5 Weihnachtsbräuche und was dahinter steckt

Die Geburt Jesu, der Stern von Bethlehem, der Weihnachtsbaum, der Weihnachtsmann und die Geschenke. Was hat es mit den verschiedenen Weihnachtsbräuchen auf sich?

Wurde Jesus wirklich an Heiligabend geboren?

„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die erste und geschah zu der Zeit, als Cyrenius Landpfleger in Syrien war", so beschreibt es der Evangelist Lukas. Gleichzeitig heißt es beim Evangelisten Matthäus, dass der grausame König Herodes alle Kinder Bethlehems ermorden ließ, nachdem er von der Geburt des neuen Königs der Juden gehört hatte.

Wissenschaft | 21.12.2017

Die beiden historischen Ereignisse lassen sich mit derbiblischen Weihnachtsgeschichte nicht in Einklang bringen: Die beschriebene Volkszählung diente zur Berechnung der möglichen Steuereinnahmen und fand im Jahre 6 oder 7 nach Christi Geburt statt. Und der verhasste Herodes starb bereits im Jahre 4 v.Chr., zwischen den beiden Ereignissen liegen also rund zehn Jahre.

Auch das Geburtsdatum 25. Dezember ist nicht in der Bibel zu finden, es wurde erst im vierten Jahrhundert unter Kaiser Konstantin I. bewusst auf diesen Tag festgelegt, da heidnische Kulturen wie die Römer, Kelten oder Germanen an diesem Tag die Wintersonnenwende feierten. Mit der Kalenderreform im 16. Jahrhundert wanderte die Wintersonnenwende auf den 21. Dezember.

Neben Geburtsjahr und –tag ist auch der Geburtsort von Jesus umstritten: Möglicherweise verlagerten die Evangelisten den Geburtsort bewusst nach Bethlehem, weil dort laut Altem Testament bereits König David geboren worden war, dessen Nachkomme der Messias sein sollte. 

Die Geburtsgeschichte sollte Jesus als Sohn Gottes charakterisieren und ihn durch die Verbindung mit historischen Personen wie Quirinius oder Herodes in einen Zusammenhang mit den vorherrschenden Heilserwartungen stellen. Die Bibel ist eben kein Geschichtsbuch, sondern eine Schriftensammlung, die im Judentum und Christentum als Heilige Schrift mit normativem Anspruch für die ganze Religionsausübung gilt.

War der Stern von Bethlehem eine Supernova?

Hat es den Stern von Bethlehem tatsächlich gegeben?

Seit einer halben Ewigkeit suchen Wissenschaftler nach einer Erklärung, was es mit dem hellen Stern auf sich haben könnte, der die drei Weisen aus dem Morgenland zu Jesus führte, so wie es das Matthäus-Evangelium beschreibt.

Aus historischen Quellen ist bekannt, dass sich der Halleysche Koment vor rund 2000 Jahren der Erde genähert hat. Ebenfalls bekannt ist, dass sich zur Zeit von Jesus Geburt die beiden Planeten Saturn und Jupiter innerhalb eines Jahres dreimal sehr nahe kamen – ein äußerst seltenes Schauspiel. Aber es waren trotz der Nähe zwei Lichtpunkte, nicht nur ein heller Stern, wie es der Evangelist Matthäus beschreibt.

Anderen Theorien zufolge könnte es sich bei dem kosmischen Ereignis um eine Supernova gehandelt haben, also um die Explosion eines großen Sterns, die alle anderen Sterne überstrahlte.

Nein, Coca-Cola hat den Weihnachtsmann nicht erfunden!

Gibt es den Weihnachtsmann?

Nein, es war kein US-amerikanischer Limonadenhersteller, der den Weihnachtsmann erfunden hat. Grundlage für die Weihnachtsmann-Figur ist der heilige Nikolaus, der im 4. Jahrhundert Bischof von Myra in der heutigen Südtürkei war und um den sich zahlreiche Legenden ranken. Seine Bischofsgestalt wurde im 19.Jahrhundert säkularisiert und ihr liturgisches Messgewand samt Mitra als Mantel und Zipfelmütze dargestellt.

Da die Protestanten aber die Heiligenverehrung – und damit auch die Verehrung des heiligen Nikolaus – ablehnten, geriet mit der Reformation das Christuskind ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Künftig brachte das Christkind die Geschenke - zumindest in Süd- und Westeuropa. In Nord- und Osteuropa hingegen behielt Nikolaus samt Knecht Ruprecht die Aufgabe. Im Laufe der Zeit verselbständigte sich das engelsgleiche Christkindchen und der Bezug zu Jesus wurde immer diffuser.

Themenseiten

Sein charakteristisches Erscheinungsbild verpasste dem Weihnachtsmann der deutsch-amerikanische Zeichner Thomas Nast, der 1863 im Harper´s Weekly-Magazin einen sanftmütigen, molligen Santa Claus im roten Mantel mit langem Rauschebart und Rentierschlitten darstellte. Orientiert hat sich Nast dabei am pfälzischen "Belzenickel", einer Pelz tragenden Weihnachtsfigur aus dem 19. Jahrhundert, die er noch aus der Kindheit kannte. Als er später die Zeichnung kolorieren sollte, wählte er die Farben Rot und Weiß.

Diese Darstellung übernahm 1931 auch der schwedische Grafiker Haddon Sundblom für eine Coca-Cola-Werbekampagne, die es bis 1966 gab. Der US-Limonadenhersteller hat so also doch maßgeblich das Bild vom Weihnachtsmann mitgeprägt.

Die Suche nach passenden Geschenken bestimmt oftmals die Weihnachtszeit

Wann gibt es denn nun Geschenke?

Der Zeitpunkt der Bescherung variiert von Land zu Land. Ursprünglich wurden die Kinder am Gedenktag des heiligen Nikolaus, dem 6. Dezember, beschenkt. Nach der Reformation wurde in evangelischen Regionen die Bescherung auf Heiligabend verlegt, da die Protestanten die Heiligenverehrung ablehnten und deren Namenstage nicht feierten.

Früher fand die Bescherung in Deutschland um Mitternacht in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember, nach der Christmette, statt. Weil die Kleinsten aber nicht unbedingt bis Mitternacht aufbleiben durften, wurde die Bescherung auf den frühen Abend vorgezogen.

In den USA und in Großbritannien ist es nach wie vor üblich, dass Santa Claus bzw. Father Christmas um Mitternacht die Geschenke durch den Kamin bringt und die Kinder sie am Morgen des ersten Weihnachtstages öffnen dürfen.

In Spanien und Teilen von Italien werden die Geschenke erst am 6. Januar, dem Dreikönigstag, ausgepackt. Laut Bibel brachten ja schließlich die Weisen aus dem Morgenland dem neu geborenen Jesus Geschenke mit. Aber anders als in Spanien bringt in Italien nicht der Weihnachtsmann oder das Christkind die Geschenke, sondern die Hexe Befana.

Und noch etwas hat sich grundlegend verändert: Ursprünglich wurden nur die Kinder beschenkt, erst in jüngerer Zeit wurden auch die Erwachsenen bedacht.


Wieso stellen wir Weihnachten einen Tannenbaum auf?

Nein, ein Tannenbaum wird in der Bibel auch nicht erwähnt. Es gibt keinen historisch nachweisbaren Anfang für diesen Brauch, aber in vielen Kulturen wurden frische Bäume oder Pflanzen in den Wohnbereich geholt, weil sie Gesundheit und Fruchtbarkeit verkörperten. Zur Wintersonnenwende etwa holten sich die "Heiden" Wintermaien ins traute Heim. Diesen Kult übernahmen die frühen Christen allzu gerne.

Die ersten Christbäume wurden erst im 15. Jahrhundert aufgestellt. Seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts häufen sich die Nachrichten über den Weihnachtsbaum. Über den Adel hatte sich der Brauch in ganz Europa verbreitet.

Kein Weihnachten ohne einen leuchtenden Tannenbaum. Doch das war nicht immer so

Die Reformation machte den Tannenbaum zum Weihnachtssymbol der Protestanten, während sich die Katholiken weiter nur um die Krippe versammelten. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts, nach den Freiheitskriegen gegen Napoleon, stand der leuchtende Baum konfessionsübergreifend in den Wohnzimmern.

Allerdings konnten sich zunächst nur die oberen Schichten einen Weihnachtsbaum leisten, weil Tannenbäume ursprünglich in Mitteleuropa eher selten vorkamen. Die einfachen Bürger und vor allem die Städter mussten sich mit Zweigen begnügen. Dies änderte sich erst, als ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vermehrt Tannen- und Fichtenwälder angelegt wurden, die den städtischen Bedarf deckten.

Europäische Auswanderer brachten den Brauch auch in die Neue Welt. Belegt ist, dass der deutschstämmige Harvard-Professor Karl Follen 1832 als erster einen Weihnachtsbaum in seinem Haus in Massachusetts aufstellte und so den Brauch in Neuengland einführte. 1891 stand erstmals ein "Christmas tree" vor dem Weißen Haus in Washington.

Auf der Suche nach dem Weihnachtsstern

Die Heiligen Drei Könige - noch einmal auf Tour

Kaspar, Melchior, Balthasar - der Weihnachtsgeschichte zufolge gehörten die "Sternendeuter aus dem Osten" zu den ersten Besuchern des Jesuskindes. Die Gelehrten waren einer Himmelserscheinung gefolgt. Ob es zum Zeitpunkt Christi Geburt wirklich einen "Weihnachtsstern" gegeben hat, ist umstritten. Eines aber ist gewiss: Damals hat man die Sterne noch erheblich besser gesehen als heute.

Auf der Suche nach dem Weihnachtsstern

Zuhause im Kölner Dom

Seit dem 12. Jahrhundert liegen die Gebeine der drei Weisen aus dem Morgenland hier - im Kölner Dom. In einem alten Schrein, der als einer der wertvollsten und größten seiner Art gilt. Aber was wäre, wenn die Heiligen Drei Könige keine Lust mehr hätten, im Schrein zu liegen? Was, wenn sie sich noch einmal aufmachen wollten, um dem Stern zu folgen? Dann hätten sie vermutlich Probleme...

Auf der Suche nach dem Weihnachtsstern

Ein Lichtermeer und keine Sterne

Denn sehen würden die drei Weisen das: Einen hell erleuchteten Kölner Dom. Und kaum Sterne am Himmel. Denn die sind bei zu viel künstlichem Licht einfach nicht mehr zu erkennen. Gerade mal 200 bis 500 Sterne können nach Angaben der "Dark Sky Association" von Großstadtbewohnern heute noch mit bloßem Auge entdeckt werden - früher waren es rund 2500. Wie soll man so dem Weihnachtsstern folgen?

Auf der Suche nach dem Weihnachtsstern

Lichtverschmutztes Europa

"Erstmal raus aus der Großstadt und dann Richtung Bethlehem", wäre vielleicht ein guter Ratschlag. Doch eine Sternengarantie gibt es auf der weiteren Reiseroute auch nicht. Forscher sprechen von einer "Lichtverschmutzung" Europas. Denn dieses Ausmaß an künstlicher Beleuchtung ist schädlich: Es beeinträchtigt Ökosysteme und stört den chronobiologischen Rhytmus von Menschen und Tieren.

Sternenhimmel Milchstrasse

Auf der Suche nach dem Weihnachtsstern

Milchstraße? Nie gesehen!

Und so würde der Sternenhimmel für die Heiligen Drei Könige heute wohl ganz anders aussehen als noch vor 2000 Jahren. Wo ist denn zum Beispiel die Milchstraße? Die Hälfte aller Europäer kann die Galaxie auch bei klarem Himmel nicht erkennen - zu viel künstliches Licht nimmt die Sicht. Und auch ein Drittel aller Deutschen gibt in Umfragen an, die Galaxie noch nie gesehen zu haben.

Auf der Suche nach dem Weihnachtsstern

Orte der Sternenkunde

Vielleicht sollten die drei Weisen aus dem Morgenland mal nachfragen, wo heutige Astronomen ihre Forschungsstationen aufbauen? Das größte Radioteleskop weltweit steht in einer der höchstgelegenen und einsamsten Landschaften der Erde: Der Atacamawüste. Von hier aus sollte man den Weihnachtsstern eigentlich erkennen können - wenn es ihn denn gibt.

Auf der Suche nach dem Weihnachtsstern

Irgendwo hier muss der Stall sein...

Nehmen wir an, die Heiligen Drei Könige sichten den Weihnachtsstern und schaffen es doch bis nach Israel. Und dann? Auch diese Region wird von künstlichem Licht hell erleuchtet. Auf dem Bild deutlich zu sehen ist auch der Nil im Nachbarland Ägypten: Das Flussdelta macht nur fünf Prozent von Ägyptens Landfläche aus - aber wie die Lichter vermuten lassen, leben hier 95 Prozent aller Menschen.

Auf der Suche nach dem Weihnachtsstern

Weihnachtslichter überall

Und hier ist sie also: Die Geburtskirche Jesu in Bethlehem. An diesem Ort soll der Weihnachtsstern die Heiligen Drei Könige vor mehr als 2000 Jahren geführt haben. Damals gab es auf diesem Platz vermutlich noch weniger künstliches Licht. Der weihnachtliche Brauch, Straßen und Häuser hell zu erleuchten, macht den Blick auf den Sternenhimmel auf jeden Fall deutlich schwieriger.

Auf der Suche nach dem Weihnachtsstern

Gab es den Weihnachtsstern wirklich?

Hier, in der Geburtskirche in Bethlehem, ist er also: Der Weihnachtsstern. Ob es ihn wirklich gab, darüber rätselt die Wissenschaft bis heute. Einige Forscher meinen, die Himmelserscheinung könnte ein Komet gewesen sein. Andere glauben, es war eine Supernova oder aber das Aufeinandertreffen zweier Planeten. Schade, dass wir die Sternenkundler von damals nicht einfach fragen können.

Mehr zum Thema