1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
Politik

Chinesisches Vakzin in Ungarn eingetroffen

16. Februar 2021

Damit schert das von Viktor Orban regierte Land auch bei der Corona-Bekämpfung aus dem EU-Verbund aus. Das sorgt im fernen Brüssel einmal mehr für mächtig Verärgerung.

https://p.dw.com/p/3pS6e
Die Paletten mit dem Sinopharm-Impfstoff werden auf dem Budapester Flughafen aus der chinesischen Frachtmaschine geholt
Paletten mit dem Sinopharm-Impfstoff werden auf dem Budapester Flughafen aus der chinesischen Frachtmaschine geholtBild: Zoltan Mathe/AP Photo/picture alliance

Eine Lieferung von in China produzierten COVID-19-Impfstoffen ist in Ungarn eingetroffen. Ein Flugzeug mit insgesamt 550.000 Impfstoffdosen des chinesischen Staatsunternehmens Sinopharm landete auf dem internationalen Flughafen von Budapest. Ungarn ist damit der erste EU-Staat, der ein Vakzin zur Corona-Bekämpfung aus der Volksrepublik erhalten hat.

Orban: Beschaffung durch Brüssel zu lahm   

Die Ladung reiche für die Behandlung von 275.000 Menschen mit der Zweidosenimpfung, sagte Agnes Galgoczy vom Nationalen Zentrum für öffentliche Gesundheit bei einer anschließenden Pressekonferenz. Damit seien nun fünf verschiedene Corona-Impfstoffe in Ungarn verfügbar. Insgesamt werden fünf Millionen Sinopharm-Dosen erwartet, um 2,5 Millionen Menschen zu behandeln. Das Land will zudem zwei Millionen Dosen des russischen Impfstoffs Sputnik V erwerben. Ungarn hat knapp zehn Millionen Einwohner.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban
Der ungarische Ministerpräsident Viktor OrbanBild: Reuters/D. W. Cerny

Ungarns Gesundheitsbehörden waren die ersten eines EU-Mitglieds, die für den Sinopharm-Impfstoff eine Notfallzulassung erteilten - ohne eine Prüfung durch die Arzneimittelbehörde des Landes. Premierminister Viktor Orban hatte dies mit der seiner Ansicht nach zu langsamen Impfstoff-Beschaffung durch die EU-Kommission kritisiert. Wenn die Vakzine nicht aus Brüssel kämen, müssten sie von anderswo bezogen werden. Man könne nicht ungarische Bürger sterben lassen, nur weil die EU-Kommission zu langsam sei, so Orbans Argumentationslinie.

Bütikofer:  "Geopolitische Posen" Orbans  

Der deutsche Grünen-Europaabgeordnete Reinhard Bütikofer übte unterdessen scharfe Kritik an dem Vorgehen Ungarns. In einem Interview der Deutschen Welle warf Bütikofer Orban einen Alleingang vor: "Er hat sich wirklich nicht bemüht, mit den anderen EU-Staten zu kooperieren - so wie in so vielen anderen Fällen." Sogar die ungarische Ärztekammer habe sich geweigert, die Verwendung von russischen oder chinesischen Impfstoffen zu empfehlen. Orbans Politik hier sei eher von "geopolitischen Posen" geprägt als von wirklichen gesundheitlichen Bedenken, so Bütikofer gegenüber der DW.

Der aus Deutschland kommende grüne Europa-Parlamentarier Reinhard Bütikofer
Der aus Deutschland kommende grüne Europa-Parlamentarier Reinhard Bütikofer Bild: DW/Mu Cui

Der grüne Parlamentarier äußerte in diesem Zusammenhang auch Zweifel an Orbans Aussage, dass bis Ostern - also bis Anfang April -  alle Ungarn geimpft sein würden. Bütikofer: "Ich denke, Orban sollte in seiner Verantwortung für das ungarische Volk sicherstellen, dass er wissenschaftlichen Ratschlägen folgt."

sti/uh (DW, ap, rtr)