Über den edlen achtfachen Pfad zum Karma: das Buddhismus-Einmaleins

Wie der Buddhismus in die Welt getragen wurde

Die Geburt

Wie kam der Buddha auf die Welt? Der Sage nach wurde er im 4. oder 5. Jahrhundert vor Christus geboren, oder vielmehr wiedergeboren. Durch seine Verdienste in zahlreichen früheren Leben kam er auf außergewöhnliche Art und Weise auf die Welt: Als perfektes Wesen schlüpfte er aus der Seite der Königin Maya hinaus.

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Auf einer Wolke fortgetragen

Der Buddha wurde als Prinz geboren und hatte den menschlichen Namen Siddharta Gautama. Unzufrieden mit seinem Leben, seinem Reichtum, seinen Privilegien stahl er sich nachts fort, um auf der Suche nach Weisheit ein Leben in Armut und Bescheidenheit zu führen.

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Askese und Selbstkasteiung

Fastend und in Meditation versunken, bewegte sich der Buddha so lange nicht, bis ein Vogel ein Nest in seinem Haar baute. Als er merkte, dass die Selbstkasteiung nicht zum Ziel führte, brach er das Fasten ab und suchte einen Mittelweg, um Körper und Geist in Einklang zu bringen.

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Auch die Tiere sind heilig

Schließlich wurde der Buddha Lehrer. Sogar Tiere kamen, um seine Predigten zu hören. Nach seinem Tod wurde er endlich aus dem Kreis der Wiedergeburten erlöst. Er erreichte den höchsten Zustand der Erleuchtung, das Nirwana - und hörte auf, zu existieren.

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Propaganda auf Tontafeln

Die meisten Zeitgenossen des Buddhas konnten weder lesen noch schreiben. So wurde die Lehre des Buddhismus zunächst mündlich und später mittels Tontafeln überliefert. Die Tafeln waren weit verbreitet: von Indien über Malaysia und Indonesien bis nach Tibet. Sie wurden beim Bau von Tempeln vergraben und von Pilgern getragen.

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Avalokiteshvara

Der Sage nach war Avalokiteshvara, der ebenso wie der Buddha höchste Erkenntnis erlangt hatte, so mitgenommen vom Leiden der Menschen, dass sein Kopf in tausend Stücke zerbrach. Daraus schuf der transzendente Buddha Amitabha elf Köpfe und acht Arme, damit er alles Leiden in der Welt sehen und helfend einschreiten könne.

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Bodhisattvas

Bodhisattvas sind erleuchtete Wesen, die in der Welt verbleiben, um die Erlösung aller Wesen anzustreben. Der Bodhisattva des Mitgefühls wird von Menschen mit Kinderwunsch angerufen.

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Jambhala, Gott des Reichtums

Die Figur des lachenden Buddhas geht zurück auf die Geschichte eines Mönchs, der mit seiner Zufriedenheit und Freundlichkeit beeindruckte. In seinen Sack stopfte er alles, was er fand oder geschenkt bekam: ein Zeichen, dass jeder Gegenstand seinen Wert hat. Menschen bitten ihn um das Ende der Armut und um Wohlergehen.

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Tara

Aus Trauer über den Zustand der Welt weinte ein Bodhisattva, bis ein See aus Tränen entstand. Darin wuchsen Lotusblüten, auf der die Göttin Tara sitzt - zur Freude und Hoffnung der von Sorgen geplagten Menschen.

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Reich ausgestattete Tempel

Um das Jahr 550 ließen die Herrscher der nordchinesischen Qi-Dynastie über 2300 Grotten in eine Felswand schlagen und mit 100.000 Figuren ausstatten. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Tempel geplündert, Köpfe und Hände der Figuren abgeschlagen und verkauft. Erst 2005 konnten Wissenschaftler den Ursprungsort dieses Buddha-Kopfes identifizieren und die Grotte virtuell rekonstruieren.

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Der Buddha und seine Gefolgschaft

Dieser steinerne Buddha wird erstmals außerhalb des Museums von Peshawar in Pakistan gezeigt. Es handelt sich dabei um eine der größten buddhistischen Skulpturen aus dem 1. und 2. Jahrhundert. Sie stammt aus Gandhara, einer Region, die im heutigen Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan liegt.

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Wertvolle Grabbeigaben

Die größte Sensation der Züricher Ausstellung ist ziemlich klein. Die winzigen Steine stammen aus einem Grab in Nordindien. Sie wurden 1898 zusammen mit menschlicher Asche gefunden. Dazu ein Hinweis in der altindischen Sprache Sanskrit, der übersetzt soviel bedeutet wie: "Hier sind die sterblichen Überreste des Buddha."

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Beweis für Buddhas Existenz

Besagte Steine sowie die Asche wurden in einer buddhistischen Grabstätte, einer so genannten "Stupa", in Piprahwa im Norden Indiens vom britischen Kolonialbeamten William Claxton Peppé entdeckt. Der Fund wurde als erster Beweis gedeutet, dass es den Buddha als historische Figur tatsächlich gegeben haben soll.

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120 Jahre im Verborgenen

Nach der Entdeckung der Stupa von Piprahwa verschenkte Peppé die Asche an Klöster in Asien, wo sie von Millionen Buddhisten verehrt wird. Der größte Teil der kostbaren Steine blieb dagegen im Familienbesitz. Sie werden jetzt, 120 Jahre nach ihrer Entdeckung, erstmals öffentlich gezeigt.

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Indiana Jones' Urenkel

Dieser Mann nennt seinen Urgroßvater William Claxton Peppé "den originären Indiana Jones". Seit sechs Jahren sind Luke Peppé und seine Brüder für die kostbaren Steine verantwortlich und wollen sie der Welt zugänglich machen. Nächste Station: eine Ausstellung in New York.

Die buddhistische Lehre soll ihre Anhänger zur Erleuchtung führen. Ziemlich großes Ziel für eine Religion, die zudem gerne mit Rätseln arbeitet, wie DW-Redakteur Rick Fulker in einer Buddhismus-Ausstellung erfahren hat.

Der Meister sagt zu seinem Schüler: "Wenn du einen Stock hast, gebe ich ihn dir. Wenn du keinen Stock hast, nehme ich ihn dir weg."

Woher kommt der absurde Spruch? Drei schwarze Telefone stehen in einer Reihe auf einem Tisch als Exponate einer Ausstellung. Man darf an einem den Hörer abnehmen und an der Wahlscheibe eine Ziffer wählen. Ich gehe ran, wähle die Neun und aus dem Apparat tönt das oben zitierte "Koan" - um einen Begriff aus dem Zen-Buddhismus zu benutzen. Er bezeichnet den Ausspruch eines Zen-Meisters, der dazu dient, den Schüler zum Nachdenken und Meditieren anzuregen. Ein Koan ist meist kaum zu lösen, jedenfalls nicht durch Logik.

Weltreligion oder Philosophie?

Die westliche Faszination für den Buddhismus reicht weit in die Geschichte zurück. Der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer wurde davon beeinflusst. Richard Wagner, der Schopenhauers Lektüre las, ließ buddhistische Grundsätze in seine Opern "Tristan und Isolde" und "Parsifal" einfließen und plante eine Oper zum Thema, die nie geschrieben wurde: "Der Sieger". Der Autor Hermann Hesse machte den Buddhismus in seinem Roman "Siddhartha" verständlich. In der Gegenkultur der 1960er Jahre entdeckten die Beatles ihn ebenfalls.

DW-Redakteur Rick Fulker hatte in der Züricher Ausstellung nicht die erste, aber die bislang interessanteste Begegnung mit dem Buddhismus

Rund 360 Millionen Menschen weltweit bekennen sich zu dieser Religion, die meisten leben in Tibet, Sri Lanka, Korea, China, Japan und den südostasiatischen Ländern. Da es im Buddhismus an zentralen Institutionen fehlt, kann die genaue Zahl aber nur schwer geschätzt werden. In Deutschland soll es mehr als 200.000 aktive Buddhisten geben.

Wörtlich heißt der Name Buddha: "Der Erwachte". "Der Buddha ist kein Gott, sondern ein weiser Mann, der einen Weg zur Erleuchtung entdeckte", sagt der taiwanesische Mönch Bhikkhu Vupasama Thero, der anlässlich der Ausstellung nach Zürich gekommen ist. Zum wichtigsten Exponat - Edelsteinen aus einem Grabfund, die jetzt erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden - meint er: "Diese Juwelen sind Symbole dafür, dass der Buddha ein echter Mensch war und keine erfundene Geschichte."

Der Mensch im Mittelpunkt

Dieser Mensch mit dem Namen Siddhartha Gautama soll ein Prinz gewesen sein, der vor rund 2500 Jahren in Nordindien geboren wurde. Der junge Mann lebte völlig sorglos und entdeckte erst spät, dass es Leiden in der Welt gab. Er kehrte dem Palast den Rücken und übte sich in Askese. Doch auch dies half nicht, das Leiden zu überwinden. Er fand für sich einen Mittelweg und lernte, Körper und Geist in Einklang zu bringen. Nach seiner Erleuchtung hatte er viele Schüler, die dessen Lehre nach seinem Tod mündlich in die Welt trugen. Schriftliche Zeugnisse entstanden erst Hunderte Jahre später.

Die Geschichte des Buddhas auf einer japanischen Papierrolle aus dem 18. Jahrhundert

Wie bei allen Religionen gibt es im Buddhismus unterschiedliche Strömungen und Schulen. Die buddhistische Kosmologie wird von guten und bösen Geistern bevölkert. Aber anders als die Buchreligionen Judentum, Christentum und Islam kennt der Buddhismus keine personifizierte Urmacht, die alles gestaltet. Er kommt ohne Gott, Priester oder Kirchen aus.

"Hier steht der Mensch selber im Mittelpunkt. Nur aufgrund seiner Taten kann er glücklich werden", sagt der Kurator der Ausstellung, der Indologe und Religionswissenschaftler Johannes Beltz. Höchstes Ziel des Glaubens sei das Nirwana, was jedoch nicht vergleichbar sei mit dem Paradies. "Der Begriff beschreibt einen Zustand jenseits unserer konventionellen Sprache", sagt Beltz. "Es gibt aber auch Buddhisten, die glauben, dass der Mensch schon im Leben das Nirwana erreichen kann."

Glaube und Meditation

In anderen Religionen steht der Glaube an erster Stelle. Im Buddhismus ist dagegen der Glaube eine Grundlage und die Meditation ein Instrument, um die Weisheit zu erlangen. Voraussetzung dafür: Der Mensch muss den Grund des Leidens in sich selbst finden und sich entsprechend wandeln. Im Vordergrund stehen dabei Lehre und Praxis. 

Zur Lehre gehören die vier edlen Weisheiten: 

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Erstens: Das Leben ist vom Leiden geprägt.

Zweitens: Dieses Leiden wird durch Gier, Hass und Unwissenheit verursacht.

Drittens: Zukünftiges Glück entsteht durch die Vermeidung dieser Ursachen.

Viertens: Die Vermeidung von Leid und das Erlangen von Glück erfolgen über die Praxis.

Der in den westlichen Ländern wohl bekannteste Buddhist: der 14. Dalai Lama

Welche Praxis? Das führt zum nächsten Punkt: den edlen achtfachen Pfad, dessen Elemente in drei Gruppen eingeteilt sind: Zur "Weisheit" gehört rechte Einsicht, die Richtung und Orientierung gibt und zur Erkenntnis führt. Danach kommt rechte Gesinnung oder Absicht, denn im Buddhismus entscheiden die Gedanken selbst über die Qualität und den Wert des Lebens.

Zur Gruppe "Sittlichkeit" gehören die rechte Rede, die rechte Tat und der rechte Lebenserwerb. Zu diesen Lebensführungsempfehlungen zählen die Vermeidung von Lüge, üble Nachrede oder leeres Gerede sowie der Respekt für Leben, Besitz und persönliche Beziehungen. Negative Gedanken entstehen in der Beschränkung des Ichs, Glück dagegen in der Selbstlosigkeit. Die drei Elemente in der Gruppe "Vertiefung" heißen rechte Übung, rechte Achtsamkeit und rechte Sammlung oder Konzentration, die zur Versenkung führt. 

Eine moderne Religion?

Wem das alles zu abstrakt klingt, dem hilft vielleicht der Begriff "Karma" weiter. Karma ist die Kraft, die den Menschen mit der Welt verbindet. Durch Karma ist einfach alles mit allem verknüpft. Jedes Ding, jede Aktion hat eine Ursache und eine Folge. Jede Sache - ob aus Geist oder Materie - besteht nicht für sich, sondern aus einem Zusammenkommen von Faktoren.  Dabei fragt der Buddhist: "Warum ist die Welt so, wie sie ist?" Seine Aufgabe ist, die Welt zu verstehen, wie sie ist und zu untersuchen, wie die Phänomene entstehen.

Das klingt nach Wissenschaft, nach Physik geradezu, und nicht umsonst sagte der große Physiker Albert Einstein einmal: "Wenn es irgendeine Religion gibt, die den Ansprüchen moderner Wissenschaft gewachsen ist, heißt sie Buddhismus." 

Ein neugieriger Geist ist wichtig in der buddhistischen Lehre

Selbst von seinen engsten Anhängern wird der Buddhismus ständig kritisch hinterfragt. "Die Ausstellung ist Anlass, noch einmal darüber nachzudenken: Was ist der Buddhismus?", sagt Bhikkhu Vupasama Thero. "Wir wollen die Lehre auf ihre Richtigkeit hin untersuchen. Dann folgt der Gedanke: Wie ist es mit dem modernen Buddhismus bestellt, hilft er uns wirklich? Falls nicht, können wir über die richtige buddhistische Lehre nachdenken." 

Ich muss gestehen, dass mir dazu das Grundwissen noch fehlt. Ich fange lieber bei meinem persönlichen Koan an und grübele noch eine ganze Weile über den weggenommenen Stock, den ich eh nicht hatte und über den, den ich bereits hatte und der mir dann geschenkt wurde.

Die Ausstellung "Nächster Halt Nirvana" im Museum Rietberg in Zürich ist bis zum 31. März 2019 zu sehen.

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