Agnès Varda - Begründerin der Nouvelle Vague ist tot

Agnès Varda - Begründerin der Nouvelle Vague ist tot

Im Februar: Berlinale-Kamera für Agnès Varda

"Varda par Agnès" ist eine persönliche Erinnerung auf Zelluloid. Die Französin blickt in ihrem Film, den sie erst kürzlich mit 90 Jahren in der deutschen Hauptstadt als Weltpremiere präsentierte, zurück auf Leben und Werk. Sie tut das im Film mit Charme, künstlerischer Finesse und Humor. In Berlin bekam Agnès Varda dafür den Ehrenpreis der Berlinale. Nun ist sie gestorben, im Alter von 90 Jahren.

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"Augenblicke: Gesichter einer Reise"

"Augenblicke: Gesichter einer Reise" kam 2018 in Deutschland in die Kinos - ein humorvoller wie tiefsinniger Film über ihre Heimat. Gleichzeitig war es auch ein Film über eine Freundschaft. Varda reiste mit dem Street-Art-Künstler JR in die französische Provinz und erzählte von den Menschen in Frankreich, ihren Sorgen, Nöten, aber auch den Freuden des Lebens.

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Immer engagiert: Agnès Varda

Als bei den Filmfestspielen in Cannes im vergangenen Jahr 82 Frauen auf die Unterbeschäftigung von Frauen im Filmgeschäft aufmerksam machten, war Agnès Varda als älteste Teilnehmerin auf dem Roten Teppich dabei. Seit Mitte der 1950er Jahre war sie eine Vorreiterin des Autorenfilms - künstlerisch einflussreich, engagiert und dabei mit viel Humor ausgestattet.

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Viele Ehrungen für Agnès Varda

Lange Zeit stand die Regisseurin im Schatten ihrer bekannteren männlichen Regiekollegen François Truffaut, Claude Chabrol und Jean-Luc Godard. Dabei war sie es, die einst die Nouvelle Vague mitbegründete, jene inzwischen legendäre filmische Erneuerungsbewegung in Frankreich, die Einfluss auf das gesamte europäische Filmschaffen haben sollte.

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Debüt mit "La Pointe Courte"

1955 feierte Agnès Varda in Cannes mit "La Pointe Courte" ihren ersten großen Festivalauftritt. Ihr Debüt, halb Dokumentation, halb Spielfilm, blickt auf ein junges Paar an der französischen Mittelmeerküste, das in der Krise steckt. Gleichzeitig zeichnet Varda in ihrem Film das harte Leben französischer Fischer nach, die um ihre Existenz ringen. An den Kinokassen fiel "La Pointe Courte" durch.

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"Mittwoch zwischen 5 und 7"

Nach dem aus wirtschaftlicher Sicht missglückten Debüt schlug sich Varda zunächst einige Jahre mit Auftragsarbeiten durch - bis sie 1961 künstlerisch mit "Cléo de 5 à 7" ("Mittwoch zwischen 5 und 7") noch einmal neu begann. In ihrem zweiten Spielfilm erzählt die Regisseurin von einer jungen Pop-Sängerin, die auf das Ergebnis einer Krebs-Untersuchung wartet. Ein Film über Zeit, Angst und den Tod.

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Surreales Märchen: "Die Geschöpfe"

Zwei Stars des französischen Kinos vereinte Varda in "Les créatures" ("Die Geschöpfe") im Jahre 1966. Michel Piccoli und Catherine Deneuve spielen ein Paar, das Ferien auf einer kleinen Insel macht. Er ist Science-Fiction-Autor, sie nach einem Unfall verstummt. Der Film spielt mit surrealen Märchenelementen, wechselt zwischen Schwarz-Weiß und Farbe.

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Rückkehr nach Frankreich

In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre drehte Varda mehrere Dokumentarfilme in den USA, die sich mit sozial- und gesellschaftskritischen Themen auseinandersetzen. Nach ihrer Rückkehr nach Frankreich inszenierte sie 1977 "L'une chante, l'autre pas" ("Die eine singt, die andere nicht"). Vardas Beitrag zur Feminismusdebatte erzählt die Geschichte einer Frauenfreundschaft über einen langen Zeitraum.

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Erfolg mit "Vogelfrei"

Ihren bis dahin größten Erfolg feierte Agnès Varda dann 1985, als sie für ihren Film "Sans toit ni loi" ("Vogelfrei") den Goldenen Löwen der Filmfestspiele in Venedig errang. Die Geschichte einer jungen Frau (Sandrine Bonnaire), die aus dem bürgerlichen Leben aussteigt, ist auch ein Spiegel der Karriere der Regisseurin: Der Film stellt Fragen nach konsequenter Lebensverweigerung und Anpassung.

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Arbeiten mit Jane Birkin

Nach "Vogelfrei" widmete sich die Regisseurin in zwei Filmen der Sängerin und Schauspielerin Jane Birkin. Nach einem kunstvollen Porträtfilm über Birkin drehte sie 1987 "Le petit amour" ("Die Zeit mit Julien"), der die Liebe zwischen einer 40-jährigen Frau und einem 14-jährigen Jungen nachzeichnet. Neben Jane Birkin spielen Vardas Sohn Mathieu Demy und Birkins Tochter Charlotte Gainsbourg mit.

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Abschied vom Ehemann

Eine ganz persönliche Trauerarbeit war "Jacquot de Nantes" im Jahre 1991. Vardas langjähriger Ehemann, der Filmregisseur Jacques Demy, war im Jahr zuvor gestorben. In dem Film widmet sich die Regisseurin nun in spielerischer Art und Weise der Jugend und der späteren künstlerischen Laufbahn des Regisseurs, der vor allem mit Musicals bekannt geworden war.

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Blick auf die Kinogeschichte

1995, als weltweit 100 Jahre Kino gefeiert wurde, steuerte auch Agnès Varda einen Beitrag zu den Jubiläumsfeierlichkeiten bei. In "Les cent et une nuits de Simon Cinéma" ("Hundert und eine Nacht") bringt Varda in einem phantasievollen Bilderreigen verschiedene Größen der Leinwandgeschichte zusammen: ein künstliches und künstlerisches Kaleidoskop des Kinos.

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"Die Sammler und die Sammlerin"

Zur Jahrtausendwende legte Agnès Varda dann einen weiteren Dokumentarfilm vor, der sich um die französische Landbevölkerung dreht. Ein Jurist, gekleidet in dunkler Robe, führt durch den Film. In "Les glaneurs et la glaneuese" ("Die Sammler und die Sammlerin") geht es der Filmemacherin um die sogenannten Sammler, die früher frisch abgeerntete Felder nach essbaren Ernterückständen absuchten.

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Rückblick auf das eigene Leben

Vor knapp zehn Jahren blickte die Filmregisseurin in "Les plages d'Agnès" ("Die Strände von Agnès") im Kino schon einmal zurück aufs eigene Leben. Dabei griff Varda kaum auf altes Material und nur auf wenige Filmausschnitte zurück. Vielmehr erlebt der Zuschauer die Regisseurin an ihren Lieblingsplätzen - den Stränden Frankreichs. Eine Reflexion über Leben und Leidenschaften, über Kunst und Kino.

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Abschiedsvorstellung: "Varda by Agnès"

Agnès Varda hat viele Preise bekommen in ihrem Leben, unter anderem 1965 einen Spezialpreis der Berlinale, 1985 den Goldenen Löwen in Venedig und 2014 den Ehren-Leoparden in Locarno. 2017 kam der Ehrenoscar dazu. "Varda by Agnès", den sie im Februar in Berlin präsentierte, sollte ihr letzter Film werden. Ein schönes Abschiedsgeschenk der Regisseurin, die nun mit 90 Jahren gestorben ist.

Seit 1955 drehte Agnès Varda Filme. 2017 wurde sie mit einem Ehrenoscar ausgezeichnet. Vor kurzem erhielt sie die Berlinale-Kamera der Filmfestspiele. Jetzt ist die große, alte Dame des französischen Kinos gestorben.