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31. Europäischer Filmpreis 2018

Jochen Kürten
16. Dezember 2018

Filme aus Skandinavien, der iberischen Halbinsel und den baltischen Ländern: Der Europäische Filmpreis spiegelt die Sprachen- und Kulturvielfalt Europas wider. Doch beim Marketing des Euro-Oscars gibt es noch Defizite.

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Filmszene Glücklich wie Lazzaro
Bild: Piffl Medien

Vermutlich ist Europa selbst Schuld. Warum steht der Europäische Filmpreis, der am 15.12.2018 im spanischen Sevilla verliehen wurde, immer noch im Schatten der Oscars? Sicher, die amerikanischen Filmpreise haben eine längere Tradition, seit 1929 werden sie vergeben. Den Europäischen Filmpreis gibt es erst seit 1988. Doch das sind auch schon 31 Jahre, immerhin. Inzwischen sollte doch angekommen sein, dass auch die Europäer einen "Oscar" haben.

Europas Kino ist vielfältiger

Doch dem ist nicht so. Das weltweite Medieninteresse an den Oscars ist bereits im Vorfeld riesengroß, das am Europäischen Filmpreis nicht. Woran liegt das? An der Qualität der Filme sicher nicht. Im Gegenteil, man könnte sogar die Behauptung aufstellen, dass das Kino Europas in seiner Gesamtheit wesentlich vielfältiger, bunter und künstlerisch interessanter ist als das englischsprachige des nordamerikanischen Kontinents - wenn auch kommerziell weniger ergiebig.

Filmstill |  «Girl» von Lukas Dhont (Belgien, Niederlande)
Einer von fünf nominierten Filme in der Kategorie "Bester Film": "Girl" (Belgien/Niederlande)Bild: Kris De Witte

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass in jüngster Zeit bei den Oscars einige herausragende Filme ausgezeichnet wurden - vor allem von in Hollywood arbeitenden mexikanischen Regisseuren. Der Oscar ist immer noch in allererster Linie ein Preis der rein englischsprachigen Filmwelt: Ausgezeichnet werden vornehmlich Filme aus Hollywood, manchmal auch aus anderen Teilen der englischsprachigen Welt.

"America First" - die Oscarakademie praktiziert das Trumpsche Motto schon lange. Die singuläre Trost-Kategorie "Bester fremdsprachiger Film", in der sich der ganze Rest des Weltkinos tummelt, bringt das zynisch auf den Punkt. Was Europa nicht davon abhält, diese Kategorie mit gebannter Aufmerksamkeit zu verfolgen.

Der Euro-Oscar funktioniert nach dem Vorbild des Oscars

Warum also steht der Euro-Oscar im Schatten des US-Vorbilds? Die Kategorien sind ziemlich ähnlich, es gibt beste Filme und Darsteller, Sieger in den filmhandwerklichen Kategorien wie Kamera oder Kostüme sowie ein paar Ehrenpreise für verdiente ältere Filmschaffende. Auch das Prozedere mit Nominierungen im Vorfeld und der Spannung am Abend der Preisverleihung ist gleich. Und die Gala wird inzwischen auch von den Europäern mit ähnlicher Professionalität ausgerichtet, wie das in Los Angeles Jahr für Jahr geschieht.

Film Dogman
Bewirbt sich als "Bester Film": Dogman (Italien/Frankreich)Bild: festival-cannes

Ein "Nachteil" der Europäer liegt sicher in der Sprachen- und Kulturvielfalt begründet. Insofern ist der Filmpreis ein Spiegel der Politik. Wenn Europa mit den USA am Verhandlungstisch sitzt, ist es auch jedes Mal aufs Neue schwierig, mit einer einheitlichen Stimme zu sprechen. Europa muss sich immer wieder zusammenraufen. Europa ergibt kein einheitliches Bild. Doch warum, diese Frage darf erlaubt sein, sollte das im Bereich der Kultur zum Nachteil gereichen - und nicht vielmehr ein Vorteil sein?

3 Gründe für das Schatten-Dasein des Europäischen Filmpreises

Sucht man nach Erklärungen für das Schattendasein des Euro-Oscars, kristallisieren sich drei Erklärungen heraus:

1. Die Vereinigten Staaten haben in Sachen Stars die größere weltweite Sogwirkung. Ein Roter Teppich, auf dem George Clooney oder Julia Roberts wandelt, wird tausendmal mehr fotografiert als einer, auf dem Catherine Deneuve oder Antonio Banderas geht. Das liegt nicht an mangelndem Star-Appeal der Französin oder des Spaniers - sondern schlicht und einfach am weltweiten Boulevard, früher vornehmlich der Presse und des Fernsehens, heute der "Sozialen Medien", die auf englischsprachige Kultur fixiert sind.

Kinostart - Cold War - Der Breitengrad der Liebe
Geht für Polen ins Rennen um den "Besten Film": "Cold War"Bild: picture-alliance/dpa/Neue Visionen

2. Womit wir zum zweiten Punkt kommen: den Medien. Und da sollte man sich in Europa an die eigene Nase fassen. Auch viele europäische Medien stehen im Banne der US-Stars und des Hollywood-Blockbuster-Kinos. Das ist oft auch eine Frage des Geldes. Aber nicht nur. Mit Filmen werden Milliarden verdient. Doch sollte das bei einer Preisverleihung, bei der es doch um Kategorien wie "Bester Film" oder "Beste Darstellerin" geht, eine so entscheidende Rolle spielen? Europa und insbesondere die europäischen Medien sollten viel selbstbewusster agieren.

3. Daraus folgt Punkt Drei: das Marketing. Hier haben die Europäer Defizite. Auch die Europäische Filmakademie sollte selbstbewusster auftreten. In Amerika investieren die Produzenten bereits im Vorfeld der Gala sehr viel Geld in den Oscar-Rummel. Die Europäer müssten dementsprechend wesentlich mehr die Werbetrommel schlagen, den Europäischen Filmpreis mit einem gezielten Marketing-Konzept promoten. Nur so würden wir Europäer wohl begreifen, welchen Schatz das Kino des Kontinents birgt.