Über 300 Migranten im Mittelmeer gerettet

Hunderte Migranten sind von privaten Seenotrettern aufgenommen worden - 60 von der griechischen Küstenwache. Unklar ist, welche Länder die privaten Schiffe jetzt anlaufen können - Italien bleibt kompromisslos.

Private Seenotretter im Mittelmeer haben 311 Migranten an Bord ihres Rettungsschiffs genommen. Auch ein wenige Tage altes Baby sei gerettet worden, erklärte die spanische Hilfsorganisation Proactiva Open Arms auf Twitter. Die Menschen seien auf drei verschiedenen Booten unweit der libyschen Küste unterwegs gewesen. "So ist Weihnachten auf dem Mittelmeer", schrieb die Hilfsorganisation dazu. 

Medienberichten zufolge soll sich Spanien bereit erklärt haben, die Menschen aufzunehmen. Der italienische Innenminister Matteo Salvini hatte zuvor wiederum erklärt, die Häfen des Landes seien für zivile Schiffe erneut "geschlossen". Auch Malta hatte eine Aufnahme aller Migranten abgelehnt. Das Neugeborene hingegen wurde wegen seines Gesundheitszustands bereits in der Nacht mit seiner Mutter per Hubschrauber nach Malta ausgeflogen, erklärte die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch. Sie arbeitet bei den Rettungseinsätzen unter anderem mit Proactiva Open Arms zusammen. 

Es werde etwa vier bis sechs Tage dauern, bis die Menschen dort auf dem Seeweg angekommen sein werden, schrieben Zeitungen. Ein weiteres Schiff von Proactiva Open Arms sei von Spanien aus in See gestochen, um das Flüchtlingsschiff unterwegs mit Proviant und Medikamenten zu versorgen.

113.000 Migranten kamen 2018 über das Mittelmeer nach Europa 

Auch westlich der griechischen Halbinsel Peloponnes hat die griechische Küstenwache eigenen Angaben zufolge 60 Migranten aus Seenot gerettet. Das Boot der Migranten sei vor der Küste der Kleinstadt Zacharo auf Grund gelaufen. Die Besatzung von zwei Booten der Küstenwache habe die Migranten in Sicherheit gebracht, sagte ein Offizier. Alle Menschen seien wohlauf. Zunächst war unklar aus welchen Staaten sie stammen, hieß es.

Beamte der Küstenwache vermuteten, dass die Migranten von der türkischen Küste oder aus Ägypten in Richtung Italien aufgebrochen waren. Nach der weitgehenden Schließung der Balkanroute versuchen immer wieder Migranten, über diesen Weg in die EU zu kommen.

Die Regensburger Organisation Sea-Eye gab bekannt, dass ein neues Rettungsschiff ausläuft. Das deutsche Forschungsschiff "Professor Albrecht Penck" habe am Freitag den Hafen von Algeciras in Spanien verlassen und sei unterwegs in das Rettungsgebiet nahe dem Bürgerkriegsland Libyen, teilte die NGO mit. 

NGOs haben mehr als 300 Migranten im Mittelmeer gerettet

Der Internationalen Organisation für Migration zufolge kamen 2018 bislang mehr als 113.000 Migranten auf dem gefährlichen Seeweg über das Mittelmeer nach Europa. 56.480 Menschen erreichten über das westliche Mittelmeer Spanien, 31.310 kamen nach Griechenland und 23.126 nach Italien. Viele Migranten haben die Fahrt nicht überlebt: 2242 Menschen ertranken oder werden vermisst.

nob/kle (dpa, afp)

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