Überraschung: Die deutsche Wirtschaft wächst wieder

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15.05.2019

Deutsche Wirtschaft wächst wieder

Geht doch, möchte man sagen - die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal des Jahres wieder gewachsen. Die Gefahr einer Rezession schwindet. Auch die Euro-Zone insgesamt zeigt sich robuster.

Die Wirtschaftsleistung Deutschlands legte von Januar bis März um 0,4 Prozent zum Vorquartal zu. Das Statistische Bundesamt veröffentlichte jetzt eine erste Schätzung. In dem Vorquartal hatte das Bruttoinlandsprodukt - auch BIP genannt - stagniert. Davor, im dritten Quartal des letzten Jahres, war Europas größte Volkswirtschaft gar geschrumpft.

Zwar hatte es für das Gesamtjahr 2018 noch für ein Plus von 1,4 Prozent gereicht. Die Sorge machte sich aber breit, dass die guten und teilweise sehr guten Zeiten für die deutsche Wirtschaft vorbei sein könnten. Fachleute warnten bereits vor einbrechenden Steuereinnahmen. Die Wirklichkeit scheint im Land aber besser zu sein als die Stimmung.

Infografik Bruttoinlandsprodukt Deutschland DEU

"Wie groß war doch die Furcht vor einer Rezession", kommentiert etwa Volkswirt Andreas Scheuerle von der Dekabank. "Geschürt wurde sie durch Stimmungsindikatoren, die sich im freien Fall befanden. Gekommen ist es nun ganz anders."

Besser als die Stimmung

Positive Impulse in der Wirtschaft kamen zu Jahresbeginn nämlich vor allem aus dem Inland. "In Bauten und in Ausrüstungen wurde deutlich mehr investiert", hieß es dazu von den Statistikern. "Auch die privaten Konsumausgaben legten gegenüber dem Vorquartal kräftig zu." Die Konsumausgaben des Staates schrumpften hingegen.

"Gemischte Signale kamen von der außenwirtschaftlichen Entwicklung, da sowohl die Exporte als auch die Importe im Vergleich zum Vorquartal zulegten", schreiben die Experten des Bundesamts.

Wirtschaftswachstum in Deutschland: "Private Konsumausgaben legten kräftig zu"

Nach dem Schwächeanfall der deutschen Wirtschaft zu Ende des vergangenen Jahres hatten Bundesregierung und zahlreiche Ökonomen zuletzt ihre Konjunkturprognosen für das laufende Jahr gesenkt. Die Bundesregierung rechnet in diesem Jahr nur noch mit einem BIP-Anstieg von 0,5 Prozent, statt wie zunächst mit 1,0 Prozent.

Sorge vor Eskalation im Handelsstreit

Hauptgrund ist die Abkühlung der Weltwirtschaft. In der Tat blickt die deutsche Wirtschaft mit Sorge auf die jüngste Eskalation im Streit zwischen den USA und China. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt sind die wichtigsten Einzelmärkte für deutsche Exporteure. "Die von den USA ausgehenden Handelsstreitigkeiten mit China ebenso wie mit Europa sind brandgefährlich für die Weltwirtschaft", warnt Holger Bingmann, Präsident des Außenhandelsverbandes BGA. Viele Arbeitsplätze und der wirtschaftliche Wohlstand hingen vom Zugang deutscher Unternehmen zu Märkten auf der ganzen Welt ab.

Dass die Handelskonflikte erheblich auf die Konjunkturlaune drücken, konstatiert auch Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. Aber er freut sich dennoch: "Die Wachstumspause ist beendet, der Aufwärtstrend ist wieder aufgenommen. Zu einer klassischen Rezession besteht weiter genügend Abstand." Allerdings werde sich das flotte Tempo sich nicht halten.

Probleme für deutsche Exporteure durch Handelskonflikt zwischen USA und China

Verhaltenen Optimismus äußerte auch Volkswirt Uwe Burkert von der LBBW mit Blick auf die jüngsten Zahlen: "Das Plus von 0,4 Prozent zum Vorquartal war ein Auftakt nach Maß, wie man im Fußball sagen würde. "Angesichts der Schwäche der Industriekonjunktur und der Auslandsrisiken werde aber gleichwohl weiterhin Vorsicht dominieren. "Dennoch macht der Start Hoffnung, dass es für 2019 so schlimm nicht kommen wird, wie die jüngsten Prognosen befürchten ließen."

Aufwärts in der Euro-Zone

Hoffnung auch auf europäischer Ebene: In der gesamten Euro-Zone hat sich die Wirtschaft zu Jahresbeginn wieder berappelt. Auch hier legte das BIP zwischen Januar und März um 0,4 Prozent zum Vorquartal zu. Das ergibt eine Schnellschätzung, die das Statistikamt Eurostat am Mittwoch vorlegte. Ende 2018 lag der BIP-Anstieg in der Euro-Zone bei nur 0,2 Prozent.

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Überdurchschnittlich wuchs erneut Spanien mit 0,7 Prozent Frankreich brachte es nur auf 0,3 Prozent, Italien auf 0,2 Prozent. Trotz der anziehenden Wirtschaft blieb die Euro-Zone in Sachen Konjunkturdynamik allerdings weit hinter den USA zurück. Dort legte das BIP zu Jahresbeginn mit 0,8 Prozent doppelt so stark zu wie in den Staaten der Europäischen Währungsunion.

ar/hb (dpa, rtr, afp)