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Umweltaktivistin fordert Kanzlerin heraus

Cai Nebe
17. Dezember 2018

Angela Merkel gab Lisa Storcks 2017 im Fernsehen das Versprechen, dass Deutschland die Klimaziele für 2020 erreicht. Nun sieht es so aus, als würde Merkel ihr Versprechen brechen. Lisa Storcks gibt aber nicht auf.

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Lisa Storck spricht auf der Kölner Klimademonstration (Bild: DW/G. Rueter).
Lisa Storck fordert auf der Kölner Klimademonstration von Angela Merkel die Einhaltung ihres Versprechens Bild: DW/G. Rueter

Während einer TV-Sendung vor der Bundestagswahl mit Angela Merkel ergriff die damals 23-jährige Umweltaktivistin Lisa Storcks etwas nervös das Mikrofon. Storcks fragte die Bundeskanzlerin, wann der Kohleausstieg beginne, damit Deutschland das Klimaziel für 2020 noch erreicht.

"Wir werden Wege finden, wie wir bis 2020 unser 40-Prozent-Ziel einhalten. Das verspreche ich Ihnen", antwortete Merkel.

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Mit diesem Versprechen wurde Lisa Storcks in Deutschland bekannt. Die junge Studentin verlangt Verantwortung von Merkel, um ein Scheitern der Klimapolitik zu verhindern. "Es war total irre, dass sie mir das versprochen hat, dass sie verspricht, dass die Bundesregierung ihre Ziele erreichen würde", sagt Lisa Storcks zur DW.

Ein halbes Jahr nach diesem Versprechen gab die Regierung die Klimaziele auf. "Das war für mich enttäuschend. Es war aber auch nicht ganz überraschend. Während der TV-Debatte wussten viele, dass es schwer wird, diese Ziele zu erreichen. Wir sollten aber zumindest versuchen, es zu erreichen, anstatt es aufzugeben", findet Storcks.

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Leben und denken für eine nachhaltige Zukunft

Lisa Storcks denkt an die Umwelt seit sie zwölf Jahre alt ist. Sie entschied sich damals, entsprechend zu leben, ging auf ihre ersten Demos, stieg auf eine vegetarische Ernährung um und ist noch nie geflogen.

Tausende Teilnehmer demonstrieren bei einer Demonstration von Umweltschützern in Köln (Foto: picture-alliance/dpa/H. Kaiser)
In Berlin und Köln fordern rund 36.000 Menschen den schnellen Kohleausstieg und eine Politik für den KlimaschutzBild: picture-alliance/dpa/H. Kaiser

Sie engagiert sich in der Jungendorganisation des WWF, führt dort Jugendgruppen und kümmert sich um Onlineartikel. Auch bei Greenpeace ist sie aktiv und startete an ihrer Universität eine Kampagne zum sogenannten Divestment. Sie forderte die Uni auf, ihre Bankkonten offenzulegen und Geldvermögen aus Unternehmen abzuziehen, die mit fossilen Energien noch ihr Geld verdienen.

Storcks denkt aber auch schon weiter, will Brücken bauen zwischen Umweltaktivismus und einer realistisch denkenden Ökonomie. Sie hat gerade ihren Master in Economic Policy Consulting an der Ruhr-Universität Bochum angefangen. Daneben engagiert sie sich noch im lokalen Arbeitskreis des Netzwerk Plurale Ökonomik in Bochum, das Experten aus vielfältigen Bereichen zusammenbringt, mit dem Ziel, mehr Verständnis für eine nachhaltige Wirtschaft zu verbreiten.  

Es geht nicht nur um eine Seite

Storcks will eine Wirtschaft, die die Grenzen dieser Erde akzeptiert – vor allem im Bereich der Energieversorgung. "Ich weiß, diese Rolle ist nicht leicht. Es geht hierbei nicht nur um eine Seite von Umwelt oder Wirtschaft."

Umweltaktivistin Lisa Storcks (Foto: DW/C. Nebe)
Langfristig denken: Gesunde Umwelt und gesunde Wirtschaft gehören für Lisa Storcks zusammenBild: DW/C. Nebe

Die 24-Jährige will beide Seiten verstehen. Sie möchte gegenseitiges Verständnis schaffen zwischen Menschen mit alternativen, grünen Idealen und der realen Welt, die von der Ökonomie bestimmt wird.

"Wenn man die Umwelt und das Klima schützen will, dann muss man dahin gehen, wo die Stimme ein Gewicht hat und Veränderungen bewirkt." Für Storcks gibt es hier noch viele Herausforderungen: Umweltthemen müssten nach vorne gebracht werden. "Politiker und Ökonomen denken nur kurzfristig und interessieren sich mehr fürs Geld als für den Aufbau eines nachhaltiges Systems," sagt sie. Ein Problem sei auch, dass die negativen Folgen der Wirtschaft nicht immer auf den ersten Blick so einfach sichtbar sind.

Plakate auf der Klimademo in Köln  (Foto: DW/G. Rueter )
"Die grauen Herren verheizen unsere Zukunft": Die Bewegung gegen kurzfristige Profite wächstBild: DW/G. Rueter

"Wir Jungen müssen uns wehren"

Lisa Storcks koordiniert Demos, schreibt Petitionen, ist im Netz aktiv, bindet andere junge Menschen und Politiker ein. Trotzdem findet sie noch Zeit, ihre Masterarbeit fertigzustellen. "Das Engagement ist für mich gar keine Arbeit, es ist wie mein Hobby. Ich will das Bewusstsein schärfen für Nachhaltigkeit im alltäglichen Leben."

Ein stabiles Klima sei entscheidend für die Zukunft ihrer Generation. Für Lisa Storcks ist dies ein Ansporn: "Wir sind vom Klimawandel schon massiv betroffen. Jetzt müssen wir unseren Mund aufmachen und uns dagegen wehren."

Anderseits ist ihr aber auch bewusst, dass das Leben in Deutschland relativ komfortabel ist. Daraus erwachse auch der starke Wunsch, sich besonders fü eine nachhaltige Zukunft und Gerechtigkeit zu engagieren. "Es ist unser Privileg und unsere Verantwortung in den Industrieländern. Wir haben das Klimachaos verursacht und müssen etwas dagegen tun. Wir leben ein gutes Leben auf Kosten der ärmeren Länder und letztendlich spüren diese noch viel stärker die Auswirkungen des Klimawandels als wir."