100 Tage Morden

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Signal zum Völkermord

Am 6. April 1994 schießen Unbekannte das Flugzeug des ruandischen Präsidenten Juvénal Habyarimana beim Landeanflug auf die Hauptstadt Kigali mit einer Rakete ab. Habyarimana, sein Amtskollege aus Burundi und acht weitere Insassen sterben. Am Tag darauf beginnen Massaker, die drei Monate andauern und mindestens 800.000 Ruander das Leben kosten.

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Gezieltes Töten

Nach dem Attentat auf den Präsidenten gehen extremistische Hutu auf die Minderheit der Tutsi und auf gemäßigte Hutu los. Die Mörder sind gut vorbereitet und gehen gezielt vor. Im Visier haben sie vor allem Menschenrechtler, Journalisten und Politiker. Zu den ersten Opfern am 7. April gehört Premierministerin Agathe Uwiringiymana.

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Rettung für Ausländer

Während in Kigali und auf dem Land in den folgenden Tagen täglich an die Tausend Ruander getötet werden, evakuieren belgische und französische Spezialtruppen etwa 3500 Ausländer. Belgische Fallschirmjäger retten am 13. April auch die sieben deutschen Mitarbeiter und ihre Familien aus der Sendestation der Deutschen Welle in Kigali. Nur 80 der 120 einheimischen Mitarbeiter überleben den Genozid.

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Ungehörter Hilferuf

Hinweise auf die geplante Vernichtung der Tutsi liegen dem kanadischen Blauhelmkommandeur Romeo Dallaire schon Anfang 1994 vor. Seine als "Genocide-Fax" bekannt gewordene Nachricht vom 11. Januar an die UN wird zurückgewiesen. Auch spätere, verzweifelte Appelle des Generals während des Völkermords lässt der damalige UN-Chef für friedenserhaltende Maßnahmen, Kofi Annan, nicht gelten.

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Hassmedien

Der Radiosender Mille Collines (RTLM) und die Wochenzeitung Kangura stacheln zum Hass auf Tutsi an. Kangura etwa veröffentlicht schon 1990 die rassistischen "Zehn Gebote der Hutu". Das durch Popmusik und Sportberichte populäre Radio Mille Collines ruft täglich zur Hetzjagd und Ermordung auf. Regisseur Milo Rau widmet diesen menschenverachtenden Sendungen später seinen Film "Hate Radio" (Foto).

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Zuflucht im Hotel

In Kigali versteckt Paul Rusesabagina mehr als 1000 Menschen im Hotel Des Mille Collines. Nachdem der belgische Manager das Land verlassen hatte, hatte Rusesabagina dessen Posten eingenommen. Mit viel Alkohol und Geld kann er die Hutu-Milizen davon abhalten, die Flüchtlinge zu töten. An vielen anderen vermeintlichen Zufluchtsorten entkommen die Opfer dem Morden nicht.

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Massaker in Kirchen

Selbst vor Kirchen, in denen viele Menschen Schutz suchen, machen die Mörder nicht Halt. Rund 4000 Männer, Frauen und Kinder werden im Gotteshaus von Ntarama in der Nähe von Kigali mit Äxten, Messern und Macheten ermordet. Heute ist die Kirche eine der vielen Gedenkstätten. Aufgereihte Totenköpfe und Menschenknochen sowie Einschusslöcher in den Wänden erinnern bis heute an den Genozid.

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Frankreichs Rolle

Paris pflegt enge Kontakte zum Hutu-Regime. Als die Rebellen der Ruandischen Patriotischen Front (RPF) die Völkermörder weit zurückgedrängt haben, greift im Juni Frankreichs Armee ein. Sie ermöglicht den für den Genozid verantwortlichen Soldaten und Milizionären, mit ihren Waffen nach Zaire, in die heutige Demokratische Republik Kongo, zu fliehen.

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Flüchtlingsströme

Während des Mordens fliehen Millionen Ruander - Tutsi und Hutu - in die Nachbarländer Tansania, Zaire und Uganda. Zwei Millionen Flüchtlinge kommen allein nach Zaire. Ehemalige Armeeangehörige und Völkermörder unter ihnen gründen die Demokratischen Kräfte zur Befreiung Ruandas (FDLR) und sorgen bis heute für Unsicherheit im Ostkongo.

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Einnahme Kigalis

Vor der Kirche der Heiligen Familie in Kigali patrouillieren am 4. Juli 1994 Rebellen der RPF. Inzwischen haben sie die meisten Landesteile befreit und die Völkermörder in die Flucht getrieben. Menschenrechtler beklagen allerdings, dass auch die Rebellen Verbrechen begehen - für die bis heute niemand zur Verantwortung gezogen wurde.

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Ende des Genozids

Generalmajor Paul Kagame, Chef der RPF, erklärt am 18. Juli 1994 den Krieg gegen die Regierungstruppen für beendet. Die Rebellen kontrollieren die Hauptstadt und andere wichtige Städte. Zunächst setzen sie eine provisorische Regierung ein. Seit dem Jahr 2000 ist Kagame Präsident Ruandas.

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Bleibende Narben

Der Genozid dauerte knapp drei Monate. Die Opfer wurden meist mit Macheten bestialisch ermordet. Nachbarn töteten Nachbarn. Leichen oder Leichenteile von Babys, Kindern, Erwachsenen und Greisen säumen die Straßen. Es gibt keine Familie, die nicht betroffen ist. Nicht nur die Narben an den Körpern der Überlebenden halten die Erinnerung an den Völkermord wach.

An diesem 6. April ist es 25 Jahre her, dass der Völkermord in Ruanda die Welt schockte. 1994 ließ die Internationale Gemeinschaft - vor allem die UN und Frankreich - die Menschen im Stich.