwei Teilen: Dem Datenrekorder und dem Stimmrekorder. Unmittelbar nach dem Absturz am 24. März konnte der Stimmenrekorder der Maschine, der Geräusche und Unterhaltungen im Cockpit aufnimmt, geborgen werden. Auch auf seine Aufzeichnungen stützen die Ermittler ihren Verdacht, dass Andreas L. den Absturz bewusst herbei geführt hat.

Frankreichs Innenminister gedenkt der Opfer

An der Gedenkstätte in Le Vernet legte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve während eines Besuches in der Region einen Kranz nieder und trug sich in ein Kondolenzbuch ein. Zuvor hatte der Minister die Arbeit der französischen und internationalen Einsatzkräfte in der schwer zugänglichen Region gelobt.

sp/sti (dpa, afpd)